Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) wird noch immer häufig als die „mildere“ Form der Herzinsuffizienz (HF) wahrgenommen. Die Daten sprechen jedoch eine andere Sprache: Herzinsuffizienz betrifft in Deutschland mehr als 3,2 Millionen Menschen und der Anteil der Patient:innen mit einer HFpEF nimmt kontinuierlich zu.1,2 Gleichzeitig kann die Prognose dieser Patient:innen, insbesondere nach einer Hospitalisierung, ebenso ungünstig sein wie die von Patient:innen mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF).3
Abbildung 1: Patient:innen mit HFpEF haben eine schlechte Prognose2,3
HFpEF-Patient:innen haben zudem ein anderes Risikocluster als HFrEF-Patient:innen. Typisch für HFpEF sind komplexe Risikokonstellationen aus höherem Alter, Hypertonie, Adipositas oder Diabetes mellitus, Vorhofflimmern sowie weiteren kardiorenalen Komorbiditäten. Gerade diese häufig überlappenden Begleiterkrankungen prägen nicht nur das klinische Bild, sondern können auch das Mortalitätsrisiko zusätzlich erhöhen.4
HFpEF ist keine „milde“ Form der Herzinsuffizienz. So lag in einer populationsbasierten europäischen Kohorte das 5-Jahres-Überleben von HFpEF-Patient:innen nach einer ersten Episode bei nur 43 % – umgerechnet entspricht dies einer 5-Jahres-Mortalität von rund 57 %.5 In einer US-amerikanischen Registeranalyse hospitalisierter Herzinsuffizienzpatient:innen lag die 5-Jahres-Mortalität bei HFpEF sogar bei 75,7 % und war damit praktisch identisch mit der von HFrEF-Patient:innen.6
Diese Zahlen und der Vergleich mit der Mortalität schwerer Krebserkrankungen verdeutlichen die prognostische Bedeutung der HFpEF: Die SEER-Daten des US National Cancer Institute weisen für häufige Krebsentitäten sehr unterschiedliche 5-Jahres-Mortalitäten aus – vom Prostatakarzinom mit etwa 1,8 % über das kolorektale Karzinom mit etwa 34,6 % bis hin zum Lungenkarzinom mit etwa 70,5 %.7 Daraus lässt sich näherungsweise die komplementäre 5-Jahres-Mortalität ableiten.7
Dieser Vergleich ersetzt keine krankheitsspezifische Risikobewertung, macht aber die Größenordnung der HFpEF-Prognose anschaulich: Mit einer 5-Jahres-Mortalität von 57 bis 75 % kann HFpEF demnach im Bereich schwerer maligner Erkrankungen liegen und widerspricht somit der Wahrnehmung einer milderen Herzinsuffizienzform:5-7
Erkrankung
5-Jahres-Überleben
Näherungsweise 5-Jahres-Mortalität
Prostatakarzinom
98,2 %
ca. 1,8 %
Mammakarzinom
91,9 %
ca. 8,1 %
Kolorektales Karzinom
65,4 %
ca. 34,6 %
Lungenkarzinom
29,5 %
ca. 70,5 %
Pankreaskarzinom
13,7 %
ca. 86,3 %
HFpEF in Studien
ca. 24-43 %
ca. 57-75 %
Was konsequentes therapeutisches Handeln bei Herzinsuffizienz bewirken kann, zeigt der Blick auf HFrEF: Dort hat sich ein multimodales Konzept aus vier krankheitsmodifizierenden Wirkprinzipien etabliert. In einer vergleichenden Analyse großer randomisierter Studien ergaben sich eindrucksvolle Effekte:8
Für HFpEF gab es hingegen bislang nur begrenzte Möglichkeiten, über Symptomkontrolle und Komorbiditätsmanagement hinaus gezielt in den Krankheitsverlauf einzugreifen. Erst in den letzten Jahren hat sich die Evidenzlage verändert, und zunehmend entsteht auch hier eine neue therapeutische Perspektive. Gerade angesichts der hohen und häufig unterschätzten Mortalität, die mit der von HFrEF vergleichbar ist3, spricht vieles dafür, die verfügbaren Therapieoptionen frühzeitig und konsequent auszuschöpfen.
Gerade vor dem Hintergrund der hohen Mortalität ist ein strukturiertes Vorgehen entscheidend: HFpEF sollte frühzeitig in die Differenzialdiagnose bei unklarer Dyspnoe einbezogen werden, unterstützt durch klinische Scores wie den H2FPEF-Score.
Der H₂FPEF-Score wurde ursprünglich entwickelt, um bei Patient:innen mit unklarer Dyspnoe die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer HFpEF abzuschätzen. Er kombiniert klinische und echokardiographische Variablen wie Adipositas, antihypertensive Therapie, Vorhofflimmern, pulmonale Hypertonie, Alter und E/E'-Ratio.9 Inzwischen gibt es Hinweise, dass der Score über die Diagnostik hinaus auch prognostische Relevanz besitzen könnte. So konnten Sun et al. zeigen, dass höhere H₂FPEF-Scores mit einer erhöhten Gesamtmortalität und einer höheren Rehospitalisierungsrate assoziiert sind.10 Darüber hinaus berichteten Suzuki et al., dass ein hoher H₂FPEF-Score bei ambulanten Risikopatient:innen zukünftige herzinsuffizienzbezogene Ereignisse vorhersagen kann.11
Damit liefert der H₂FPEF-Score nicht nur Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit einer HFpEF, sondern kann auch dazu beitragen, Patient:innen mit erhöhtem Risiko für einen ungünstigen Krankheitsverlauf frühzeitig zu identifizieren.
Die vorliegenden Daten zeigen eindeutig, dass HFpEF mit einer hohen und häufig unterschätzten Mortalität verbunden ist und prognostisch keineswegs als „mildere“ Form der Herzinsuffizienz zu betrachten ist. HFpEF ist keine harmlose Diagnose.
Angesichts der unspezifischen Symptomatik und der komplexen Risikoprofile erfordert HFpEF ein strukturiertes diagnostisches Vorgehen sowie eine konsequente Berücksichtigung in der klinischen Entscheidungsfindung. Gleichzeitig unterstreichen aktuelle Evidenz und neue Therapieansätze die zunehmende Relevanz einer frühzeitigen Identifikation sowie eines konsequenten therapeutischen Managements.
→ Die zentrale Botschaft lautet: HFpEF darf nicht unterschätzt werden – weder diagnostisch noch prognostisch noch therapeutisch.
Referenzen:
Bildquelle:KI-generiert