Hochdosiertes intravenöses Vitamin C gilt seit Jahren als Hoffnungsträger bei schweren Verbrennungen. Doch eine internationale Studie dazu wurde jetzt abgebrochen – wegen potenzieller Schäden.
Schwere Verbrennungen gehen mit einer ausgeprägten Entzündungsreaktion und oxidativem Stress einher. Vitamin C wird aufgrund seiner antioxidativen Eigenschaften seit Jahrzehnten als therapeutische Option diskutiert. Kleinere Studien hatten Hinweise auf positive Effekte geliefert, darunter einen reduzierten Flüssigkeitsbedarf. Auf Basis dieser bislang unsicheren Datenlage empfehlen einige internationale Leitlinien den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C. Eine belastbare Evidenz aus großen randomisierten Studien fehlte jedoch bislang.
Nun präsentiert die internationale, randomisierte klinische Studie VICToRY (VItamin C in Thermal injuRY) Ergebnisse im JAMA, die diese Empfehlungen infrage stellen.
In die Studie wurden 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen eingeschlossen, die mindestens ein Fünftel der gesamten Hautoberfläche betrafen. Die Rekrutierung erfolgte in 24 Zentren in Nord-, Zentral- und Südamerika, Europa sowie Asien. Die Patienten wurden entweder mit hochdosiertem intravenösem Vitamin C oder mit Placebo behandelt. Die Vitamin-C-Gruppe erhielt 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht über einen Zeitraum von 96 Stunden alle sechs Stunden intravenös.
Einen Nutzen der Behandlung konnten die Forscher nicht nachweisen. Der primäre Endpunkt – bestehend aus 28-Tage-Sterblichkeit und anhaltender Organdysfunktion wie Beatmung, Nierenersatztherapie oder Kreislaufunterstützung – trat in der Vitamin-C-Gruppe häufiger auf als unter Placebo. Die Rate lag bei 40,8 % unter Vitamin C gegenüber 29,7 % unter Placebo.
Besonders deutlich fiel der Unterschied bei der 28-Tage-Sterblichkeit aus. In der Vitamin-C-Gruppe starben 15 % der Patienten, in der Placebogruppe 7,6 %. Auch die Krankenhaussterblichkeit lag höher: 23,3 % unter Vitamin C gegenüber 16,1 % unter Placebo. Zudem benötigten Patienten der Vitamin-C-Gruppe häufiger eine Nierenersatztherapie wie eine Dialyse (10,8 % versus 5,9 %). Dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht eindeutig abgesichert.
Nach einer geplanten Zwischenanalyse wurde die Studie vorzeitig beendet. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass kein Nutzen der Behandlung zu erwarten war und potenzielle Schäden möglich seien. Ein unabhängiges Überwachungsgremium empfahl daraufhin den Abbruch der Studie.
„Die Empfehlungen der Leitlinien sollten dringend überdacht werden“, mahnt Prof. Christian Stoppe, Studienleiter und Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Weiter erklärt er: „Unsere Studie liefert erstmals hochwertige, randomisierte Evidenz zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden.“ Stoppe fordert, dass internationale Leitlinien diese neuen Erkenntnisse berücksichtigen.
„Angesichts weltweit steigender regulatorischer Anforderungen und begrenzter Ressourcen ist es umso wichtiger, dass eine so große internationale Studie endlich Klarheit schafft. Wir hoffen, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, Patienten vor einer unwirksamen und potenziell gefährlichen Therapie zu schützen und die begrenzten Ressourcen auf nachweislich wirksame Maßnahmen zu lenken“, erklärt Prof. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik für Anästhesiologie.
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