Stress bei Milchkühen frühzeitig erkennen
Der Tagesablauf von Milchkühen ist durch stabile biologische Rhythmen geprägt, die Fressen, Wiederkäuen, Ruhe und weitere Aktivitäten steuern. Werden diese Abläufe durch ungünstige Haltungsbedingungen oder Managementmaßnahmen gestört, kann dies Stressreaktionen auslösen. Typische Folgen sind eine reduzierte Futteraufnahme und Milchleistung, veränderte Liegezeiten und eine höhere Krankheitsanfälligkeit. Solche Belastungen beeinträchtigen nicht nur das Tierwohl, sondern wirken sich auch nachteilig auf Milchqualität, Leistungsfähigkeit und Fruchtbarkeit aus. Entsprechend groß ist der Bedarf an Verfahren, mit denen Stress möglichst früh erkannt werden kann. Ein südamerikanisches Forschungsteam hat nun geprüft, ob sich Stresssituationen bei Milchkühen mithilfe Künstlicher Intelligenz auf Basis zirkadianer Muster vorhersagen lassen. In der Studie wurden bei zehn Tieren über einen Zeitraum von zwölf Monaten kontinuierlich Verhaltensdaten wie Fress-, Ruhe- und Wiederkäuaktivität erfasst und algorithmisch ausgewertet. Die KI war in der Lage, Stressepisoden mit einer Genauigkeit von etwa 82 Prozent bereits eine Stunde vor ihrem Auftreten zu prognostizieren. Diese Vorwarnzeit eröffnet die Möglichkeit, gezielt und rechtzeitig gegenzusteuern – etwa durch Anpassungen im Stallmanagement – und gilt als wichtiger Schritt hin zu einem vorausschauenden, präventiven Ansatz in der Milchviehhaltung. |