KOMMENTAR | Bluten wie ein Schwein – und doch interessiert es keine Sau. Menstruationsbeschwerden sind nur Thema, wenn sich damit Profit machen lässt. Oder bringen’s die anpriesenen Mittelchen doch? Ein Selbstversuch.
Für die eine Hälfte der Menschheit ein größtenteils unsichtbares Phänomen, für die andere der monatliche Reminder, dass sie das schwache Geschlecht sind: Der weibliche Zyklus und damit verbundene Beschwerden sind bis heute kein Thema, das an den Tisch gehört – oder in den gesamtgesellschaftlichen Diskurs. Natürlich gibt es Ausnahmen; nämlich, wenn sich damit Geld machen lässt. Mit scheinbar gewitzten Wortspielereien („Schreib die Regel neu“) und Punchlines, die sich eher wie ein Schlag in die Magengrube anfühlen, werden Menschen mit Gebärmutter ermutigt, sich aufzulehnen gegen das Joch von Mutter Natur – indem sie kaufen. Indem sie in Produkte investieren, mit deren Hilfe sie ihre Zyklusbeschwerden still und leise im Griff haben. Damit sich schließlich niemand von ihrem Leid belästigt fühlen muss.
Natürlich haben auch wir keine Lust zu leiden, weder leise noch überhaupt. Wenn ein catchy Slogan also eine Besserung der Beschwerden verspricht, wird Frau hellhörig. Schlimmer kann’s durch ein paar pflanzliche Inhaltsstoffe (eine Einordnung einiger repräsentativer Präparate und ihrer Bestandteile findet sich hier) nicht werden. Also vielleicht ist es einen Versuch wert? Zum selben Schluss kam auch die DocCheck-Redaktion. Um das Ganze mit Mehrwert zu machen, haben wir uns dazu entschlossen, unsere im Zyklus auftretenden Symptome sowie deren potenzielle Linderung nach Einnahme eines dafür angepriesenen Präparats zu erfassen, drei Zyklen lang. Wie genau das ablaufen soll?
Blutige AnfängeGestartet wird die Erfassung zu Beginn des Zyklus – also mit dem Einsetzen der Monatsblutung. Den gesamten Zyklus über werden basierend auf der Premenstrual Syndrome Scale (PMSS) Symptome sowie Blutungsdauer und -intensität erfasst, um eine mögliche Linderung der Symptome oder eine Veränderung des Zyklus durch eingesetzte Präparate feststellbar zu machen. Die Symptomerfassung ohne Präparateinnahme soll sicherstellen, dass bisher nicht mit dem Zyklus in Verbindung gebrachte Beschwerden identifizierbar und eine Besserung dieser durch das eingenommene Präparat nachvollziehbar werden.
Die heiße PhaseMit dem Beginn des zweiten Zyklus wird nun über den Zeitraum von zwei Zyklen ein Nahrungsergänzungsmittel/Mikronährstoffkomplex eingenommen. Dabei nimmt jede Teilnehmerin ein anderes Präparat ein.
EndspurtNach Ende der insgesamt drei Zyklen dauernden Erfassung wird eine Auswertung der erhobenen Daten sowie eine Bewertung der erreichten Linderung dokumentierter Beschwerden vorgenommen.
Die Frage danach, ob dieser bewusst so bezeichnete Selbstversuch wissenschaftlich repräsentativ ist, muss wohl nicht beantwortet werden. Wir sind uns darüber im Klaren, dass unser Erkenntnisgewinn – wenn überhaupt – einen marginalen Beitrag leisten kann. Was wir damit jedoch erreichen, ist unsere Leserschaft. Denn nach wie vor muss die Hälfte der Bevölkerung jeden Monat aufs Neue mit Schmerzen, Verdauungsbeschwerden, Stimmungsschwankungen und weiteren Symptomen kämpfen. Und auch wenn Frausein keine Krankheit ist, sollten Symptome bestmöglich reduziert werden, wenn sie Leidensdruck verursachen. Dafür muss dieser aber erst einmal sichtbar sein. Und sichtbar bleiben.
Ja, diesen Text hat unschwer erkennbar eine Frau geschrieben. Hätte sie ihn versöhnlicher formuliert, wäre sie in einer anderen Zyklusphase gewesen? Und zuletzt: In welchem Universum ist das eine legitime Frage?
Bildquelle: Valentin Salja, Unsplash