Vor Ihnen sitzt ein Patient, der in den letzten Monaten erfolgreich Gewicht verloren hat. Die Freude ist groß, doch eine Frage drängt sich auf: Wie lässt sich das erreichte Gewicht langfristig halten? Denn Adipositas ist eine chronische Erkrankung und erfordert, wie andere chronische Krankheiten, ein lebenslanges Krankheitsmanagement.1 Eine einmalige Gewichtsreduktion bedeutet also nicht automatisch, dass das Problem dauerhaft gelöst ist.
Und genau das macht die Betreuung komplex: Egal, ob das Gewicht durch Ernährung, Sport, eine Operation oder eine medikamentöse Therapie reduziert wurde: ein Rückfall auf das Ausgangsgewicht oder zumindest einen Teil davon ist häufig.2 Dieses Auf und Ab des Körpergewichts wird im Alltag oft als „Jo-Jo-Effekt“ bezeichnet.3 Er entsteht durch Veränderungen im Stoffwechsel, Hungerhormonen und Muskelmasse, die den Körper nach einer Gewichtsabnahme besonders empfänglich für eine erneute Gewichtszunahme machen.2
Ein spezieller Fall des Jo-Jo-Effekts ist der sogenannte Rebound-Effekt, der nach dem Absetzen von Medikamenten auftreten kann. Studien mit GLP1-Rezeptoragonisten zeigen: Ein Jahr nach Absetzen des Medikaments werden im Schnitt ca. 60 % des verlorenen Gewichts wieder zugenommen.4 Der Gewichtsanstieg verläuft meist langsam, stabilisiert sich aber langfristig häufig unter dem Ausgangsgewicht.4,5 Der ursprüngliche Therapieerfolg wird dadurch jedoch deutlich abgeschwächt.4,5
Die Forschung der letzten Jahre zeigt, dass eine Gewichtszunahme nach erfolgreicher Gewichtsreduktion durch mehrere miteinander verknüpfte Mechanismen begünstigt wird:
Gewichtsstabilisierung nach einer erfolgreichen Abnahme ist ein aktiver, langfristiger Prozess. Für Behandelnde bedeutet das, Patientinnen und Patienten frühzeitig auf die Herausforderungen hinzuweisen und sie kontinuierlich zu begleiten. Konkrete Ansätze können sein:
Die langfristige Gewichtskontrolle ist eine der größten Herausforderungen in der Adipositas-Therapie. Auch nach erfolgreicher Abnahme bleiben physiologische Mechanismen wie veränderter Stoffwechsel, Hungerhormone, Muskelverlust, epigenetische Modifikationen und das Mikrobiom aktiv.2,7,8 Für Behandelnde bedeutet dies, Patientinnen und Patienten nicht nur während der Abnahme zu betreuen, sondern ein langfristiges Konzept für Stabilisierung, Motivation und gesunde Lebensgewohnheiten zu entwickeln.
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