Zu den weltweit häufigsten Todesursachen zählen nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Typ-2-Diabetes und Krebs. In Deutschland machen sie etwa zwei Drittel aller Todesfälle aus.1 Die Betroffenen haben einen hohen Leidensdruck, sind stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt und haben eine reduzierte Lebenserwartung. Bei näherer Betrachtung erkennt man, dass diese Krankheiten gemeinsame Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht oder Adipositas aufweisen.1 Dabei gilt Adipositas als chronische Erkrankung, deren gesundheitliche Folgen jedoch durch frühzeitige Unterstützung und multimodale Therapieansätze positiv beeinflusst werden können.2
Der Einfluss des Körpergewichts auf das Risiko an Krebs zu erkranken, wird häufig unterschätzt. Frühere Berechnungen aus dem Jahr 2018 zur sogenannten „attributablen Krebslast“ in Deutschland, durchgeführt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), zeigten, dass rund 7 % aller Krebsneuerkrankungen auf Übergewicht zurückzuführen sind. Bezogen auf die damalige jährliche Inzidenz von etwa 440.000 Neuerkrankungen entsprach dies rund 30.000 Krebsfällen pro Jahr.3
Auch geringe körperliche Aktivität wurde mit etwa 6 % der Krebsneuerkrankungen in Verbindung gebracht. Ernährungsfaktoren wie eine ungesunde Ernährung (ca. 8 %) sowie ein hoher Alkoholkonsum (etwa 2 %) trugen ebenfalls zur Krebsentstehung bei.3 Neben dem Einfluss von Übergewicht, ungesunden Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel, untersuchte das Forscherteam weiterhin die Auswirkungen von Infektionen und ausgewählter Umweltfaktoren (Radon, Feinstaub, Solarien, Passivrauchen) auf die Gesamtzahl der Krebsneuerkrankungen.3 Lediglich der Anteil der durch Tabakkonsum bedingten Krebsfälle von 19,3 % (ca. 85 000) ging dem Anteil von Übergewicht und ungesunden Ernährungsgewohnheiten noch voraus.3
Auch wenn die absolute Zahl der Krebsneuerkrankungen inzwischen bei über 500.000 pro Jahr liegt,4 bleibt die Größenordnung dieser relativen Anteile vergleichbar. Überträgt man die damaligen Prozentwerte auf die heutige Inzidenz, entspräche dies weiterhin mehreren zehntausend Krebsfällen jährlich, die mit Übergewicht in Zusammenhang stehen. Für mindestens 13 Krebsarten ist inzwischen eindeutig belegt, dass Adipositas das Erkrankungsrisiko erhöht. Dazu zählen unter anderem Tumore der Gebärmutter, Niere, Leber, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse sowie Dickdarmkrebs und Brustkrebs nach der Menopause. Die genauen Gründe dafür sind allerdings noch nicht genau verstanden.5
Betrachtet man all diese Risikofaktoren zusammen, tragen sie zu etwa 37% der Krebsfälle bei. „Wir könnten weit über ein Drittel aller Krebsneuerkrankungen vermeiden, würden wir das Potenzial der Krebsprävention voll ausschöpfen.“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZs.6 Gleichzeitig ist es wichtig, Adipositas als chronische Krankheit zu verstehen. Eine frühzeitige Unterstützung sowie multimodale Therapieansätze wie Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie sowie gegebenenfalls medikamentöse oder chirurgische Maßnahmen können dazu beitragen, gesundheitliche Risiken und Folgeerkrankungen langfristig zu reduzieren.2 Nicht zu unterschätzen sind nämlich auch die volkswirtschaftlichen Kosten und die Belastung der Sozialsysteme: Es wird geschätzt, dass die jährlichen Kosten durch Adipositas-assoziierte Folgeerkrankungen in Deutschland insgesamt 63 Milliarden Euro betragen. Durch raucherbedingte Erkrankungen fallen sogar 78 Milliarden Euro und auf alkoholbedingte Erkrankungen 39 Milliarden Euro an.1
Alle genannten Aspekte unterstreichen die dringende Notwendigkeit von präventiven Maßnahmen, die darauf abzielen, ein Bewusstsein für behandelbare Erkrankungen wie Übergewicht und Adipositas zu schaffen, sodass das Krebsrisiko durch entsprechende Therapien vermindert werden kann. Eine gezielte Prävention könnte dazu beitragen, die Anzahl der Krebserkrankungen in Deutschland erheblich zu verringern und die öffentliche Gesundheit zu verbessern.
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