Die Inzidenzen von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose, Typ-1-Diabetes oder chronisch entzündlicher Darmerkrankungen steigen bereits seit Jahrzehnten stetig an, vor allem in den westlichen Ländern.1 Sie stellen somit ein immer größer werdendes Problem dar und Forscher:innen versuchen die entscheidenden Faktoren zu identifizieren, die zur Auslösung dieser Erkrankungen beitragen. Dabei spielen sowohl genetische Prädispositionen als auch Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle und auch Adipositas wird als Risikofaktor vermutet.2
Allgemein sind Immunreaktionen essentiell, um den Körper vor potentiellen Krankheitserregern zu schützen, doch bei der Regulierung der Immunantworten können zwei Arten von Störungen auftreten: ein Immundefektsyndrom oder Autoimmunerkrankungen. Bei Letzteren geraten die Entzündungsprozesse außer Kontrolle, wobei körpereigenes Gewebe angegriffen wird. Entzündungsregulierende Botenstoffe wie Prostaglandine oder Zytokine sind dabei entscheidende Mediatoren. Sie markieren die Zielzellen, aktiveren die Makrophagen und lösen so die krankhaften Immunreaktionen aus.3
Autoimmunerkrankungen betreffen etwa 8 % der deutschen Bevölkerung4 und es gibt etwa 100 verschiedene Ausprägungsformen. Diese können einzelne Organe betreffen oder sich auf mehrere Bereiche im Körper auswirken wie z.B. der systemische Lupus erythematodes, eine rheumatische Erkrankung, die alle Organe befallen kann. Frauen sind grundsätzlich öfter von Autoimmunerkrankungen betroffen als Männer, so liegt das Geschlechtsverhältnis für systemischen Lupus erythematodes beispielsweise bei 9:1. Allerdings können durch hormonelle Auswirkungen statistische Schwankungen verursacht werden .3,5
Die Auslöser für Autoimmunerkrankungen umfassen neben den genetischen Prädispositionen auch die Kombination verschiedener Umwelteinflüsse wie die Ernährung, das Mikrobiom, Infektionen, Xenobiotika, Arzneimittel, Hormone oder UV-Licht.3 Bei einer Adipositas-Erkrankung gibt es ebenso einige Faktoren, die Immunreaktionen bewirken können:
Neuere große Interventionsstudien deuten darauf hin, dass eine Vitamin-D-Supplementierung das Risiko für das Neuauftreten bestimmter Autoimmunerkrankungen moderat senken kann.13 Gleichzeitig verweist eine systematische Übersichtsarbeit am Beispiel der Multiplen Sklerose darauf, dass nicht für alle Autoimmunerkrankungen ein klarer therapeutischer Effekt einer Vitamin‑D‑Supplementierung belegt ist.14 Daher gilt: Ein Vitamin-D-Mangel sollte aus allgemeingesundheitlichen Gründen ausgeglichen werden. Ob und in welchem Ausmaß Vitamin D jedoch ursächlich an der Entstehung einzelner Autoimmunerkrankungen beteiligt ist, wird weiterhin kontrovers diskutiert.15,16 Zukünftige Studien diesbezüglich könnten weitere Hinweise auf den Zusammenhang geben.2
Adipositas wirkt sich auf viele verschiedene Bereiche des Körpers aus, auch auf das Immunsystem. Sowohl die erhöhte Konzentration an immunregulierenden Botenstoffen aus Fettzellen als auch eine mit Adipositas assoziierte unausgeglichene Ernährung können die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Autoimmunerkrankungen erhöhen. Eine Gewichtsreduktion kann dabei helfen, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und die Immunantworten zu regulieren.
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