Das Sitzen oder Liegen in einer gleichbleibenden Position wird für fast alle von uns früher oder später unbequem. Kurz auf die andere Seite gedreht oder das andere Bein übergeschlagen und schon haben wir den Druck umverteilt. Doch was passiert, wenn das nicht möglich ist?
In diesem ersten Teil unserer zweiteiligen Beitragsreihe erfahren Sie alles Wissenswertes über Dekubitus.
Ein Dekubitus (Druckgeschwür) ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes, die durch anhaltenden Druck, Scherkräfte oder eine Kombination von beidem, verursacht wird. Besonders gefährdet sind Körperstellen über knöchernen Vorsprüngen wie Sakrum (Kreuzbein), Fersen oder Trochanter. Also überall dort, wo Haut und Knochen ohne viel Polsterung aufeinandertreffen.
Wenn ein Gewebe länger als tolerabel komprimiert wird, sinkt der kapillare Perfusionsdruck unter ein kritisches Niveau. Die Folge: Minderdurchblutung, Hypoxie und Zellschäden. Scherkräfte, z. B. durch Rutschen im Bett, können zusätzlich die Lage verschärfen.
Es gibt viele Faktoren, die die Entstehung eines Dekubitus begünstigen. Der wichtigste ist allerdings Immobilität. Langes Liegen oder Sitzen ohne Lageveränderungen komprimieren das Gewebe und können zu einem Dekubitus führen. Hinzu kommen Risikofaktoren wie das Alter, chronische Erkrankungen, Über- oder Untergewicht, Mangelernährung oder auch extrinsische Faktoren wie Körperhygiene oder Feuchtigkeit.
Ein erstes Warnsignal für einen beginnenden Dekubitus ist eine Rötung der Haut. Typischerweise ist die Rötung umschrieben, die Haut dabei noch intakt, wobei der Bereich schmerzempfindlich sein kann. Besonders wichtig zur Feststellung eines Dekubitus ist der Fingertest nach Philips, bei dem ein Finger für einige Sekunden auf die gerötete Stelle gedrückt wird. Wird der Finger entfernt, sollte die Stelle für einen Moment weiß erscheinen, bevor sie sich mit wiederkehrender Durchblutung wieder rot einfärbt. Bei einer nicht wegdrückbaren Rötung der Haut (positiver Fingertest) kann von einem erstgradigen Dekubitus ausgegangen werden.
Prinzipiell lässt sich ein Dekubitus in den meisten Fällen verhindern. Wichtig ist zunächst, Risikofaktoren zu kennen und Patient:innen mit erhöhtem Risiko genau zu beobachten, um pathologische Veränderungen der Haut möglichst zeitnah zu erkennen. Bei immobilen Personen sollte, angepasst an den individuellen Zustand, eine bestmögliche und gewebeschonende Mobilisation erfolgen. Da es sich beim Dekubitus um eine durch Druck entstehende Wunde handelt, sollte durch regelmäßige Positionierungs- und Lagerungswechsel und Hilfsmittel wie beispielsweise spezielle Wechseldruckmatratzen eine Druckentlastung der betroffenen Körperteile erzielt werden. Eine ausgewogene Ernährung und eine sorgfältige Hautpflege können zusätzlich unterstützen.
Die wichtigste Therapiemaßnahme ist die konsequente Druckentlastung des betroffenen Gewebes. Wie bei der Prävention soll auch in der Therapie auf regelmäßige Lagerungen in festen Zeitintervallen und ggf. unter Zunahme von Hilfsmitteln erfolgen. Bestehende Wunden müssen mit konsequentem feuchtem Wundmanagement behandelt werden und auf Infektionen kontrolliert werden.
Ein Dekubitus ist kein unvermeidliches Schicksal. Mit genügend Fachwissen und Aufmerksamkeit bei der Untersuchung lassen sich Druckgeschwüre häufig verhindern. Und wenn es nun doch zu einem Dekubitus kommt? Dann ist noch nicht alles verloren!
Wie das Management von Druckgeschwüren aussieht und wie gelagert werden sollte, dazu geben wir Ihnen im nächsten Teil praxisnahe Hilfestellungen und nützliche Tipps!