UPDATE | Wir wollten wissen, wie die GesundheitsID das katastrophale Kartenkarussell in Pflegeheimen beenden soll. Drei Monate später haben wir die Antwort: gar nicht.
In der ersten Anfrage zum umständlichen quartalsmäßigen Einlesen der eGK hatte die Gematik die Digitale GesundheitsID als Perspektive genannt. Eine Smartphone-basierte Lösung, die ab 2027 die eGK ergänzen beziehungsweise ersetzen soll. Klingt gut. Aber wie soll das in der Pflege funktionieren? Viele Bewohner können eine digitale Identität nicht selbst einrichten und verifizieren. Gibt es dafür Unterstützung? Und wird der Roll-out mit der TI-Anbindung verzahnt?
Wir fragen also nach. Die Antwort (Mai 2026): Für die Pflege gebe es aktuell keinen detaillierten Roll-out-Plan, man habe die Pflegeeinrichtungen aber auf dem Schirm. Okay. Anfang August, also etwa drei Monate später, haken wir noch mal nach – und wollen wissen, ob es inzwischen Neuigkeiten gibt. Die Antwort des Service Desks:
„Was genau meinen Sie mit ‚Rollout Digitaler Services‘?“
Wir erklären noch einmal, worauf wir uns beziehen, zitieren die damalige Antwort und stellen unsere Fragen erneut. Mehrere Wochen später die Gewissheit:
„Wir gehen aus den von Ihnen genannten Gründen ebenfalls davon aus, dass die pflegebedürftigen Personen nicht die erste Nutzergruppe der GesundheitsID sein wird. Dennoch werden wir, wie beschrieben Pflegeeinrichtungen und Pflegeverbände dabei unterstützen, gezielt zur GesundheitsID zu informieren. Eine Verzahnung von TI Anbindung und Gesundheits-ID ist wenig sinnvoll, da die Anbindungsprozesse bereits etabliert sind und die Anbindung bei über 80 % der Pflegeeinrichtungen bereits angestoßen ist. Der Wegfall des Karte-Steckens in der Arztpraxis mithilfe der GesundheitsID wird erst in Zukunft möglich sein, so dass sich eine zeitliche Synchronisierung hier nicht anbietet.“
Moment mal. Wir fragen nach einer Lösung, erhalten einen Vorschlag, der auf uns nicht ausgereift wirkt – und bekommen Monate später bestätigt, dass diese Lösung für die Pflege nicht funktionieren wird. Was uns besonders auffällt: Es wird wieder von „über 80 %“ der Pflegeeinrichtungen in der TI-Anbindung gesprochen. Diese Zahl hatten wir ja vor Monaten schon hinterfragt und genauer auseinandergedröselt.
Eine positive Nachricht gibt es: Die TI-Anbindung der Pflege scheint inzwischen stärker in den Fokus zu rücken. Auf LinkedIn wird verstärkt informiert und dafür geworben, dass Pflegeeinrichtungen den Prozess starten. Das begrüßen wir ausdrücklich. Ressourcen dafür einzusetzen, die Pflege bei der Digitalisierung mitzunehmen, ist sinnvoll. Auch die Informationsangebote auf der Gematik-Website sind bei einer ersten Recherche durchaus hilfreich. Genau hier findet sich eine naheliegende Antwort auf unser ursprüngliches Problem: Eine funktionierende TI-Anbindung kann die aufwändigen Wege mit den Gesundheitskarten perspektivisch überflüssig machen.
Als wäre die Umstellung nicht schon kompliziert genug, gibt es eine aktuelle Deadline zu beachten: Bis zum 30. September 2026 müssen Praxen das Konnektor-Update auf die Produktversion PTV6 installieren. Denn ab dem 1. Oktober werden neue elektronische Gesundheitskarten ausgegeben – und die arbeiten ausschließlich mit dem ECC-Verschlüsselungsverfahren. Ohne dieses Update drohen laut Gematik erhebliche Probleme beim Verbindungsaufbau zur Telematikinfrastruktur, was wiederum Störungen im Praxisbetrieb und aufwändige Papier-Ersatzverfahren nach sich ziehen könnte. Die KBV empfiehlt daher, das Update rechtzeitig einzuspielen und die Praxistechnik generell aktuell zu halten, wobei bei Problemen der jeweilige Dienstleister oder Hersteller kontaktiert werden sollte.
Nun könnte man sich natürlich fragen: Warum wurde uns das nicht von Anfang an als Antwort auf unsere konkrete Frage mitgegeben? Stattdessen wurde eine Smartphone-Lösung als Perspektive genannt, bei der sich auf mehrfache Nachfrage herausstellt, dass sie für die Pflege gar nicht vorgesehen ist. Während parallel die TI-Anbindung vorangetrieben wird – ohne dass dieser Zusammenhang in unserer Korrespondenz auftaucht. Auf LinkedIn läuft die Kommunikation, im direkten Austausch fehlt leider die Verbindung.
Dabei erwarten wir gar keinen fertigen Masterplan. Aber wenn Pflegeeinrichtungen heute mit dem Kartenkarussell kämpfen, wäre es hilfreich zu wissen, welche der laufenden Entwicklungen dieses Problem tatsächlich lösen könnten – und wann. Denn die Pflege braucht keine digitale Vision fürs nächste Jahrzehnt. Sie braucht fürs Erste weniger Karten, die durch die Gegend gefahren werden.
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