Die Aufgabe der Venenklappen ist es, im Zusammenspiel mit der Muskelpumpe Blut in den Beinvenen gegen die Schwerkraft zurück zum Herz zu transportieren. Sie wirken dabei wie Rückschlagventile, während die Bein- und Wadenmuskulatur bei Bewegung die Venen zusammenpresst und Blut nach oben „pumpt” (s. Abb. 1).1 Ist dieser Mechanismus aufgrund einer Schädigung oder Überdehnung der Venenklappen gestört, spricht man von einer chronischen venösen Insuffizienz (CVI, ugs. Veneninsuffizienz).2 Übergewicht als Risikofaktor spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der CVI.3
In Deutschland besteht laut einer Studie bei 22,3 % der erwerbstätigen Erwachsenen ein klarer Behandlungsbedarf aufgrund chronischer Venenerkrankungen.4 Daten einer klinischen Studie zeigen, dass adipöse Patientinnen und Patienten ein rund 6,5-faches erhöhtes Risiko für schwere CVI im Vergleich zu nicht adipösen Patientinnen und Patienten haben.5 Außerdem gilt: Je höher der BMI, desto häufiger treten Beschwerden wie Ödeme, Hautveränderungen oder Ulzerationen bei einer CVI auf.6
Folgende Risikofaktoren stehen mit dem Auftreten einer CVI in Zusammenhang:3
Abb. 1: Schematische Darstellung einer Vene mit Venenklappen im Längsschnitt bei entspannter Muskulatur. Adaptiert aus 1.
Abb. 2: Schematische Darstellung einer Vene mit Venenklappen im Längsschnitt bei angespannter Muskulatur. Adaptiert aus 1
Der Zusammenhang zwischen Adipositas und CVI ist durch verschiedene klinische Studien belegt und beruht auf mehreren Mechanismen.7,8,9 Adipositas wirkt dabei als unabhängiger Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten der CVI.10
Darüber hinaus nimmt mit jedem Anstieg des BMI die Wahrscheinlichkeit für eine ausgeprägte CVI zu.12
Zu den typischen Symptomen einer CVI gehören:3
Bei einer nicht oder unzureichenden Behandlung kommt es in der Regel zu einer langsamen, aber kontinuierlichen Verschlechterung der CVI. Langfristig kann dies zu Komplikationen wie dem postphlebitischen Syndrom Hautgeschwüren (Ulzerationen) oder tiefen Venenthrombosen führen.3
Die konservative Therapie der CVI zielt vor allem darauf ab, den venösen Druck zu senken und Schwellungen der Beine zu reduzieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Tragen medizinischer Kompressionsstrümpfe.3 Studien zeigen, dass insbesondere bei einer durch Adipositas begünstigten, funktionellen CVI bereits innerhalb einer Woche eine deutliche Symptomlinderung erreicht werden kann.13 Ergänzend sind regelmäßige Bewegung, Hochlagern der Beine und Gewichtsmanagement essenziell. Dies trägt dazu bei, den venösen Druck und Ödeme zu verringern und die Funktion der Muskelpumpe zu verbessern.3 Der Body-Mass-Index (BMI) ist dabei der einzige klar beeinflussbare Faktor, der unabhängig mit dem Fortschreiten der chronischen Venenerkrankung in Verbindung steht.12
Reichen konservative Maßnahmen nicht aus, können interventionelle oder chirurgische Verfahren eingesetzt werden. Dazu zählen unter anderem die endovenöse thermische Ablation, bei der größere erkrankte Venen mithilfe von Hitze verschlossen werden, sowie die Schaumsklerosierung, bei den kleineren und mittelgroßen Venen durch eine chemische Verödung ausgeschaltet werden.3 Allerdings zeigen Studien, dass die Behandlungsergebnisse mit zunehmendem BMI deutlich schlechter werden. Ab einem BMI über 35 kg/m2 nimmt der Therapieerfolg ab; bei einem BMI von 46 kg/m2 oder mehr sind die Ergebnisse besonders ungünstig. In diesen Fällen ist es sinnvoll, zunächst das Körpergewicht zu reduzieren und erst anschließend einen venösen Eingriff in Betracht zu ziehen.14
Ein erhöhter BMI ist ein klar beeinflussbarer Risikofaktor, der mit der Entstehung einer CVI bis hin zu fortgeschrittenen Stadien verbunden ist.12 Patientinnen und Patienten sollten daher gezielt dazu ermutigt werden, ihr Körpergewicht zu reduzieren. In Kombination mit einer konsequenten konservativen Therapie, etwa durch Kompression und Bewegung, kann eine Gewichtsabnahme dazu beitragen, chirurgische Eingriffe zu vermeiden und das Risiko von Komplikationen infolge einer CVI zu senken.3,13,14 Sie möchten mehr über die Folgeerkrankungen von Übergewicht erfahren? Hier finden Sie den letzten Beitrag unserer Reihe.
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