Adipositas gilt gemeinhin als Zeichen von Überversorgung, nicht von Mangel. Aber auch bei erhöhtem Körpergewicht können Protein-, Mikronährstoff- und Muskelmasse deutlich unter dem Bedarf liegen. Die Diagnose einer Mangelernährung bei Menschen mit Adipositas ist oft schwierig.1
Da Diagnosekriterien meist auf normalgewichtigen Referenzwerten beruhen, wird Mangelernährung bei adipösen Patient:innen häufig übersehen.2 Empfehlenswert: die GLIM-Kriterien (Global Leadership Initiative on Malnutrition), die neben Gewichtsverlauf auch Muskelmasse und Krankheitslast berücksichtigen und so Mangelernährung auch bei hohem BMI aufdecken. Ausführliche Diagnosekriterien finden Sie bei der DGEM. Mehr Awareness für dieses Tool ist der erste Schritt gegen die Unterdiagnose.
Mit steigendem BMI sinken häufig die Serumspiegel von Vitamin D3 und Vitamin E, auch ein B-Vitamin-Mangel wird bei Adipositas beobachtet.1 Das kann zu eigenständigen gesundheitlichen Einschränkungen führen (z. B. Knochengesundheit) oder bestehende Komorbiditäten (z. B. Diabetes) verstärken.3 Kommt eine unzureichende Proteinzufuhr hinzu, drohen Muskelabbau und sarkopene Adipositas, also der Verlust an fettfreier Masse bei bestehendem Übergewicht.4
Rund ein Drittel der Intensivpatient:innen ist adipös und eine begleitende Mangelernährung verschlechtert hier - wie in der Onkologie - die Prognose signifikant.3 Bei Malabsorption, perforierten Ulzerationen oder schwerem Nährstoffmangel kann eine spezialisierte Ernährungstherapie nötig werden, etwa eine ausschließliche parenterale oder enterale Ernährung.5
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