Die Inzidenzen von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose, Typ-1-Diabetes oder chronisch entzündlicher Darmerkrankungen steigen bereits seit Jahrzehnten stetig an, vor allem in den westlichen Ländern.1 Sie stellen somit ein immer größer werdendes Problem dar und Forscher:innen versuchen die entscheidenden Faktoren zu identifizieren, die zur Auslösung dieser Erkrankungen beitragen. Dabei spielen sowohl genetische Prädispositionen als auch Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle und auch Adipositas wird als Risikofaktor vermutet.2
Allgemein sind Immunreaktionen essentiell, um den Körper vor potentiellen Krankheitserregern zu schützen, doch bei der Regulierung der Immunantworten können zwei Arten von Störungen auftreten: ein Immundefektsyndrom oder Autoimmunerkrankungen. Bei Letzteren geraten die Entzündungsprozesse außer Kontrolle, wobei körpereigenes Gewebe angegriffen wird. Entzündungsregulierende Botenstoffe wie Prostaglandine oder Zytokine sind dabei entscheidende Mediatoren. Sie markieren die Zielzellen, aktiveren die Makrophagen und lösen so die krankhaften Immunreaktionen aus.3
Autoimmunerkrankungen betreffen etwa 3-5 % der Bevölkerung und es gibt etwa 100 verschiedene Ausprägungsformen. Diese können einzelne Organe betreffen oder sich auf mehrere Bereiche im Körper auswirken wie z.B. der systemische Lupus erythematodes, eine rheumatische Erkrankung, die alle Organe befallen kann. Frauen sind grundsätzlich öfter von Autoimmunerkrankungen betroffen als Männer, so liegt das Geschlechtsverhältnis für systemischen Lupus erythematodes beispielsweise bei 7:1 bis 10:1. Es wird vermutet, dass diese statistische Schiefe durch hormonelle Auswirkungen verursacht wird.3,4
Die Auslöser für Autoimmunerkrankungen umfassen neben den genetischen Prädispositionen auch die Kombination verschiedener Umwelteinflüsse wie die Ernährung, das Mikrobiom, Infektionen, Xenobiotika, Arzneimittel, Hormone oder UV-Licht.3 Bei einer Adipositas-Erkrankung gibt es ebenso einige Faktoren, die Immunreaktionen bewirken können:
Von den Fettzellen werden vermehrt Botenstoffe wie Adipokine ausgeschüttet. Diese gelangen in die Blutbahn, wirken sich auf den Energiestoffwechsel aus und fördern Entzündungen. Durch die erhöhte Adipokin-Konzentration wird das Gleichgewicht zwischen verschiedenen Immunzellen (z.B. Th17- oder TReg-Zellen) gestört.2
AIM-Proteinkomplexe werden bei Adipositas vermehrt durch Makrophagen hergestellt, verhindern die Apoptose und regen die Bildung von gesättigten Fettsäuren an. Dies führt zu einer Aktivierung sogenannter Inflammasome, die Entzündungsreaktionen auslösen können. Außerdem steigt durch eine erhöhte AIM-Konzentration auch die Konzentration des Antikörpers Immunglobulin M (IgM), einem wichtigen Mediator der Immunantwort.2
Das Darmmikrobiom beeinflusst nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem. Bei einigen Autoimmunerkrankungen konnte bereits eine auffällige Veränderung der Darmflora im Vergleich zu gesunden Proband:innen festgestellt werden. Beim systemischen Lupus erythematodes wurde beispielsweise ein verringerter Anteil von Firmicutes/Bacteroidetes-Bakterien im Darm beobachtet. Durch westlich geprägte Ernährungsweisen mit hohem Salz - und Fettgehalt steigt das Risiko einer Adipositas-Erkrankung und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für eine Dysbiose im Verdauungstrakt an.2,5-8
Menschen mit Adipositas leiden sehr häufig auch unter einem Vitamin-D-Mangel. Da Vitamin D eine entscheidende Rolle in der Regulation von Immunantworten spielt, hat eine erniedrigte Vitamin-D-Konzentration Folgen für die Aktivität des Immunsystems. Allerdings wird der Einfluss eines Vitamin-D-Mangels auf die Entstehung von Autoimmunerkrankungen noch kontrovers diskutiert. Zukünftige Studien diesbezüglich könnten weitere Hinweise auf den Zusammenhang geben.2
Fazit:
Adipositas wirkt sich auf viele verschiedene Bereiche des Körpers aus, auch auf das Immunsystem. Sowohl die erhöhte Konzentration an immunregulierenden Botenstoffen aus Fettzellen als auch eine mit Adipositas assoziierte unausgeglichene Ernährung können die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Autoimmunerkrankungen erhöhen. Eine Gewichtsreduktion kann dabei helfen, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und die Immunantworten zu regulieren.
Haben Sie bereits Erfahrungen mit Autoimmunerkrankungen bei Adipositas gemacht? Tauschen Sie sich gerne mit Ihren Kolleg:innen über die Kommentarfunktion aus!
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