Wie wichtig ein gesunder Darm nicht nur für die Verdauung, sondern für das ganze Leben ist, wird meist erst dann ersichtlich, wenn die Darmfunktion gestört ist. Die medizinische Versorgung von schweren Funktionsstörungen des Darms wie dem Kurzdarmsyndrom (KDS) ist meist komplex, aufwändig und erfordert einen hohen Organisationsaufwand. Die andere Seite, die der betroffenen Patient:innen, bleibt Behandler:innen oft verborgen.
Deshalb lud Baxter im Rahmen des eigenen Fort- und Weiterbildungsprogramms PEOS Akademie am 18. März 2026 zu einer digitalen Veranstaltung zum Thema „Kurzdarmsyndrom und Parenterale Ernährung“ ein, bei der das medizinische Fachpublikum in einem Erfahrungsbericht von Patientin Silke Achenbach Einblicke in das alltägliche Leben mit KDS bekam. Silke Achenbach arbeitet mittlerweile als Senior Referentin Kommunikation für ein Homecare Unternehmen und engagiert sich immer wieder als Vortragende, um mit ihrer Geschichte anderen Betroffenen Mut zu machen, aber auch, um Fachpublikum wie Ärzt:innen oder Pflegekräften den Alltag von Patient:innen näher zu bringen. Zuletzt war sie als Vortragende zum Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege „Ein Blick über den Tellerrand“ geladen.
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In ihrem Vortrag berichtete Frau Achenbach ausführlich von ihrer Krankengeschichte, beginnend mit ihrer angeborenen Motilitätsstörung des Magen-Darm-Bereichs, die 1976 noch nicht als Chronische intestinale Pseudoobstruktion, kurz CIPO, erkannt wurde – diese Diagnose erfolgte erst Jahrzehnte später. Frau Achenbach schilderte eine lebenslange Odyssee von Klinikaufenthalten und über 20 schweren Bauchoperationen. Doch am wichtigsten waren nicht die medizinischen Spezifikationen ihrer Eingriffe oder technischen Details ihrer parenteralen Ernährung (PE), sondern die Berichte aus ihrem alltäglichen Leben. Von ständigen Schmerzen, täglichen Ängsten vor Darmverschlüssen und dem Schock eines „offenen Bauches“, der erst nach über 4 Monaten und viel finanziellem Eigenaufwand wieder „schön“ wurde, wie auch von dem Gefühl, dass ihr nicht richtig zugehört worden sei, schilderte Frau Achenbach die besonderen Herausforderungen für Betroffene.
Doch immer wieder machte die Referentin während ihres Vortrages auch Mut, zeigte Bilder von sich beim Fallschirmspringen, Reiten und bei ihrer großen Leidenschaft – dem Laufen. Silke Achenbach betonte, sie habe sich nie ihre Unabhängigkeit nehmen lassen, lief sogar mehrere Halbmarathons. Auch wenn die PE und das KDS tägliche Hürden bedeuten und viel Organisation bedürfen, wolle sie die PE nicht mehr missen: „Sie ist lebensnotwendig und gibt mir Raum zu einem unabhängigeren Leben“, so Achenbach.
Der einzigartige Einblick in die Patientenperspektive wurde ergänzt durch einen Vortrag von Frau Dr. med. Kathrin Schwierley, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Ernährungsmedizin und Diabetologie am Universitätsklinikum Münster. Passend betitelt „Chronisches Darmversagen und Kurzdarmsyndrom – Ein komplexes Krankheitsbild aus ärztlicher Sicht“, referierte Frau Dr. Schwierley zu den Herausforderungen in der medizinischen Versorgung von KDS und Darmversagen und hatte dazu ein Fallbeispiel aus der eigenen Klinik mitgebracht.
Anhand ihres jungen Patienten mit KDS in Folge einer Granatsplitterverletzung konnte Frau Dr. Schwierley die Behandlung praxisnah erläutern. Sie ging dabei auf die besonderen Herausforderungen für Behandler:innen ein und zeigte, wie eine leitliniengerechte Ernährungstherapie eingeleitet und aufgebaut werden kann. Für Komplikationen der parenteralen Ernährung, insbesondere Katheterinfektionen und Intestinal Failure-Associated Liver Disease (IFALD), die häufig auftreten können, erläuterte Frau Dr. Schwierley anhand ihres Fallbeispiels konkrete Lösungsansätze und Therapiemaßnahmen und zeigte so, wie KDS mit Hilfe von PE und anderen Maßnahmen medizinisch gut behandelt werden kann.
Die Patientenperspektive verlieren Ärzt:innen wie medizinisches Fachpersonal bei der Versorgung von Darmversagen und Kurzdarmsyndrom häufig aus den Augen – zu komplex ist die medizinische Versorgung. Umso bereichernder kann ein Erfahrungsbericht aus Patientensicht sein, um auch Fachpersonal auf die alltäglichen Herausforderungen des Krankheitsbilds aufmerksam zu machen. In Verbindung mit praxisnahen und anwendbaren Informationen zur Ernährungstherapie, Komplikationen und Lösungen bei KDS aus ärztlicher Sicht erhielt das Publikum der Veranstaltung einen 360-Grad-Einblick in die Thematik „Kurzdarmsyndrom und Parenterale Ernährung“.
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Bildquelle: @iStock/Olga Dmytrenko
Freigabenummer: DCH-CN16-260009