Wenn man an Wundversorgung denkt, ist meist der erste Gedanke: zuerst die Wundauflage, die Verbandsschere oder der sterile Tupfer. Doch laut dem Konsensdokument World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) mit dem Titel „Optimising wound care through patient engagement“ ist Wundbehandlung viel mehr: nämlich eine Frage der Lebensqualität und des Miteinanders von Patientinnen und Patienten sowie dem medizinischen Fachpersonal.
Wunden, insbesondere chronische oder schwer heilende, sind nicht „nur“ eine medizinische Herausforderung, sondern für Betroffene eine große Belastung. Sie fühlen sich oft nicht verstanden, sind in ihrer Bewegung eingeschränkt, im Alltag und sozialen Leben beeinträchtigt sowie vom Stigma oder den damit verbundenen Ängsten konfrontiert.
Damit wird klar: Wundversorgung ist nicht nur Wundheilung, sondern betrifft das ganze Leben. Patientinnen und Patienten berichten, dass Wunden ihren Alltag und sogar ihre Gedanken dominieren. Die Gestaltung ihres Lebens dreht sich ausschließlich um die Wunde. Es ist nicht gerade selten, dass Wunden nicht als chronische Erkrankung ernst genommen werden. Das kann zur Folge haben: weniger Aufmerksamkeit beim Arztbesuch, weniger Ressourcen bei der Versorgung und mögliche soziale Stigmatisierung.
Physische Einschränkungen, psychischer Stress, oftmals finanzielle Belastung oder soziale Isolation sowie eingeschränktes Wohlbefinden können mögliche Konsequenzen sein. Denn Lebensqualität bedeutet, wie gut, wie frei und wie selbstbestimmt jemand sein Leben führen kann. Wenn diese Entscheidungen beeinträchtigt sind, wird klar, wie wichtig ein ganzheitlicher Ansatz bei der Wundversorgung ist. Es zeigt, dass über eine rein medizinische Heilung hinausgedacht werden muss.
Im Konsensdokument der WUWHS wird das Schlagwort „Patientengagement“ (Patienten-Einbindung) zentral gesetzt:
Was heißt das konkret?
Für Fachpersonal bedeutet das: Zuhören, Zeit mitbringen, Beziehungen aufbauen und gemeinsam planen.
Durch Engagement und ein ganzheitliches Vorgehen ergeben sich viele Vorteile. Wenn Patientinnen und Patienten miteingebunden werden, verstehen sie besser, was passiert und fühlen sich weniger ohnmächtig. Es entsteht Vertrauen: Wenn Behandlerinnen und Behandler Betroffene aktiv einbeziehen, steigt die Akzeptanz und damit oft auch die Mitarbeit. Eine optimale Wundversorgung (z. B. durch passende Verbandwahl, richtige Häufigkeit von Wechseln, gute Planung) reduziert belastende Faktoren. Damit kann Patientinnen und Patienten der Alltag erleichtert werden und gegebenenfalls Stress im Rahmen des Arztbesuchs reduziert werden. Das wiederum führt dazu, dass Betroffene sich im Alltag freier fühlen und so weniger Einschränkungen, weniger Angst und weniger sozialer Rückzug erleiden müssen.
Kurz gesagt: Die Lebensqualität steigt deutlich, wenn die Wundversorgung nicht nur technisch optimal umgesetzt wird, sondern auf den Menschen individuell eingegangen wird.
Die Schlüsselthemen, die für eine gute Versorgung unabdingbar sind:
Denn: Eine Wunde, insbesondere, wenn sie chronisch ist, ist viel mehr als nur ein Hautdefekt. Sie wird manchmal zur Hauptfigur im Leben der Betroffenen. Daher ist es wichtig, Patientinnen und Patienten nicht einfach zuschauen zu lassen, sondern sie aktiv in das Wundversorgungsteam einbeziehen - als Teil des Wundversorgungs-Teams. Dann geht es nicht nur darum, die Wunde zu schließen, sondern dem Menschen dahinter Raum zu geben, ihr Leben wieder lebenswerter zu gestalten.
Referenzen:
World Union of Wound Healing Societies (2020) Optimising wound care through patient engagement. London: Wounds International. Verfügbar unter: www.woundsinternational.com Letzter Zugriff: November 2025.