Im zweiten Teil der Serie standen die Wege in die Selbstständigkeit im Mittelpunkt. Jetzt geht es um das Fundament jeder eigenen Praxis: die wirtschaftliche Planung. Wir betrachten unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten, Versicherungen und Investitionen in IT, Geräte und Personal. Dieser Überblick über die wichtigsten wirtschaftlichen Aspekte der Gründung ist hilfreich, um den Start in die Selbstständigkeit auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen.
Für den Start in die eigene Praxis brauchen angehende Rheumatolog:innen einen klaren Finanzierungsplan. Bankkredite sind dabei das klassische Mittel. Viele Banken bieten spezielle Modelle für Ärzt:innen an, etwa Praxisgründungs- und Investitionskredite, die individuell auf Bedürfnisse zugeschnitten werden können. Ein Annuitätendarlehen mit festen monatlichen Raten sorgt für Planbarkeit, tilgungsfreie Anlaufjahre verschaffen finanziellen Spielraum zu Beginn.
Neben Krediten sind staatliche Förderprogramme attraktiv. Beispiele hierfür sind KfW-Förderkredite mit niedrigen Zinsen oder auch regionale Zuschüsse, besonders für Niederlassungen in unterversorgten Regionen.
Tipp: Wenn Sie ein innovatives Praxis-Konzept planen oder sich im ländlichen Raum niederlassen wollen, sollten Sie diese Fördermöglichkeiten unbedingt prüfen und früh beantragen. Die KfW bietet z. B. einen Produktfinder an, um passende Fördermöglichkeiten zu finden.
Für bestimmte Investitionen wie Medizintechnik oder IT-Systeme lohnt sich Leasing als Alternative zum Kauf. Sie umgehen damit hohe Anfangsinvestition und ermöglichen sich planbare monatliche Raten sowie stets moderne Ausstattung. Auch Beteiligungsmodelle (z. B. mit Unterstützung durch Investoren) sind möglich, sollten aber genau geprüft werden.
Ohne Versicherungsschutz geht es nicht. Die Berufshaftpflichtversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben und schützt im Falle von Behandlungsfehlern sowohl Sie als auch Ihr Personal. Ergänzend ist eine Betriebshaftpflicht sinnvoll, um Schäden aus dem Geschäftsbetrieb abzusichern. Eine Praxisinhaltsversicherung schützt Inventar und Geräte vor Schäden durch Feuer, Wasser, Einbruch oder Vandalismus.
Die Wahl der Versicherungen sollte immer zur eigenen Praxis passen. Beratung bei spezialisierten Fachleuten wie etwa der KV oder auf Mediziner:innen spezialisierten Versicherungsfachleuten ist empfehlenswert.
Die Investitionsplanung in Bereichen wie IT, Geräte und Labor bildet das Rückgrat jeder modernen Praxis. Eine sorgfältige Planung in Bezug auf die individuellen Praxisanforderungen ist wichtig und solle neben den Anschaffungskosten auch Wartung und Betriebskosten berücksichtigen. Im Folgenden werden die wichtigsten Investitionsbereiche und ihre Besonderheiten vorgestellt.
IT: Ein zertifiziertes Praxisverwaltungssystem (PVS) und die Anbindung an die Telematikinfrastruktur sind Pflicht. Insbesondere die Auswahl eines Arztinformationssystems (AIS) sollte sorgfältig überlegt werden, denn dies ist in der Regel auch mit der langfristigen Betreuung der IT-Strukturen verknüpft. Neben den Anschaffungskosten für Hardware sollte auch die regelmäßige Wartung und Pflege der digitalen Sicherheit mit eingeplant werden.
Medizinische Geräte: Ultraschallgeräte für die Gelenksonographie, Kapillarmikroskope zur Abklärung des Raynaud-Syndroms, Infusionsgeräte, Monitore und Notfallausstattung sind Grundausstattung. Hier ist es wichtig, Angebote zu vergleichen. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, Probegeräte testen zu können, um Handhabung und Qualität selbst zu prüfen. Für viele Geräte bietet Leasing Vorteile.
Labor: Wer ein eigenes Labor betreibt, sollte die Investitionen und laufenden Kosten realistisch kalkulieren. Ein Beispiel:1 Für einen Nephelometer entstehen ca. 80.000 Euro Leasingkosten jährlich, für weiteres Equipment wie ELISA-Analyser und Wippschüttler nochmal ca. 7.000 Euro jährlich. Die notwendige ELO-Laborsoftware und Laboreinrichtung (z. B. Kühl-Gefrierschrank) schlagen einmalig mit etwa 18.000 Euro zu Buche. Der Gewinn eines Praxislabors beträgt erfahrungsgemäß rund 40–50 Prozent des Umsatzes, abhängig von Patientenzahl und Untersuchungsumfang. Besonders wichtig bei der Laborplanung: Erbrachte Laborleistungen werden von der KV erst nach sechs Monaten vergütet. Dieser Zeitverzug muss in der Finanzplanung unbedingt beachtet werden.
Eine solide Finanzierung, das richtige Versicherungspaket und durchdachte Investitionen sind die Basis für eine wirtschaftlich erfolgreiche Praxis. Es empfiehlt sich, den Austausch mit anderen Praxisinhaber:innen zu suchen, um von deren Erfahrung zu profitieren. Wichtig ist dabei, dass Sie die Balance finden, die Ihrer Praxis optimale Entwicklungschancen ermöglicht, ohne Sie in finanzielle Schieflage zu bringen.
Sie möchten mehr zu dem Thema wissen?Der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) unterstützt Rheumatolog:innen auf dem Weg in die Niederlassung unter anderen mit der Website rheumatologie-begeistert-de.Interessierte finden dort hilfreiche Informationen zu allen Aspekten des Themas unter anderem auch den praktischen Leitfaden zur Niederlassung zum kostenlosen Download.
Im vierten Teil der Serie geht es um das Thema „Unternehmer:in im Kittel“ und die Frage, wie sich medizinische Exzellenz und wirtschaftlicher Erfolg dauerhaft verbinden lassen.
Verpassen Sie auch nicht die anderen Teile dieser Beitragsserie! Im ersten Teil erfahren Sie mehr zum Thema „Soll ich wirklich gründen? – Entscheidungshilfen für den Weg in die Niederlassung“. Im zweiten Teil geht es darum erfolgreich zu gründen oder zu übernehmen.
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Bildquelle:iStock.com / AaronAmat
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