Nicht jede Wunde soll oder kann heilen. Bei malignen Hautwunden, fortgeschrittenen Dekubitus oder anderen Wunden im Rahmen einer palliativmedizinischen Betreuung verschiebt sich das Behandlungsziel: Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Wundverschluss, sondern die Linderung wundassoziierter Symptome und der Erhalt von Lebensqualität und Würde. Das aktuelle Dokument „Palliative Wound Care" der European Wound Management Association (EWMA)1 fasst den Empfehlungsstand zu den wichtigsten Symptombereichen zusammen.
Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten mit malignen Fungationen und rund 60 % mit Dekubitus berichten über anhaltende, oft schwere Schmerzen. Viele resignieren dabei. Empfohlen werden eine konsistente Schmerzerfassung – bei kognitiver Einschränkung z. B. mit FLACC, PAINAD bzw. BESD oder Abbey Scale – sowie ein multimodales Vorgehen: Vor systemischer Eskalation durch Gabe von Schmerzmedikation sollten nicht-medikamentöse Optionen wie Virtual Reality und atraumatische Verbände geprüft werden.1
In einer internationalen EWMA-Befragung von über 500 Fachkräften zählten Exsudat- und Geruchsmanagement zu den drei größten Herausforderungen der palliativen Wundversorgung. Unkontrolliertes Nässen ist häufig mit Scham, sozialem Rückzug und depressiven Symptomen verbunden – auch für pflegende Angehörige eine erhebliche Belastung.1
Ein geeignetes Verbandmaterial sollte demnach:1
Wie gut sich das mit Silikon-Superabsorber-Verbänden (SSAP) umsetzen lässt, zeigt eine Fallserie von Tabatha Rando (Royal Adelaide Hospital, Adelaide, Australien) zu Zetuvit® Plus Silicone Border bei malignen Hautwunden2:
In 72 % der Anwendungen wurden die klinischen Ziele beim Exsudatmanagement und Hautschutz vollständig erreicht, bei 68 % war kein Wundgeruch mehr wahrnehmbar. 86 % des Pflegepersonals bewerteten die atraumatische Handhabung als gut bis hervorragend; auch die Verweildauer der Verbände verlängerte sich, was Wechselfrequenz und Pflegeaufwand reduzierte. Bemerkenswert: Die einfache Anwendung ermöglichte teils die Selbstapplikation durch Betroffene und Angehörige – ein Gewinn an Selbstbestimmung in einer Lebensphase, in der diese oft verloren geht.2
Lesen Sie hier den ausführlichen Bericht und Real-World-Evidenz- Studie finden Sie hier!
Geruchsmanagement selbst bleibt eher schwach evidenzbasiert. Nur fünf Studien mit kleinen Fallzahlen liegen vor, am ehesten wirksam scheinen Metronidazol-Gel und Silberverbände. Von Duftkerzen oder ätherischen Ölen wird abgeraten, da sie Gerüche nur überlagern statt neutralisieren.1
Bei malignen Fungationen kommt es bei Verbandwechseln in bis zu 80 % der Fälle zu meist leichten Blutungen. Direkter Druck über mehrere Minuten bleibt die Basismaßnahme; bei bekanntem Blutungsrisiko empfiehlt sich, hämostyptische Verbände vorzuhalten und Angehörige in deren Anwendung anzuleiten.1 Umso wichtiger ist hier die Auswahl einer passenden Wundauflage, die lange auf der Wunde verbleiben kann und einen möglichst atraumatischen Verbandwechsel für Patientinnen und Patienten ermöglicht.
Feuchtigkeitsassoziierte Hautschäden entstehen häufig durch Exsudat, Klebstoffe oder wiederholtes Ablösen von Verbänden. Barriereprodukte und schonende Reinigung (pH 4,5–5,5) können vorbeugen und die strapazierte Haut gezielt pflegen. Auch Mangelernährung, bei bis zu 90 % der Menschen mit Dekubitus nachweisbar, verzögert die Wundheilung zusätzlich und sollte standardmäßig gescreent werden.1
Palliative Wundversorgung bleibt eine unterschätzte, wenig erforschte Disziplin.1 Nicht mehr die Heilung ist das oberste Behandlungsziel, stattdessen geht es um den individuellen, patientenzentrierten Erhalt von Lebensqualität. Umso mehr zählen pragmatische, evidenzbasierte Empfehlungen und Verbandmaterialien, die im Alltag wirklich entlasten – für Patientinnen und Patienten, Angehörige und Behandlungsteams.
Referenzen