In der Behandlung von Übergewicht und Adipositas stehen neben konservativen Maßnahmen und chirurgischen Eingriffen auch weniger invasive Verfahren zur Verfügung.1,2 In diesem Beitrag unserer Reihe „Adipositas-Therapien im Check“ steht der Magenballon als minimal invasive Adipositas-Therapie im Mittelpunkt. Welche Rolle spielt der Magenballon aktuell in der Behandlung von Adipositas – und für welche Patientinnen und Patienten kann dieses Verfahren überhaupt eine Option sein?
Der Magenballon (intragastrischer Ballon, IGB) ist ein mit Flüssigkeit oder Luft gefüllter Silikonballon, der endoskopisch oder, je nach System, durch Schlucken in den Magen eingebracht wird.3,4 Dort entfaltet er sich und nimmt Raum ein.3,4 Das Prinzip ist einfach: Durch das zusätzliche Volumen im Magen tritt das Sättigungsgefühl früher ein, sodass insgesamt weniger Nahrung aufgenommen wird.3 Gleichzeitig wird die Magenentleerung verzögert, was den Effekt zusätzlich verstärkt.5 Je nach Verfahren gibt es zwei gängige Varianten:
Abb. 1: Schematische Darstellung eines endoskopisch eingesetzten Magenballons. Übernommen aus 3.
Der Magenballon kann laut S3-Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ insbesondere folgenden Patientengruppen angeboten werden:2
Im Vergleich zu chirurgischen Verfahren kann der Magenballon bereits bei einem niedrigeren Body-Mass-Index eingesetzt werden (typischerweise etwa BMI 27–40 kg/m²), dafür kommt er weniger für Menschen mit starker Adipositas (>40 kg/m²) infrage.6
In Einzelfällen wird er auch vor einer geplanten bariatrischen Operation eingesetzt, um das Gewicht präoperativ zu reduzieren. Allerdings zeigen Studien hier bislang keine klaren Vorteile hinsichtlich postoperativen Outcomes oder zusätzlichen Gewichtsverlusts.2
Eine Metaanalyse zeigt, dass Patientinnen und Patienten mit Magenballon im Vergleich zu rein konservativen Maßnahmen eine zusätzliche Gewichtsreduktion erreichen.
Im Durchschnitt sinkt der Body-Mass-Index dabei um etwa 3,4 kg/m², der prozentuale Übergewichtsverlust liegt bei etwa 11 %.7 Auch größere Übersichtsarbeiten bestätigen diesen Trend: Innerhalb von etwa sechs Monaten verlieren Patientinnen und Patienten typischerweise zwischen 5 und 28 Kilogramm Körpergewicht.8 Die große Spannbreite verdeutlicht jedoch, dass der Therapieerfolg individuell sehr unterschiedlich ausfällt. Für neuere, schluckbare Ballons wird in Studien eine Gewichtsabnahme von etwa 11 % nach einem Jahr beschrieben.9 Diese Ergebnisse wurden allerdings im Rahmen strukturierter Programme zur Lebensstiländerung erzielt, was die eigenständige Wirkung des Ballons relativiert.9 Insgesamt kann der Magenballon kurzfristig zur Gewichtsreduktion beitragen, bleibt in seiner Effektstärke jedoch deutlich hinter bariatrischen Operationsverfahren zurück.6 Da die Anwendung zeitlich begrenzt ist, stellt sich zudem die Frage nach der Nachhaltigkeit: Ohne anschließende Stabilisierung durch Ernährungsumstellung, Bewegung und gegebenenfalls weitere therapeutische Maßnahmen kommt es häufig zu einer erneuten Gewichtszunahme.6
Der Magenballon gilt als vergleichsweise risikoarmes Verfahren, da kein operativer Eingriff erforderlich ist. Dennoch ist die Therapie nicht frei von Nebenwirkungen und erfordert eine sorgfältige Aufklärung sowie Nachsorge. Die Platzierung erfolgt in Deutschland in der Regel endoskopisch unter Sedierung.
Typische Nebenwirkungen und Risiken sind:6
Auch im Kontext weniger invasiver Verfahren wie dem Magenballon bleibt die Grundlage jeder Adipositas-Therapie eine nachhaltige Lebensstiländerung. Der Magenballon stellt dabei lediglich eine zeitlich begrenzte Maßnahme mit kurzfristigem Effekt dar.6
Hier kann formoline L112 eine ergänzende Rolle spielen. Die Wirksamkeit bei der Gewichtsreduktion ist durch randomisierte kontrollierte Studien belegt.10 Die Anwendung ist nicht invasiv und kann bereits ab einem BMI von 25 kg/m² empfohlen werden.11 Sie kann im Rahmen strukturierter Programme zur Stabilisierung des Gewichts beitragen und einer erneuten Gewichtszunahme nach einer initialen Gewichtsreduktion, etwa nach Entfernung eines Magenballons, entgegenwirken.
Referenzen: