Am 4. März ist Welt-Adipositas-Tag (engl.: World Obesity Day), organisiert von der World Obesity Federation. Das diesjährige Motto „Together, we can change the story of obesity“, also „Gemeinsam können wir die Geschichte der Adipositas verändern“ unterstreicht die Notwendigkeit gemeinsamer Anstrengungen von Medizin, Politik und Gesellschaft.
Globale Prognosen verdeutlichen die Dringlichkeit: Bis 2035 werden voraussichtlich rund vier Milliarden Menschen, etwa die Hälfte der Weltbevölkerung, mit Übergewicht oder Adipositas leben. Schon heute sind über eine Milliarde Menschen betroffen.1 Die ökonomische Belastung wird bis 2030 auf 3,23 Billionen US-Dollar geschätzt, etwa durch steigende Ausgaben für Gesundheits-, Renten- und Sozialsysteme sowie durch Produktivitätsverluste infolge von Arbeitsausfällen und (Früh-)Verrentung.1,2 Jährlich sterben rund 1,7 Millionen Menschen vorzeitig an nichtübertragbaren Erkrankungen, die durch Übergewicht und Adipositas begünstigt werden.1
Auch in Deutschland ist Adipositas weit verbreitet: Etwa ein Viertel der Erwachsenen ist adipös und rund 15 % der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder adipös.2 Trotz der Anerkennung als chronische Erkrankung im Jahr 2020 bestehen weiterhin Versorgungslücken. Disease-Management-Programme (DMP) sind nicht flächendeckend verfügbar, multimodale Basistherapien erreichen nicht alle Betroffenen, und medikamentöse Therapien werden oft ausgeschlossen, unter anderem, weil Arzneimittel zur Gewichtsreduktion derzeit in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Viele Betroffene erhalten damit nicht die leitliniengerechte Betreuung, die notwendig wäre, um Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verhindern.2,3
Ein zentrales Narrativ des Welt-Adipositas-Tages 2026 lautet: „Obesity does not occur in isolation“1, ins Deutsche übersetzt: „Adipositas entsteht nicht isoliert.“ Adipositas wird immer von sozialen, ökonomischen und Umweltfaktoren beeinflusst: Armut, Stigmatisierung, ungleicher Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, eine begrenzte Verfügbarkeit gesunder Lebensmittel sowie Lebensumfelder, die ein gesundes Leben nicht fördern, beeinflussen Risiko und Krankheitsverlauf über die gesamte Lebensspanne hinweg.1 Auch die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) betont, dass die Adipositas-Epidemie nicht allein auf individuelle Verantwortung zurückzuführen ist. Um die Entwicklung wirksam zu bremsen, sind politische Maßnahmen auf struktureller Ebene notwendig. Die DAG fordert:2
Nur durch solche Reformen lassen sich die steigenden Zahlen bremsen.2 Politik kann damit die Rahmenbedingungen schaffen, um die globale Geschichte der Adipositas langfristig zu verändern.
Trotz der politischen und strukturellen Herausforderungen bleibt die ärztliche Versorgung entscheidend. Ärztinnen und Ärzte sind oft die ersten Anlaufstellen für Menschen mit Adipositas und erleben täglich, welche Folgen die bestehenden Versorgungslücken haben.4 Sie können zwar die gesellschaftliche Situation nicht allein ändern, doch in den individuellen Lebensgeschichten ihrer Patientinnen und Patienten können sie großen Einfluss haben. Durch eine respektvolle, entstigmatisierende Begleitung, die leitliniengerechte Therapieoptionen einbezieht, können Behandelnde entscheidend dazu beitragen, dass einzelne Schicksale positiv beeinflusst und Geschichten neu geschrieben werden.2 Gleichzeitig ist es aus dieser Berufsgruppe heraus wichtig, politische Maßnahmen einzufordern und so die Rahmenbedingungen für eine bessere Versorgung nachhaltig mitzugestalten.
Der Welt-Adipositas-Tag 2026 ist ein Call to Action: Adipositas ist behandelbar, aber nicht von selbst lösbar. Mit Prävention, strukturellen Reformen und entstigmatisierender Versorgung können wir die Geschichte der Adipositas gemeinsam verändern.
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