Die chronische Nierenkrankheit (CKD) zählt zu den häufigsten Volkskrankheiten: rund 10 % der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen.1,2 Dabei bleibt die Erkrankung häufig lange unerkannt und in vielen Fällen erfolgt die Diagnose erst im fortgeschrittenen Stadium.3
In diesem späten Verlauf ist der therapeutische Handlungsspielraum bereits stark eingeschränkt: Maßnahmen zur Verlangsamung der Krankheitsprogression greifen kaum noch, und oft bleibt als letzte Option nur die Einleitung einer Dialysebehandlung. Neben der hohen individuellen Krankheitslast ist damit auch eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem – und bislang wenig thematisiert – für die Umwelt verbunden. Denn gerade die ressourcenintensiven Therapien im späten CKD-Stadium, wie die Dialyse, verursachen einen Großteil der ökologischen Auswirkungen.4
Die ökologische Belastung durch CKD-Therapien ist enorm. Laut einer Aufklärungskampagne4, basierend auf den Studien ImpactCKD und InsideCDK, wurden allein im Jahr 2024 in Deutschland rund 16 Milliarden Liter Wasser durch die Behandlung von chronischer Nierenkrankheit, insbesondere Dialysen, verbraucht. Dieses Wasser wird dem Ökosystem entzogen und ist anschließend unbrauchbar.4
Zudem wurden weltweit im etwa 2,8 Milliarden Kilogramm CO₂-Äquivalente durch CKD und damit verbundene Behandlungen wie Dialyse oder Transplantation ausgestoßen.4 Der CO₂-Fußabdruck dieser lebenswichtigen Therapien ist damit erheblich.
Neben Energie- und Wasserverbrauch entstehen auch große Mengen an medizinischen Abfällen wie Einwegmaterialien, die aus hygienischen Gründen notwendig sind.5
Die ImpactCKD-Studie6 simuliert die Krankheitslast von CKD für die Jahre 2022 bis 2032 – einschließlich gesundheitlicher, ökonomischer, gesellschaftlicher und erstmals auch ökologischer Auswirkungen.
Die Modellrechnung ermöglicht Einschätzungen für die nächsten Jahre: Im Vereinigten Königreich könnte die Zahl der Dialysepatient:innen um über 75 % steigen. Damit verbunden wäre ein durchschnittlicher Anstieg um 75 % beim Wasserverbrauch, bei der fossilen Energieverwendung und beim CO₂-Ausstoß im Zusammenhang mit CKD. Zwischen 82 % und 89 % dieser Emissionen wären dabei direkt auf die Dialysebehandlung zurückzuführen.6 Die Folgen unerkannter CKD wären dabei auch nicht nur medizinisch, sondern könnten auch gesellschaftlich spürbar sein: Laut ImpactCKD könnten in den nächsten 10 Jahren 365 Millionen Arbeitstage durch CKD-bedingte Erkrankungen ausfallen.6
Diese Zahlen geben klare Einblicke in die enorme ökologische Relevanz dieser Therapieform und regen dazu an, einen Schritt vorauszudenken: Prävention statt Emission.
Die Dialyse ist nicht in jedem Fall unvermeidlich. CKD verläuft meist langsam fortschreitend und eröffnet damit die Chance für frühzeitige medizinische Intervention.3 Die in den Studien aufgeführten Zahlen zeigen deutlich, welches Potenzial in Screening und frühzeitiger therapeutischer Intervention liegt:
Ein Schlüssel liegt in der systematischen Integration von CKD-Screenings in der Primärversorgung, insbesondere bei Menschen mit Risikofaktoren wie Diabetes, Hypertonie oder Herzinsuffizienz.2 Bereits einfache diagnostische Mittel wie das Albumin-Kreatinin-Verhältnisses im Urin sowie Serumkreatinin und eGFR2 reichen aus, um eine beginnende Nierenkrankheit festzustellen und können in jeder Hausarztpraxis durchgeführt werden. Wird die CKD früh erkannt, stehen heute wirksame Maßnahmen und Medikamente zur Verfügung, um die Progression der Erkrankung zu verlangsamen.
Die Dialyse rettet Leben – aber sie ist auch teuer und ressourcenintensiv. Besonders der massive Wasserverbrauch und die weltweit hohen CO₂-Emissionen verdeutlichen: Jeder verhinderte Dialysefall ist ein Gewinn für die Patient:innen, für das Gesundheitssystem und für das Klima.
Wer heute CKD frühzeitig erkennt und behandelt, schützt morgen nicht nur Nieren, sondern auch die Umwelt.