Die Ausbildung zur Kinderkrankenpflege wird immer mehr eingekürzt. Als Kinderarzt finde ich das gefährlich. Was eine gute Kinderstation ausmacht und warum wir uns für sie einsetzen sollten.
Vor über zehn Jahren wurde die Ausbildung zur Kinderkrankenpflege abgeschafft. Damals ging ein ordentliches Raunen durch die Kinderkliniken. Durch die Stationen. Durch die Praxen. Da raunten alle, die mit Säuglingen, Kindern und Jugendlichen medizinisch arbeiten. Seitdem ist die Pflegeausbildung generalisiert. Drei Jahre Ausbildung für alle, ein bisschen von allem. Früher konnte man sich wenigstens im letzten Jahr spezialisieren: Altenpflege oder Kinderkrankenpflege. Jetzt steht auch das auf der Kippe.
Im Bundestag wird jetzt geprüft, wie viele Auszubildende sich überhaupt noch für diese Spezialisierung entscheiden. Und falls es zu wenige sind, soll das Gesetz angepasst werden. Übersetzt heißt das: Interessieren sich nicht genug Auszubildende dafür, verschwindet die Kinderkrankenpflege ganz (siehe §62 Pflegeberufegesetz). Und die Zahlen sind ernüchternd: 324 Absolventen haben sich 2024 für die Kinderkrankenpflege entschieden – bei über 38.000 Pflegeabschlüssen insgesamt.
Aber vielleicht liegt das Problem gar nicht am fehlenden Interesse. Vielleicht liegt es daran, dass es kaum noch Ausbildungsplätze gibt. In Bayern, Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern werden teilweise schon jetzt keine Kinderkrankenpfleger mehr ausgebildet. Es fehlen Lehrkräfte. Spezialunterricht kostet Geld. Kinderstationen rechnen sich schlecht (DocCheck berichtete). Also spart man zuerst dort.
Klar, die Generalisierung hat Vorteile: Pflegekräfte lassen sich flexibler einsetzen, Berufsschulen sparen Unterrichtsstunden, ausländische Abschlüsse können leichter anerkannt werden. Für Kinder ist das trotzdem keine gute Nachricht. Man stelle sich einmal vor, es gäbe keine Facharztausbildung für Kinder- und Jugendmedizin mehr. Alle würden einfach „irgendwie Medizin“ studieren und danach Säuglinge, Jugendliche und Hochbetagte gleichermaßen behandeln. Genau, das würde niemand akzeptieren. Kinder sind eben speziell.
Ein Frühchen ist kein kleiner Erwachsener. Ein zweijähriges Kind mit Atemnot funktioniert nicht wie ein Rentner mit COPD. Und ein Säugling lässt sich auch nicht „mal eben“ punktieren wie ein Erwachsener. Das lernt man nicht aus Büchern. Das lernt man am Bett. Im Alltag. Mit Erfahrung. Mit Anleitung. Mit Routine. Wie hält man einen strampelnden Zweijährigen bei der Blutabnahme? Wie legt man einen Nabelkatheter? Wie spricht man mit Eltern, die seit drei Nächten nicht geschlafen haben und panisch neben dem Bett ihres Kindes sitzen? Das ist nicht mal eben „learning by doing“. Das ist ein eigener Beruf. Und natürlich merken Eltern den Unterschied.
Sie merken sehr schnell, ob jemand Erfahrung mit Kindern hat. Ob da jemand steht, der weiß, wie man sich einem ängstlichen Kind nähert. Der nicht einfach „stillhalten!“ sagt. Der Eltern ernst nimmt. Der die richtige Mischung findet aus Ruhe, Routine und Fingerspitzengefühl. Das Gleiche sehe ich in der Praxis bei medizinischen Fachangestellten. Manche haben Erfahrung mit Kindern, manche nicht – das merkt man nach wenigen Minuten. Kinderheilkunde ist eben mehr als kleinere Manschetten und bunte Pflaster.
Nun sinken die Geburtenzahlen. Kinderkliniken haben weniger Patienten. Vielleicht denkt man deshalb: Dann brauchen wir auch weniger spezialisierte Pflegekräfte. Kann man so sehen. Man könnte aber auch argumentieren: Gerade, wenn Kinderstationen kleiner werden, braucht es dort besonders gut ausgebildetes Personal. Weil Fehler bei Kindern schneller dramatisch werden. Weil Medikamente anders dosiert werden. Weil Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Und weil man eine gute Kinderstation nicht daran erkennt, wie modern die Geräte sind. Sondern daran, wie sicher sich Kinder und Eltern dort fühlen.
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