Die Schmerztherapie bei älteren Menschen ist oft ein Balanceakt. Nebenwirkungen, Multimorbidität und Arzneimittelinteraktionen erschweren die Versorgung, während Analgetika das ohnehin erhöhte Sturzrisiko weiter steigern können – besonders bei Polypharmazie.1
Praxis-Tipp: Eine umfassende Schmerzeinschätzung sollte die Ursache, den Schmerztyp (nozizeptiv vs. neuropathisch) und die Intensität berücksichtigen.2
Bei Menschen im Alter von 65 bis 103 Jahren liegt die Prävalenz chronischer Schmerzen bei 38,5 %.3 Die Einstellung einer optimalen Therapie dient dabei mehr als nur der Schmerzlinderung. Unter anderem ist sie wichtig, um:1
Eine ausreichende Schmerzlinderung kann das Sturzrisiko bei körperlicher Aktivität senken. Um Nebenwirkungen möglichst gering zu halten, sollten Therapieentscheidungen individuell getroffen werden und pharmakologische sowie nicht-medikamentöse Ansätze kombinieren:2
Vor der Verordnung sturzrisikorelevanter Medikamente empfiehlt sich eine Sturzanamnese und die Nutzung strukturierter Screening-Tools (START/STOPP). Eine multidimensionale Sturzprävention umfasst gezieltes Deprescribing, insbesondere in Pflegeeinrichtungen.2
In der geriatrischen Schmerztherapie kommen Opioide vorwiegend bei Tumorschmerzen zum Einsatz. Laut Praxisleitlinie können diese frühzeitig eingesetzt werden, ohne dass das klassische WHO-Stufenschema vollständig durchlaufen werden muss.4 Ein häufiger Fehler in der Versorgung: Opioide aufsparen oder verweigern.1 Weitere mögliche Indikationen umfassen degenerative Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen, fortgeschrittene entzündliche Gelenkerkrankungen, Osteoporose-Schmerzen, pAVK (Stadium II–III), diabetische oder postherpetische Neuropathien, chronische Pankreatitis sowie Rückenmarksläsionen.1
Stürze im Alter sind multifaktoriell bedingt. Opioide können dazu beitragen, etwa durch:1,5
Das Sturzrisiko steigt laut Studien vor allem in den ersten vier Wochen der Therapie an, insbesondere bei Personen über 85 Jahren.1,6 Die Leitlinie zur Sturzprävention empfiehlt, schwache Opioide möglichst zu vermeiden, da ihr potenzieller Nutzen das Risiko von Nebenwirkungen häufig nicht aufwiegt.2
Praxis-Tipp: Langsames Auftitrieren und sorgfältige Abwägung bei Einsatz von Opioiden1,6
Für die Basisanalgesie empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) ein oral einzunehmendes Opioid mit 24‑stündiger Wirksamkeit und einmal täglicher Gabe, um Schwankungen am Dosisende zu vermeiden. Hydromorphon wird aufgrund seines Nebenwirkungsprofils als Präferenzsubstanz in der Tumorschmerztherapie genannt.4 Bei Patientinnen und Patienten mit Polypharmazie wird Hydromorphon laut DGS-Leitlinie zudem aufgrund der guten Verträglichkeit und der niedrigsten Eiweißbindung unter den gängigen Opioiden empfohlen.4 Laut LONTS-Leitlinie gilt Hydromorphon aufgrund der geringen Bildung analgetisch aktiver Metaboliten zudem als bevorzugte Option bei Niereninsuffizienz, neben Fentanyl und Buprenorphin.7
Referenzen:
Bildquelle: KI-generiert