Adipositas ist eine chronische Erkrankung und wie jede chronische Erkrankung verlangt sie nach einem langfristigen, realistischen und individualisierten Therapiekonzept.1 Neben Lebensstilintervention, medikamentöser Therapie und bariatrischer Chirurgie haben sich in den letzten Jahren digitale Ansätze zunehmend etabliert.2 Seit Inkrafttreten des Digitale-Versorgung-Gesetzes im Jahr 2020 können sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) ärztlich verordnet werden.3
Mit der Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas 2024 sind digitale Interventionen nun auch offiziell im Kapitel „E-Health“ verankert.2,4 Doch was leisten DiGA und andere digitale Interventionen tatsächlich und wo liegen ihre Grenzen?
DiGA werden häufig als „Apps auf Rezept“ bezeichnet. Gemeint sind CE-gekennzeichnete Medizinprodukte, die Patientinnen und Patienten digital bei der Behandlung ihrer Erkrankung unterstützen.5 Sie können als Smartphone-App oder browserbasierte Webanwendung genutzt werden.5
Bevor eine Anwendung verordnungsfähig ist, durchläuft sie ein Prüfverfahren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.5 Neben Anforderungen an Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität sowie Datenschutz und Datensicherheit muss ein positiver Versorgungseffekt nachgewiesen werden.5,6 Dieser liegt beispielsweise vor, wenn sich der Gesundheitszustand oder die Lebensqualität messbar verbessert.6
Aktuell sind zwei DiGA speziell zur Gewichtsreduktion gelistet. Beide Programme bilden die Prinzipien der multimodalen Basistherapie digital ab und können in der Regel ab einem Body-Mass-Index von ≥ 30 kg/m² verordnet werden.7-9 Alternativ können Patientinnen und Patienten eine Genehmigung ihrer Krankenkasse einholen. Für gesetzlich Versicherte entstehen keine Kosten.5
Hier gelangen Sie zum offiziellen Verzeichnis der in Deutschland verordnungsfähigen DiGA.
Ergänzend dazu gibt es frei verfügbare Apps und tragbare Tools (zum Beispiel Smartwatches, Fitnessringe oder -armbänder), die das Selbstmanagement unterstützen. Einige sind ebenfalls als CE-gekennzeichnete Medizinprodukte zertifiziert, besitzen jedoch keine DiGA-Zulassung und werden daher in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen.
Ein digitales Extra für den Alltag: Die My-formoline App* unterstützt Patientinnen und Patienten mit Adipositas und Übergewicht bei der Einnahme von formoline L112. Das spielerische Konzept der App mit Phasen, Level und Herausforderungen hilft dabei, einen nachhaltig gesunden Lebensstil zu entwickeln. Sie erinnert u.a. an die Einnahme von formoline L112, bietet ein übersichtliches Gewichtstracking, motiviert mit Sportvideos zu täglicher Bewegung und hilft mit praktischen Tipps und Rezeptideen bei der gesunden Ernährung. Als CE-zertifiziertes, praxisnahes Tool fördert sie die Therapietreue und wird mit dem Kauf von formoline L112 kostenfrei freigeschaltet. Hier geht es zur My-formoline App in den App Stores:
Apple App Store
Mehrere Meta-Analysen zeigen, dass appbasierte Interventionen kurzfristig, also innerhalb von bis zu sechs Monaten, zu einer signifikanten, wenn auch moderaten Gewichtsreduktion führen können. Im Mittel lag die Gewichtsabnahme nach sechs Monaten bei rund 2,8 kg.2,10 Wurden die Programme mit Trackern oder strukturierten Verhaltensinterventionen kombiniert, waren Gewichtsreduktionen von bis zu 3,8 kg erreichbar.2,10
Besonders wirksam scheint dabei die kontinuierliche Selbstbeobachtung durch tragbare Aktivitäts- oder Ernährungstracker. Studien belegen signifikante Effekte auf Körpergewicht, BMI und Taillenumfang bei einer Nutzungsdauer digitaler Tools von mindestens zwölf Wochen.2,11 Entscheidend ist dabei weniger die Technologie selbst als die regelmäßige Selbstkontrolle und die daraus entstehende Verhaltensänderung. Studien zeigen zudem, dass digitale Interventionen deutlich wirksamer sind, wenn sie in Kombination mit persönlichem Kontakt eingesetzt werden. Dieser kann direkt in der Praxis stattfinden oder durch digital begleitete Termine erfolgen.2
Deutlich eingeschränkter ist die Datenlage zu langfristigen Effekten. Viele Studien haben Laufzeiten von lediglich drei bis sechs Monaten; belastbare Daten über mehrere Jahre fehlen weitgehend. Aussagen zur nachhaltigen Gewichtsstabilisierung sind daher nur begrenzt möglich.2 Hinzu kommt eine erhebliche Heterogenität der Studien hinsichtlich Dauer, Intensität und technischer Ausgestaltung der Interventionen, was eine pauschale Bewertung einzelner Anwendungen erschwert.2 Auch die Adhärenz bleibt eine Herausforderung: Abbruchquoten von über 20 Prozent sind in Gewichtsreduktionsstudien keine Seltenheit, insbesondere dann, wenn der gewünschte Erfolg ausbleibt.4 Digitale Programme stehen hier vor derselben Problematik wie analoge Interventionen: Motivation ist nicht unbegrenzt skalierbar.4
Für die hausärztliche Praxis bedeutet das: Digitale Interventionen können die Versorgung sinnvoll ergänzen, ersetzen aber keine persönliche Betreuung.4 Hausärztinnen und Hausärzte können digitale Anwendungen nutzen, um Patientinnen und Patienten zwischen den Terminen zu begleiten, Selbstbeobachtung zu fördern und die Motivation für Lebensstiländerungen zu stärken.4 DiGA, tragbare Tracker und CE-zertifizierte Apps wie die My-formoline App können hier wertvolle Impulse liefern. Die Nutzung digitaler Programme kann zudem helfen, Beratungszeiten effizienter zu gestalten, da Patientinnen und Patienten Fortschritte selbstständig dokumentieren und verfolgen können. Wichtig bleibt: Digitale Anwendungen sind Bausteine eines individuellen Therapiekonzepts und sollten stets zusammen mit persönlicher Betreuung eingesetzt werden.
Sie möchten mehr über die verschiedenen Adipositas-Therapien erfahren? Dann lesen Sie hier den ersten Beitrag unserer Beitragsreihe.
Fußnoten:
*Für folgende Personen ist die My-formoline App nicht geeignet: Personen unter 18 Jahren, bei bestehender Schwangerschaft, bei Personen mit Untergewicht (BMI < 18,5 kg /m2).
Referenzen: