Wer im OP mit Hemopatch arbeitet, denkt zunächst an eines: Blutstillung. Doch ein Blick auf die aktuelle Studienlage zeigt: Das Einsatzspektrum geht deutlich darüber hinaus.
Das PEG-beschichtete Kollagenpatch Hemopatch ist sehr flexibel einsetzbar und sorgt im OP mit seiner doppelten Funktion als Hämostatikum und Gewebeversiegeler für:
Die klinische Evidenz aus verschiedenen chirurgischen Disziplinen zeigt, dass beide Funktionen – Hämostase und Gewebeversiegelung – im OP-Alltag klinisch relevant sind. Neben der klassischen Hämostase rückt im OP dabei zunehmend die Versieglung von Geweben und flüssigkeits- bzw. luftgefüllten Körperhöhlen in den Fokus.
Wie breit Hemopatch tatsächlich eingesetzt wird, zeigt eine europäische Registerstudie von Lombard et al. (2022), der bislang größten Real-World-Studie zur Anwendung von Hemopatch, in der Effektivität und Sicherheit über verschiedene chirurgische Disziplinen hinweg untersucht wurde.4
Die Ergebnisse liefern einen Einblick in die Wirksamkeit des PEG-beschichteten Kollagenpatches als Hämostatikum und Gewebeversiegler im chirurgischen Alltag: So konnten in 75,5% der Anwendungen innerhalb von zwei Minuten eine Hämostase erreicht werden, während es in 99,8% der Fälle bis zum Operationsende zu keiner erneuten Blutung kam.4 Eingesetzt wurde das Material dabei in unterschiedlichen chirurgischen Fachgebieten - unter anderem in der hepatopankreatobiliären (HPB) Chirurgie, der Neurochirurgie sowie in urologischen und allgemein – bzw. viszeralchirurgischen Eingriffen. Neben der Blutstillung zeigte sich auch eine Wirkung bei der Abdichtung von Gewebeoberflächen und Körperflüssigkeiten, etwa im Kontext von Pankreas-, Liquor – oder weiteren postoperativen Leckagen.4
Das Spannende daran: Hemopatch wird hier nicht ausschließlich als klassischer „Blutstiller“ eingesetzt, sondern bewährt sich ebenso in Situationen, in denen intra- oder postoperative Leckagen eine Rolle spielen – beispielsweise im Zusammenhang mit Pankreassekret oder Liquor.4
Besonders deutlich wird dieser Mehrwert in der HPB-Chirurgie, also bei Eingriffen an Pankreas, Leber und Gallensystem. Eingriffe in diesem Bereich sind bekannt dafür, dass neben Blutungen vor allem Leckagen klinisch relevant sind – beispielsweise an Resektionsflächen der Leber, am Pankreasstumpf oder im Bereich biliärer Anastomosen.5,6
In der Pankreaschirurgie wird Hemopatch vor allem eingesetzt, um postoperative Pankreasfisteln (POPF) nach Pankreatoduodenektomie (PD) und distaler Pankreatektomie (DP) zu reduzieren und gleichzeitig Blutstillung und Abdichtung zu verbessern (Abb. 1).5,6
Abbildung 1: Hemopatch bei einer Pancreatikojejunostomie (Whipple-Operation): PEG-beschichtetes Kollagenpatch eingesetzt zur zusätzlichen Abdichtung der Anastomose und zur Risikoreduktion postoperativer Pankreasfisteln. (Baxter©)
Warum ist das so wichtig? Pankreassekret enthält nämlich Verdauungsenzyme, die bei Austritt in das umgebende Gewebe lokale Strukturen schädigen und postoperative Komplikationen wie Fisteln begünstigen können.7 Dies kann zu lebensbedrohlichen Zuständen wie intraperitonealen Abszessen und sogar gelegentlich zu Blutungen führen mit einer Mortalitätsrate von bis zu 40 %.8 Die Studiendaten aus der Pankreasschirurgie legen nahe, dass das PEG-beschichtete Kollagenpatch dazu beitragen kann, Leckagen von enzymatisch hochaktiven Flüssigkeiten wie Pankreassekret zu reduzieren.5,6
Darüber hinaus spielen in der HPB-Chirurgie auch Gallenleckagen eine wichtige Rolle, etwa nach Eingriffen an den Gallengängen oder der Leber. Auch hier ist eine zuverlässige Abdichtung von Gewebe ein wichtiger Bestandteil zur Reduktion von postoperativen Komplikationen.9
Die Studien aus der Pankreaschirurgie machen deutlich, dass der Einsatz von Hemopatch über reine Blutstillung hinausgeht und insbesondere zur Reduktion von Leckagen-assoziierten Komplikationen beitragen kann.5,6 Gerade in der Pankreaschirurgie sind postoperative Fisteln eine relevante Komplikation, die mit erhöhter Morbidität, verlängerten Krankenhausaufenthalten und zusätzlichen Interventionen verbunden sein kann.5 Vor diesem Hintergrund kann eine zuverlässige Abdichtung von Gewebe – insbesondere an Risikostrukturen wie dem Pankreasstumpf oder Anastomosen – dazu beitragen, das Auftreten solcher Komplikationen zu reduzieren.5,6
Dass der Einsatz nicht nur auf Blut beschränkt ist, zeigen auch Studien aus anderen Fachbereichen. So wurde Hemopatch in einer klinischen Vergleichsstudie von Fernandez et al. (2021) zur Duraversiegelung eingesetzt, wobei sich eine signifikant reduzierte Rate an Liquorlecks sowie weniger postoperative Komplikationen wie Infektionen und Reoperationen zeigte.10 Dies unterstreicht die Rolle des Materials als effektiver Versiegeler für die Cerebrospinalflüssigkeit. 10
Auch im Bereich des lymphatischen Systems konnten Effekte gezeigt werden. Lymphatische Leckagen können nach chirurgischen Eingriffen auftreten, wenn Lymphgefäße verletzt werden, und zur Ausbildung von Lymphozelen führen, die den postoperativen Verlauf beeinträchtigen können. In einer randomisierten Studie von Teoh et al (2022) aus der Prostatachirurgie führte der Einsatz von Hemopatch zu einer Reduktion solcher Lymphozelen.11
Damit erweitert sich das Einsatzspektrum über die reine Blutstillung hinaus auf die Kontrolle unterschiedlicher Körperflüssigkeiten, einschließlich Liquor und lymphatischer Sekrete.10,11
Die aktuelle Studienlage zeigt, dass Hemopatch als Hämostatikum und Gewebeversiegeler in verschiedenen chirurgischen Disziplinen eingesetzt wird. Neben der hämostatischen Wirkung rückt im OP insbesondere die Versieglung und effektive Kontrolle unterschiedlicher Körperflüssigkeiten in den Fokus – etwa in der HPB-Chirurgie, der Neurochirurgie sowie in weiteren Fachbereichen.10,11
Hierzu zählen:
In der HPB-Chirurgie ergeben sich zudem Hinweise auf eine Relevanz zur Reduktion von leckageassoziierten Komplikationen, insbesondere im Pankreasbereich.5,6
Die Zusammenführung der verschiedenen Studien verdeutlicht, dass der Einsatz von Hemopatch nicht nur auf die Kontrolle von Blutungen beschränkt ist, sondern auch bei der Reduktion von Flüssigkeitsleckagen und der damit assoziierten postoperativen Komplikationen eine Rolle spielt. Für den klinischen Alltag bedeutet das, dass der Einsatz besonders dort sinnvoll sein kann, wo neben Blutungen auch das Risiko von Flüssigkeitsleckagen besteht.
Referenzen:
Bildquelle: KI generiert
DE-AS21-260004