Ich war schon 8 Jahre in Behandlung. Fast alle 3 Monate musste ich kommen, um das nächste Rezept zu erhalten. Die Medikamente wurden im Krankenhaus verschrieben und die Rezepte nur mit unzufriedenem Gesicht ausgestellt. Natürlich waren die Diagnosen meines Arztes alle psychisch, kann man so schön abrechnen mit geringem Aufwand. Ich habe immer wieder Zweifel geäußert, da ich m. E. nur körperlich krank war, nicht psychisch. Auf mein Bitten und Flehen um Hilfe, dass es mir immer schlechter geht, kam immer wieder die gleiche Antwort: „Was erwarten Sie von mir? Ich kann Ihnen nicht helfen. Sie können sich nur selbst helfen! Machen Sie Sport, denken Sie positiv und schlafen Sie gut.“ Irgendwann bin ich im Netz auf die Krankheit ME/CFS gestoßen, habe den Selbsttest gemacht, es hat alles gepasst. Nach so vielen Jahren wusste ich meine Diagnose. Allerdings hatte ich mir diese selbst gegeben. „Ausgedacht von labilen Frauen“Nachdem ich es dem Herrn Dr. erzählte, kam er zum ersten Mal hinter dem PC hervor, beugte sich zu mir nach vorn und sagte grinsend, ME/CFS wäre ein neumodischer Hype, ausgedacht von labilen Frauen. Und jeder, der was anderes behaupte, sei ein Scharlatan, auch Prof. Scheibenbogen. Welch Größenwahn. Ich habe höflich geantwortet, dass ich bei so vielen Krankheiten nicht erwarte, dass er alle kennen würde. Aber ob er evtl. bereit wäre, darüber nachzudenken in Bezug auf meine Beschwerden. Und habe ihm einige Informationsblätter, wissenschaftliche Berichte und den kanadischen Fragebogen auf den Tisch gelegt. Daraufhin wurde ich aus der Praxis geworfen, ich durfte auch nicht zur Kollegin. Ich bekam auch kein Rezept mehr und wurde komplett unversorgt gelassen. Ich verstehe, dass die Forschung bei ME/CFS Jahrzehnte hinterher ist und es eine sehr komplexe Krankheit ist. Aber was zutiefst verletzt, ist die Ablehnung der Ärzte und die fehlende Betreuung. Ich habe daraufhin 22 neurologische Praxen angeschrieben. Die meisten haben sofort abgesagt. Einige davon halten die Krankheit immer noch für psychisch. Bei mehreren Ärzten habe ich einen Ersttermin erhalten, die aber gesagt haben, sie kennen die Krankheit nicht, können mich nicht betreuen, seien überfordert. Einer hat gesagt, ich solle nicht nach Hilfe suchen, es gäbe keine Therapie. „Bleiben Sie im Bett, dann haben Sie weniger Beschwerden und belasten das Gesundheitssystem nicht.“ Jetzt, ein gutes Jahr später, bin ich immer noch ohne fachärztliche Betreuung, bekomme keine Hilfe bei der Linderung der Symptome und erleide jeden Tag Qualen. Ich bin überzeugt: Es gibt keine schlimmere chronische Erkrankung als ME/CFS. Und die fehlende ärztliche Betreuung und Anerkennung der Krankheit bei Gutachtern, Behörden, Versicherungen und Kassen haben wir nicht verdient. |