Adhärenz (Therapietreue) ist definiert als der Prozess, bei dem Patient*innen ein Medikament exakt so einnehmen, wie es mit dem/der Ärzt*in vereinbart wurde.1,2 Unzureichende Adhärenz ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei chronischen Erkrankungen ein globales Problem: nämlich überall dort, wo Patient*innen ihre Medikamente eigenständig anwenden müssen, wie z. B. bei Asthma und COPD.3 Ärzt*innen müssen davon ausgehen, dass mindestens jede*r zweite Ihrer Asthma- und COPD-Patient*innen nicht ausreichend adhärent zur medikamentösen Therapie ist.1,2
Sowohl bei Asthma als auch bei COPD ist eine unzureichende Adhärenz mit einem schlechteren klinischen Ergebnis assoziiert.
Die WHO geht davon aus, dass eine bessere Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Adhärenz mehr bewirken könnte als eine Verbesserung der medikamentösen Therapie.3
Vor einer Therapieeskalation sollte z. B. bei unkontrollierten Patient*innen mit moderatem bis schwerem Asthma und hohen FeNO-Werten immer die Inhalationstechnik und Adhärenz überprüft werden. Bei zwei von drei Asthmapatient*innen sind erhöhte FeNO-Werte auf eine unzureichende Adhärenz zurückzuführen.2
Die Adhärenz bei COPD oder Asthma kann bewusst oder unbewusst nachweislich durch die folgenden Faktoren negativ beeinflusst werden (Tab.1):2
Patientenbezogene und psychosoziale Faktoren
Therapie- und systembezogene Faktoren
Tabelle 1: Faktoren, die die Adhärenz negativ beeinflussen können.
Welche Faktoren sich in welcher Intensität auf die Adhärenz auswirken, ist individuell verschieden. Die Lebenssituation, der Leidensdruck durch die Erkrankung, das soziale Umfeld und die Erkrankung selbst spielen hierbei eine Rolle.1
Bei COPD sind die wichtigsten Faktoren, die mit dem Ausmaß der Adhärenz assoziiert sind, das Vorhandensein von Komorbiditäten – insbesondere Depressionen – der Raucherstatus, die Schulbildung, die Schwere der Erkrankung und Faktoren des Therapieregimes, wie z. B. Dosierungskomplexität, Polypharmazie und Nebenwirkungen der Therapie.1
Es gibt verschiedene Typen von Nicht-Adhärenz, denen unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen und die auch gleichzeitig vorliegen können (Abb.1).1,2 Eine einheitliche Definition existiert aktuell nicht.
In der Praxis entscheiden oft kleine, aber gezielte Maßnahmen darüber, ob Patient*innen ihre Behandlung konsequent umsetzen – oder eben nicht. Von der Gestaltung der Therapie bis hin zur Art der Kommunikation zwischen Ärzt*innen und Patient*innen gibt es wirkungsvolle Stellschrauben, die den Unterschied machen können.
Fußnoten
FeNO: Fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid; TAI: Test of Adherence to Inhalers
Referenzen
Bildquelle: KI-generiert