Urologen klassifizieren Harnwegsinfekte neu
Eine altbekannte Einteilung fällt weg: Die Europäische Gesellschaft für Urologie (EAU) verzichtet in ihrer aktualisierten Leitlinie auf die Zweiteilung „unkompliziert“ vs. „kompliziert“ bei Harnwegsinfekten (HWI). Stattdessen unterscheidet sie zwischen „lokalisierter“ und „systemischer“ Infektion. Hintergrund: Die alte Dichotomie sei einfach, aber potenziell irreführend – besonders in der nichturologischen Praxis, wo die Differenzierung oft schwerfällt und so das Risiko für Über- und Untertherapie steigt. Lokalisierte HWI entsprechen im Kern der klassischen Zystitis, unabhängig von Geschlecht und ohne systemische Beteiligung. Systemische HWI liegen vor bei Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Delir, Hypotonie oder Flankenschmerzen, was auf ernstere Verläufe, wie Pyelonephritis oder Prostatitis, hindeutet. Risikofaktoren wie Steine, Verweilkatheter, Restharn, Immunsuppression oder Schwangerschaft bleiben in beiden Kategorien entscheidend für Diagnostik und Therapieintensität. Bei lokalisierter, unkomplizierter Zystitis rückt außerdem die Antibiotika-Einsparung in den Fokus: Ein eigener Leitlinienabschnitt widmet sich jetzt explizit nicht-antibiotischen Ansätzen wie symptomorientierter Therapie, Phytotherapie und Immunprophylaxe. |