GLP-1-Rezeptoragonisten führen zu beeindruckenden Gewichtsverlusten. Doch was passiert nach dem Absetzen? Ein erheblicher Teil des verlorenen Gewichts kehrt zurück – aber gewisse langfristige Effekte bleiben.
Die Zunahme von Übergewicht und Adipositas stellt Gesundheitssysteme vor enorme Herausforderungen. Mehr als eine Milliarde Menschen leben mit Adipositas. Mit den GLP-1-Rezeptoragonisten gibt es hochwirksame Medikamente zur Gewichtsreduktion. Pharmaka wie der GLP-1-RA Semaglutid oder der duale GLP-1- und GIP-Agonist Tirzepatid ermöglichen in klinischen Studien Gewichtsverluste von etwa 15 bis 20 Prozent. Gleichzeitig verbessern sie wichtige Stoffwechselparameter wie den HbA1c-Wert, den Blutdruck und die Lipidwerte.
Trotz dieser beeindruckenden Effekte bleibt ein Problem: Schätzungen zufolge beendet etwa die Hälfte aller Patienten ihre Behandlung innerhalb eines Jahres – häufig wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen oder wegen hoher Kosten, die sie selbst zu tragen haben. Wie sich ihr Körpergewicht im Anschluss an die Behandlung verändert, war lange Zeit unklar. Eine systematische Übersichtsarbeit beantwortet jetzt viele der offenen Fragen.
Insgesamt haben die Forscher 48 Studien mit übergewichtigen oder adipösen Menschen ausgewertet, darunter 36 randomisierte, kontrollierte Untersuchungen. Alle Teilnehmer wurden nach dem Ende einer GLP-1-Therapie weiter beobachtet. Für eine detaillierte Modellanalyse griffen die Autoren auf sechs große randomisierte Studien mit mehr als 3.200 Teilnehmern zurück. Hier lag das Follow-up bei bis zu einem Jahr nach Absetzen der Medikamente. Diese Publikationen lieferten ausreichend Daten, um den zeitlichen Verlauf der Gewichtsentwicklung nach dem Absetzen der Therapie mathematisch zu modellieren. Bei anderen Veröffentlichungen war der Zeitraum deutlich kürzer. Die Ergebnisse zeigen: Nach dem Absetzen der Medikamente kommt es in den meisten Fällen zu einer erneuten Gewichtszunahme. Diese setzt jedoch nicht plötzlich ein, sondern folgt einem typischen und gut beschreibbaren zeitlichen Verlauf.
Innerhalb eines Jahres nach Therapieende nahmen Patienten im Durchschnitt rund 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zu. Das Modell deutet darauf hin, dass sich dieser Prozess im weiteren Verlauf deutlich verlangsamt. Das Plateau liegt im Mittel bei etwa 75 Prozent. Ein Teil des Therapieerfolgs bleibt also langfristig bestehen. Der zeitliche Verlauf ähnelt einer exponentiellen Erholungskurve: In den ersten Monaten nach dem Absetzen steigt das Gewicht relativ rasch an, danach verlangsamt sich die Dynamik zunehmend. Die statistische Modellierung ergibt eine Halbwertszeit von etwa 23 Wochen. Das bedeutet, dass ungefähr alle fünf bis sechs Monate ein weiterer Teil des zuvor verlorenen Gewichts zurückkehrt. Wer unter Therapien beispielsweise 20 Kilogramm abgenommen hat, landet nach Absetzen der Wirkstoffe bei minus 5 Kilogramm.
Bemerkenswert ist, dass dieses Muster weitgehend unabhängig vom eingesetzten Wirkstoff aufgetreten ist. Sowohl bei Semaglutid als auch bei Tirzepatid oder Liraglutid zeigt sich ein sehr ähnlicher Verlauf der Gewichtszunahme nach Ende der Therapie. Mehrere Faktoren könnten zu dem Effekt beitragen, denn GLP-1-Rezeptoragonisten verändern das Essverhalten, indem sie das Sättigungsgefühl verstärken und den Appetit reduzieren. Viele Patienten gewöhnen sich dadurch an kleinere Portionen oder eine bewusstere Ernährung. Darüber hinaus könnten auch langfristige hormonelle Anpassungen im Energie- und Appetitregulationssystem eine Rolle spielen.
Einige der Studien untersuchten neben dem Körpergewicht auch metabolische Parameter. Während der Behandlung sank der HbA1c-Wert typischerweise um etwa 0,5 bis 1,5 Prozentpunkte. Nach dem Absetzen stiegen die Werte jedoch wieder an, häufig bereits innerhalb weniger Wochen. Ähnliche Effekte haben sich beim Blutdruck gezeigt: Während der Therapie kommt es meist zu einer moderaten Senkung des systolischen Blutdrucks. Nach Beendigung der Behandlung nähern sich die Werte jedoch schrittweise wieder dem Ausgangsniveau an. In vielen Studien ging innerhalb von drei Monaten ein Großteil der zuvor erreichten Blutdrucksenkung wieder verloren.
Die Datenlage zu diesen metabolischen Effekten ist allerdings weniger konsistent als beim Körpergewicht, da viele der eingeschlossenen Arbeiten primär auf Gewichtsveränderungen ausgerichtet waren.
Alles in allem hat die Arbeit mehrere Einschränkungen. Besonders relevant ist die Datenbasis des Modells: Die zugrunde liegenden Studiendaten deckten lediglich einen Zeitraum von bis zu 52 Wochen nach dem Absetzen der Behandlung ab. Daten zu längerfristigen Effekten gab es nicht. Hinzu kommt, dass die Forscher nur Studien, in denen während der Behandlung ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von mindestens drei Kilogramm erreicht worden ist, berücksichtigt haben. Ob Patienten, die weniger abgenommen haben, nach Therapieende auf einem ähnlichen Wert landen, bleibt ungewiss.
Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist, die langfristig behandelt werden muss. Ärzte sollten Patienten bereits zu Therapiebeginn realistisch über mögliche Effekte informieren, falls sie später ihre Medikation absetzen. Diesen Tipp hat auch Juan Franco in seinem Interview mit DocCheck gegeben. Mit der Entwicklung neuer Wirkstoffe, die noch stärkere Gewichtsreduktionen ermöglichen, gewinnt das Thema an Bedeutung. Strukturierte Programme zur Lebensstiländerung werden wichtiger denn je.
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