Wir haben im Rahmen dieser Serie schon darüber gesprochen, wie Sie grundlegend die Frage der Selbstständigkeit für sich beantworten können und welche Praxismodelle möglich sind – also wie Sie sich als Rheumatolog:in in der Niederlassung positionieren können. Jetzt wechselt die Perspektive: Im Zentrum steht Ihre Rolle als Praxisleitung und Unternehmer:in. Wie gelingt es, die eigene rheumatologische Praxis wirtschaftlich, organisatorisch und qualitativ auf Erfolgskurs zu halten?
Als Rheumatolog:in in Niederlassung übernehmen Sie nicht nur die medizinische Verantwortung, sondern führen ein eigenes Unternehmen. Das bedeutet: Qualitätsmanagement (QM), Personalführung und Buchhaltung rücken ins Zentrum Ihres Alltags.
Ein systematisches Qualitätsmanagement (QM) sichert nicht nur die Patient:innenversorgung auf hohem Niveau, sondern sorgt für reibungslose Abläufe und stärkt die Position Ihrer Praxis im Wettbewerb. Methoden wie das von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV entwickelte System QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen) helfen, Prozesse kontinuierlich zu verbessern und rechtliche Vorgaben einzuhalten. Von der Dokumentation über die Fehlerkultur bis zur Patient:innenzufriedenheit – ein gut eingeführtes QM-System zahlt sich aus.
Motivierte und qualifizierte Mitarbeiter:innen sind ein Schlüssel für den Praxiserfolg. Die Aufgaben als Führungskraft reichen von klarer Kommunikation, Teambesprechungen und regelmäßigen Feedbackgesprächen bis zu Fortbildungsangeboten und wertschätzender Unternehmenskultur. Eine transparente Urlaubsplanung und gezielte Förderung stärken das Team und sorgen für langfristige Stabilität.
Auch die Buchhaltung ist Teil der unternehmerischen Verantwortung. Meist genügt eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR), aber alle Belege und Buchungen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden. Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Steuerberater:innen, möglichst mit Branchenerfahrung, ist zu empfehlen.
AbrechnungIm Praxisalltag ist die richtige Abrechnung essenziell. Für gesetzlich Versicherte erfolgt sie nach EBM, für Privatpatient:innen nach GOÄ. Jede Ziffer hat klare Vorgaben, von den Leistungsinhalten bis zu Ausschlussregeln. Im GOÄ-System gibt es keine Budgetgrenzen – für Privatleistungen sind die Honorare in der Regel höher und flexibel gestaltbar.
WirtschaftlichkeitsprüfungKassenärztliche Vereinigungen prüfen regelmäßig, ob Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich erbracht werden. Eine sorgfältige Dokumentation, Einhaltung der Richtlinien und regelmäßige Selbstkontrolle helfen, Regressforderungen und Honorarkürzungen zu vermeiden. Unterstützung bieten Seminare der KVen und Beratung durch den Berufsverband.
Der nachhaltige Erfolg einer Praxis beruht auf mehreren Säulen. Diese tragen gemeinsam den Erfolg der Praxis. Auch wenn es unrealistisch ist, in allen Bereichen immer Perfektion zu erwarten, sollte keine dieser Säulen dauerhaft vernachlässigt werden.
Die unternehmerische Verantwortung in der eigenen Praxis erfordert mehr als medizinisches Können. Strukturiertes Qualitätsmanagement, kluge Personalführung, sichere IT-Systeme und wirtschaftliches Handeln sind die Basis für nachhaltigen Erfolg. Der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) bietet hierzu zahlreiche Informationen, Workshops und individuelle Beratung auf seiner Website.
Damit sind Sie bestens vorbereitet, um Ihre Praxis als „Unternehmer:in im Kittel“ erfolgreich zu führen – und den Herausforderungen der Zukunft mit einem starken Netzwerk an Ihrer Seite zu begegnen.
Sie möchten mehr zu dem Thema wissen?Der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) unterstützt Rheumatolog:innen auf dem Weg in die Niederlassung unter anderen mit der Website rheumatologie-begeistert-de.Interessierte finden dort hilfreiche Informationen zu allen Aspekten des Themas unter anderem auch den praktischen Leitfaden zur Niederlassung zum kostenlosen Download.
Verpassen Sie auch nicht die anderen Teile dieser Beitragsserie! Im ersten Teil erfahren Sie mehr zum Thema „Soll ich wirklich gründen? – Entscheidungshilfen für den Weg in die Niederlassung“. Im zweiten Teil geht es um die Frage “Neugründung oder Übernahme”. Und im dritten Teil um das Thema “Finanzen und Investitionen”.
Bildquelle:iStock.com / AaronAmat
DE-CZ-2500123