In Deutschland leben schätzungsweise 5,66 Millionen Menschen mit Osteoporose, doch gerade Frauen bleiben oft unbehandelt. Besonders deutlich wird das nach einer Fraktur: Nur ein Bruchteil erhält im Anschluss eine leitliniengerechte osteologische Abklärung oder Therapie.1,2 Gleichzeitig ist das Risiko für Folgefrakturen gerade im ersten Jahr massiv erhöht.3
Das Problem ist bekannt – und vermeidbar. Ein erheblicher Anteil der Folgefrakturen ließe sich durch strukturierte Post-Fraktur-Versorgung verhindern.2
In der Praxis verläuft die Versorgung meist so: Nach der Akutbehandlung im Krankenhaus und ggf. anschließender Reha-Maßnahmen werden Patient*innen in die hausärztliche Behandlung entlassen. Oftmals erfolgt keine oder nur unzureichende osteologische Weiterbehandlung.
Die Folge: Die Fraktur wird behandelt, nicht aber die zugrunde liegende Erkrankung. Genau an dieser Schnittstelle gehen Patient*innen verloren. Es fehlen:
Das Ergebnis ist eine fragmentierte Versorgung mit vermeidbaren Folgefrakturen, steigender Morbidität und hohen Kosten.1,2
Osteoporose ist eine interdisziplinäre Herausforderung: Unfallchirurgie, Hausärzt*innen, Osteolog*innen, Geriatrie und weitere Fachrichtungen sind gleichermaßen beteiligt. Ohne Koordination entstehen zwangsläufig Brüche im System.
Hier setzen Fracture Liaison Services (FLS) und Versorgungsnetzwerke an. Ihr Ziel ist eine strukturierte, sektorenübergreifende Betreuung.4,5
Kernelemente sind:4,5
Damit schließen Netzwerke genau die entscheidende Lücke zwischen Akutversorgung, Nachsorge und Sekundärprävention.
Interesse an Versorgungsnetzwerken besteht in medizinischen Fachkreisen genug, wie ein von Frau Dr. Daniela Davids im Publikum abgehaltenes Voting im Rahmen einer OrthoTrauma Live-Veranstaltung gezeigt hat: Die Mehrheit des in der Praxis tätigen Publikums (ca. 60%) wünschte sich einen FLS.
Der Einstieg beginnt selten mit einem fertigen Konzept, sondern mit einer einfachen Beobachtung: Patient*innen werden nicht adäquat behandelt und gehen im System verloren. Welche Schritte gegangen werden können und welche Faktoren wichtig sind, um ein Netzwerk aufzubauen, wird in den nächsten 5 Punkten erläutert.
Ausgangspunkt sind oft engagierte Einzelpersonen – z. B. in Unfallchirurgie, Geriatrie, beim niedergelassenen Orthopäden/Osteologen oder in der Hausarztpraxis. Entscheidend ist der Wille, bestehende Abläufe zu verändern.
Die gute Nachricht: Niemand muss bei null anfangen. In Deutschland existieren bereits konkrete, praxiserprobte Versorgungsnetzwerke. Eine gute Orientierung bietet die Plattform Struktur bei Fraktur, insbesondere der Bereich zur Netzwerkgründung.
Ein funktionierendes Netzwerk braucht feste Partner:
Wichtig sind klare Absprachen zu Rollen, Kommunikation und Zuständigkeiten.
Herzstück ist ein definierter Ablauf:
Je klarer dieser Pfad, desto weniger Patient*innen gehen verloren.
Gut und wichtig ist es, wenn jemand die zentrale Koordination der Patient*innen in die Hände nimmt. Dies kann z.B. eine FLS-Nurse sein. Sie organisiert Abläufe, hält Kontakt zu Patient*innen und verbindet die Sektoren. Ohne diese Rolle bleibt das Netzwerk oft Stückwerk.
Ein Netzwerk muss nicht perfekt sein. Schon einfache Strukturen verbessern die Versorgung spürbar. Wichtig ist, überhaupt zu beginnen – und dann schrittweise auszubauen.
Die Versorgungslücke bei Osteoporose ist kein Wissensproblem, sondern ein Strukturproblem. FLS und Versorgungsnetzwerke können helfen, klare Verantwortlichkeiten, durchgängige Behandlungspfade und bessere Outcomes für Patient*innen zu schaffen. Und: Der Aufbau ist machbar – mit vorhandenen Ressourcen, klaren Schritten und lokaler Initiative.
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