Wundheilung ist auch eine Frage des Tellers, nicht nur der Haut. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt: Eine hyperkalorische, proteinreiche Kost mit Zink sowie Vitamin A, C und E kann die Abheilung chronischer Wunden messbar beschleunigen.1 Auch beim diabetischen Fußsyndrom zeigt sich in der derzeitigen Studienlage ein Zusammenhang zwischen schlechtem Ernährungsstatus und dem Auftreten bzw. der verzögerten Heilung von Fußulzera, auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang bislang nicht eindeutig belegt ist.2
Warum das so ist, lässt sich physiologisch gut erklären: Jede Wundheilungsphase ist auf Nährstoffe angewiesen. Proteine liefern die Bausteine für Kollagensynthese und Zellproliferation, Energie aus Kohlenhydraten und Fetten deckt den erhöhten Stoffwechselbedarf, und Mikronährstoffe wie Zink und Vitamin C wirken als Kofaktoren bei Kollagenvernetzung und Immunabwehr. Fehlt eines dieser Elemente, verlängert sich die Entzündungsphase und das Infektionsrisiko steigt.
So viel also zur Theorie. Doch zu welchen Lebensmitteln sollten Sie Ihren Patientinnen und Patienten in der Praxis raten? Hier einige Beispiele:
Eiweißquellen
Eier
Fisch und Fleisch (z. B. Lachs, Hähnchenbrust)
Hülsenfrüchte (z. B. Linsen, Bohnen, Kirchererbsen)
Milch und Joghurt
Kohlenhydratlieferanten
Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Haferflocken und Naturreis
Kartoffeln und Süßkartoffeln
Gemüse
Gesunde Fette
Pflanzenöl (z. B. Olivenöl, Rapsöl)
Nüsse und Samen
Avocado
Fettreicher Fisch wie z. B. Lachs
Vitamine und Mineralstoffe stecken ebenfalls in vielen der genannten Lebensmittel. Vitamin A z. B. in Karotten oder Spinat; Obst und Gemüse liefern Vitamin C und Vollkornprodukte sowie Fleisch sind reich an Zink und Eisen.
Dabei bleibt Malnutrition in der Praxis häufig unerkannt: Ein einfaches, validiertes Screening – etwa mit dem NRS-2002 oder MUST – gehört bei chronischen Wunden ebenso zur Routine wie die Wahl der passenden Wundauflage. Das gilt besonders für Patientinnen und Patienten mit Dekubitus: Eine Untersuchung an über 650 Betroffenen zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen Mangelernährung und dem Auftreten von Druckgeschwüren.3 Auch bei geriatrischen und multimorbiden Patientinnen und Patienten lohnt sich ein früher Blick auf Gewichtsverlauf, Appetit und Trinkmenge.
Damit Sie Ihre Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige leicht verständlich beraten können, hat HARTMANN die Broschüre „Jeder Bisschen zählt - wie die richtige Ernährung Ihre Wundheilung unterstützt“ entwickelt, die die wichtigsten Ernährungsgrundlagen bei chronischen Wunden kompakt zusammenfasst – von Eiweißbedarf über Trinkmenge bis zu praktischen Alltagstipps.
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Referenzen
Santo A et al. Impact of oral nutritional supplement composition on healing of different chronic wounds: A systematic review. Nutrition. 2024; 124: 112449.
Bechara N et al. Associations between Nutrients and Foot Ulceration in Diabetes: A Systematic Review. Nutrients. 2021; 13(8): 2576.
Alhaug J, Gay CL, Henriksen C, Lerdal A. Pressure ulcer is associated with malnutrition as assessed by Nutritional Risk Screening (NRS 2002) in a mixed hospital population. Food & Nutrition Research. 2017; 61: 1324230.