Herzinsuffizienz ist ein global relevantes Krankheitsbild mit weltweit über 56 Millionen Betroffenen.1 In der klinischen Praxis wird Herzinsuffizienz häufig noch primär mit einer reduzierten Ejektionsfraktion (HFrEF) assoziiert. Gleichzeitig nimmt jedoch die Bedeutung der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) stetig zu. Steigende Lebenserwartung und eine zunehmende Prävalenz kardiovaskulärer Komorbiditäten tragen dazu bei, dass HFpEF heute bereits einen großen Anteil der Herzinsuffizienzfälle ausmacht – mit weiter wachsender Tendenz.2,3
Dabei bedeutet eine erhaltene Ejektionsfraktion längst nicht, dass die HFpEF ungefährlich ist: Wie eine Studie zeigte, verstarben zwei Drittel aller Patient:innen mit akuter dekompensierter HFpEF innerhalb von 5 Jahren.4
Dennoch wird HFpEF im klinischen Alltag häufig nicht erkannt oder erst spät diagnostiziert3 – mit entsprechenden Konsequenzen für die Prognose der Patient:innen.
Ein zentraler Grund für die Unterdiagnose liegt in der unspezifischen Symptomatik. Belastungsdyspnoe, periphere Ödeme oder Leistungsminderung sind typische Leitsymptome, kommen jedoch auch bei anderen kardiovaskulären oder nicht-kardialen Erkrankungen vor. Gerade Dyspnoe kann vielfältige Ursachen haben, etwa eine koronare Herzerkrankung, pulmonale Erkrankungen, eine Anämie oder andere Formen der Kardiomyopathie.5
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Symptome einer HFpEF bei Frauen und Männern unterschiedlich manifestieren können. Frauen mit HFpEF tendieren eher zu einem allgemein schlechteren Gesundheitszustand und einer schweren Dyspnoe begleitet von klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Adipositas.5
Beim Vorliegen solcher Symptome ist deswegen unbedingt eine abklärende Diagnostik zu empfehlen. Der H2FPEF-Score (siehe unten) ist dabei ein einfach und schnell einsetzbares Werkzeug, um Patient:innen mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer HFpEF herauszufiltern.
Einen einzelnen diagnostischen Test zur sicheren Diagnose einer HFpEF gibt es bislang nicht. Initial steht daher die grundsätzliche kardiologische Abklärung einer Herzinsuffizienz im Vordergrund. Klassisch erfolgt diese anhand klinischer Haupt- und Nebenkriterien. Liegen mindestens zwei Hauptkriterien oder ein Haupt- und zwei Nebenkriterien vor, ist eine Herzinsuffizienz wahrscheinlich.5
Ergänzend kommen laborchemische Untersuchungen auf natriuretische Peptide (BNP bzw. NT-proBNP) sowie die Echokardiografie zum Einsatz. Wichtig ist dabei, dass normale Peptidwerte oder unauffällige echokardiografische Befunde eine HFpEF nicht sicher ausschließen. Gerade in frühen Krankheitsstadien oder bei adipösen Patient:innen können diese Parameter im Normbereich liegen.2,6
Zur strukturierten Abklärung haben sich zwei Score-Systeme etabliert. Der H2FPEF-Score basiert auf klinischen und echokardiografischen Parametern wie Body-Mass-Index, Vorhofflimmern, pulmonaler Hypertonie, Alter und diastolischen Füllungsdrücken. Eine hohe Punktzahl spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer HFpEF.7
Der HFA-PEFF-Score verfolgt einen stufenweisen Ansatz. Er kombiniert anamnestische Daten, EKG, Echokardiografie und Biomarker und sieht bei intermediären Ergebnissen eine weiterführende funktionelle Diagnostik vor. Erst wenn auch diese keine eindeutige Zuordnung erlaubt, wird eine invasive Abklärung empfohlen.8
Bei weiterhin unklarer Befundlage kann eine invasive hämodynamische Untersuchung mittels Rechtsherzkatheter hilfreich sein. Erhöhte linksventrikuläre Füllungsdrücke in Ruhe oder unter Belastung unterstützen die Diagnose einer HFpEF. Aufgrund des invasiven Charakters bleibt diese Untersuchung jedoch ausgewählten Fällen vorbehalten.8
Die Diagnose der HFpEF erfordert ein strukturiertes, mehrstufiges Vorgehen und klinische Aufmerksamkeit. Eine einfache Abkürzung zur Diagnose existiert nicht. Umso wichtiger ist es, bei passenden Symptomen frühzeitig an HFpEF zu denken und die notwendigen diagnostischen Schritte einzuleiten. Nur so lässt sich sicherstellen, dass betroffene Patient:innen zeitnah eine adäquate, leitliniengerechte Therapie erhalten.
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Bildquelle: iStock/luckystep