GOLDIE | Prämenstruelle Beschwerden sind häufig und schränken die Lebensqualität oft stark ein. Doch wo die einen leiden, profitieren die anderen: Der Markt für Periodenprodukte floriert. Prominente Präparate unter der Lupe.
Für Eilige gibt’s am Ende eine kurze Zusammenfassung.
Viele Frauen erleben die zweite Hälfte ihres Zyklus als Qual, sind reizbar und depressiv. Sie leiden unter diversen, teils sehr heftigen körperlichen und psychischen Beschwerden und fühlen sich oft für mehrere Tage bis zu zwei Wochen vollkommen außer Gefecht gesetzt. Der Leidensdruck ist hoch und schränkt die Lebensqualität massiv ein. Gynäkologen sprechen vom prämenstruellen Syndrom (PMS). Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 20 bis 40 Prozent aller Mädchen und Frauen darunter leiden – und das allmonatlich. Laut einer Erhebung der Techniker Krankenkasse sind die Beschwerden bei jeder zehnten Frau so stark, dass sie ein bis drei Tage im Monat nicht in der Lage ist, ihren beruflichen Verpflichtungen oder privaten Aktivitäten nachzugehen. Wenn die Regelblutung einsetzt und ein neuer Zyklus beginnt, klingen die PMS-Beschwerden normalerweise wieder ab.
Zu den berichteten körperlichen und psychischen Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte zählen unter anderem Spannungsgefühle in den Brüsten, krampfartige Unterbauchschmerzen sowie Kopf-, Rücken-, Gelenk- oder Muskelschmerzen. Auch Kreislaufprobleme, Schlafstörungen, Hautunreinheiten, Hitzewallungen, Magen-Darm-Beschwerden und Heißhungerattacken können auftreten. Häufig kommen zudem leichte Wassereinlagerungen im Gesicht, an Brüsten und Bauch sowie in Beinen und Füßen hinzu. Neben diesen körperlichen Symptomen fühlen sich manche Frauen in den Tagen vor der Periode erschöpft, unkonzentriert, unsicher, niedergeschlagen, antriebslos oder gereizt. Nicht selten entsteht dabei das Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Körper und die eigenen Emotionen zu verlieren. Bei besonders ausgeprägten Beschwerden mit deutlicher Depressivität und Angst sprechen Fachleute von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS).
Die Ursachen all dieser Symptome sind noch nicht abschließend geklärt. Man geht aber davon aus, dass die betroffenen Frauen übermäßig empfindlich auf die natürlichen Schwankungen des Hormonspiegels während der zweiten Zyklushälfte reagieren. In dieser Zeit produziert der Körper vermehrt das Hormon Progesteron, während gleichzeitig die Östrogenproduktion nachlässt. Eine krankhafte Störung ist das jedoch nicht. In seltenen Fällen liegt den PMS-Beschwerden eine andere Erkrankung, wie z. B. Endometriose, Uterusmyome oder ein polyzystisches Ovarialsyndrom zugrunde. Was PMS zu einer Ausschlussdiagnose macht.
Epidemiologische Daten zeigen, dass westliche Lebensstilfaktoren Einfluss auf Prävalenz und Erleben des PMS haben können. Eine japanische Übersichtsstudie identifizierte Risikofaktoren, die mit starken und häufigen Monatsbeschwerden einhergingen. Dazu gehören Rauchen, Untergewicht (BMI < 18,5 kg/m2), Stress und Schlafmangel. Andere Forscher konnten zeigen, dass Alkohol und Bewegungsmangel sowie ein verstärkter Konsum hoch verarbeiteter Fertigprodukte das PMS-Risiko ebenfalls erhöhen (hier und hier). Mehrere Querschnittsstudien berichten, dass Frauen mit höherem BMI häufiger PMS-Symptome aufweisen. In einer US-amerikanischen Studie hatten Frauen mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2) ein rund 2,8-fach erhöhtes Risiko für PMS im Vergleich zu Frauen ohne Adipositas (Odds Ratio 2,8; 95 % KI 1,1-7,2). Eine Analyse der Nurses’ Health Studie II zeigte ebenfalls einen linearen Zusammenhang zwischen BMI und prämenstruellen Beschwerden. Mit jedem Anstieg des BMI um 1 kg/m² stieg das Risiko für die Entwicklung eines PMS um 3 %.
Auch wenn die Datenlage nicht immer kausal beweisend ist, deuten die Studien jedoch darauf hin, dass eine ausgewogene Ernährung, Normalgewicht, regelmäßige körperliche Aktivität, gutes Stressmanagement, ausreichend Schlaf sowie das Vermeiden von Nikotin und Alkohol potenziell mit weniger oder milderen PMS-Symptomen einhergehen.
Wie praktisch wäre also ein Mittel gegen alle PMS-Beschwerden gleichzeitig. Schnelle Hilfe versprechen zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel (NEM) mit Extrakten diverser Heilpflanzen, die häufig mit Aminosäuren, ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen kombiniert werden (Komplexmittel). Spitzenreiter unter den pflanzlichen Wirkstoffen sind Auszüge aus Frauenmantel, Hirtentäschel-, Gänsefinger-, Eisen- und Johanniskraut, Rosenwurz, Schafgarbe, Traubensilberkerze, Melisse, Löwenzahn, Maca und Ashwagandha. Ein Pflanzenwirkstoff sticht dabei besonders hervor: Mönchspfeffer. Die traditionelle Heilpflanze wird seit geraumer Zeit als Wundermittel für alle möglichen Beschwerden rund um den weiblichen Zyklus gehandelt. Dabei ist sie alles andere als neu und wird schon seit der Antike in der traditionellen Medizin und Naturheilkunde verwendet.
Mönchspfeffer ist ein Strauch aus dem Mittelmeerraum. Er gehört zur Gattung Vitex aus der Familie der Lippenblütler. Die Pflanze trägt den botanischen Namen Vitex agnus castus L. Das L steht für Carl von Linné (1707-1778), der der Pflanze ihren wissenschaftlichen Namen gab. Im Mittelalter galt die Heilpflanze als Symbol der Keuschheit, da ihr eine triebdämpfende Wirkung nachgesagt wurde.
Bei dem Trockenextrakt aus den Früchten des Strauchs handelt es sich um ein Vielstoffgemisch. Die Wirkung gegen eine Reihe von prämenstruellen Beschwerden wird auf die Diterpene Rotundifuran und Vitexilacton zurückgeführt. Den beiden sekundären Pflanzenstoffen werden dopaminerge Eigenschaften zugeschrieben. Dopamin, auch bekannt als Glückshormon, ist ein Botenstoff, der an der Regulation verschiedener hormoneller Prozesse beteiligt ist und auch Einfluss auf die Stimmung nimmt. In seinen Aufgabenbereich fällt unter anderem die Kontrolle des Hormons Prolaktin. Eine Hemmung der Prolaktin-Synthese durch Mönchspfefferextrakt normalisiert nach derzeitigem Wissensstand die Freisetzung von FSH und LH aus der Hypophyse und entfaltet dadurch eine ausgleichende und harmonisierende Wirkung auf die Produktion von Östradiol und Progesteron in den Eierstöcken. Mönchspfeffer ist seit 2006 als Heilpflanze im europäischen Arzneibuch aufgeführt und wurde 2022 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.
Die Wirksamkeit von Mönchspfeffer-Auszügen bei zyklusbedingten Beschwerden ist mittlerweile hinreichend belegt. Bei sachgerechter Dosierung stabilisiert Mönchspfefferextrakt das Gleichgewicht zwischen Progesteron und Östrogen in der zweiten Zyklushälfte und lindert dadurch gleichzeitig mehrere prämenstruelle Beschwerden. In klinischen Studien wurde für die tägliche Dosierung von 20 Milligramm Mönchspfeffer-Trockenextrakt der beste Effekt nachgewiesen (hier und hier). Da sich die Wirkung jedoch nur langsam entwickelt, kann es mehrere Wochen dauern, bis eine spürbare Besserung eintritt. Entsprechend sollte Mönchspfeffer über mehrere Zyklen hinweg eingenommen werden, um einen ausreichenden Wirkspiegel aufzubauen.
Nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand sind Mönchspfeffer-Präparate in der Regel sehr gut verträglich. Gelegentlich können zu Beginn der Einnahme milde, unspezifische Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Mundtrockenheit oder Kopfschmerzen auftreten; diese sind meist vorübergehend und selten. In Einzelfällen kann es jedoch zu allergischen Reaktionen auf die pflanzlichen Inhaltsstoffe kommen. In solchen Fällen ist von einer Anwendung abzusehen.
Wechselwirkungen sind möglich bei gleichzeitiger Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, im Rahmen einer Hormonersatztherapie sowie bei Medikamenten zur Behandlung von Parkinson oder Depression. Vorsicht ist ebenfalls geboten bei der Einnahme von Dopaminantagonisten, Östrogenen oder Antiöstrogenen sowie bei Personen mit bestehenden oder früheren hormonabhängigen Krebserkrankungen. Nicht angewendet werden darf Mönchspfeffer bei Jugendlichen unter 18 Jahren sowie bei Schwangeren und stillenden Frauen.
Mönchspfeffer-Präparate sind sowohl als Nahrungsergänzungsmittel (Supplemente) als auch als pflanzliches Arzneimittel (Phytopharmaka) erhältlich. Zwischen diesen beiden Handelsformen bestehen jedoch deutliche qualitative Unterschiede sowie unterschiedliche gesetzliche Anforderungen. Nahrungsergänzungsmittel (NEM), wie beispielsweise Pflanzenextrakte, Vitamine oder Mineralstoffe, gelten rechtlich als Lebensmittel. Ihr Zweck besteht einzig und allein darin, die allgemeine Ernährung gesunder Menschen zu ergänzen oder einen erhöhten Bedarf in besonderen Lebenssituationen abzudecken, etwa bei Veganern, Schwangeren, älteren Menschen oder Leistungssportlern.
Trotz ihrer Aufmachung, in der sie verschreibungspflichtigen Medikamenten ähneln, darf jedoch nicht auf eine arzneiähnliche Wirkung geschlossen werden. Dementsprechend dürfen NEM auch nicht mit gesundheitsbezogenen Aussagen (Health Claims), die sich auf die Linderung von Beschwerden oder die Verhütung und Beseitigung von Erkrankungen beziehen, beworben werden. Dennoch verwenden Hersteller pauschale Gesundheitsaussagen wie z. B. „trägt zum hormonellen Gleichgewicht bei“ oder „stärkt das Wohlbefinden vor der Periode“, um Nahrungsergänzungsmittel zu bewerben. NEM werden hauptsächlich über Supermärkte, Drogerieketten sowie über Online-Kanäle, einschließlich Influencer-Marketing, vertrieben. Im Gegensatz zu Arzneimitteln unterliegen sie keinem behördlichen Zulassungs- oder Prüfverfahren. Vor diesem Hintergrund ist keine zuverlässige Aussage zum Nutzen solcher Produkte möglich. Die Anwendung durch den Verbraucher erfolgt grundsätzlich auf eigenes Risiko. Eine Selbstmedikation mit Nahrungsergänzungsmitteln zur Behandlung von Symptomen des prämenstruellen Syndroms kann aus fachlicher Sicht deshalb nicht empfohlen werden.
Als geprüfte Alternativen zur Behandlung prämenstrueller Beschwerden bieten sich standardisierte Mönchspfeffer-Spezialextrakte in Form von apothekenpflichtigen Phytopharmaka an. Im Gegensatz zu NEM werden sie als Arzneimittel eingestuft. Ihre bestimmungsgemäße Anwendung ist in einer behördlich genehmigten Gebrauchsinformation geregelt. Phytopharmaka dienen dazu, leichten Erkrankungen vorzubeugen oder deren Beschwerden zu lindern beziehungsweise zu behandeln. Damit unterliegen sie einem gesetzlich geregelten Zulassungsverfahren durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), im Rahmen dessen der Hersteller die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität seines Produkts nachweisen muss.
Jeder zugelassene Mönchspfeffer-Extrakt in Form eines pflanzlichen Arzneimittels garantiert eine standardisierte und gleichbleibende Zusammensetzung. Phytopharmaka enthalten die Heilpflanze als genau charakterisiertes Wirkstoffgemisch mit klar festgelegtem Wirkstoffgehalt, der in Milligramm angegeben wird. Zulässige Abweichungen der deklarierten Wirkstoffmenge betragen maximal ± 5 %. Der Pflanzenauszug wird durch einen eingetragenen Extrakt-Code (z. B. Ze 440, BNO 1095, Vitex 300) eindeutig definiert und dokumentiert. Deshalb ist es empfehlenswert, nur auf sichere pflanzliche Fertigarzneimittel mit garantierter Dosierung zurückzugreifen anstatt auf NEM. Phytopharmaka dürfen mit dem behördlich genehmigten Anwendungsgebiet werben (z. B. „lindert leichte prämenstruelle Beschwerden“ oder „verbessert die Stimmung und das emotionale Gleichgewicht beim PMS“). Ein gesetzlicher Anspruch auf Erstattung pflanzlicher Arzneimittel durch die Krankenkasse besteht allerdings nicht.
Verbraucher erkennen die genannten Unterschiede zwischen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln und pflanzlichen Arzneimitteln meist nicht, weshalb häufig das günstigere, aber minderwertigere Produkt aus dem Supermarkt gewählt wird. Da jedoch hormonelle Wirkungen sowie mögliche Neben- oder Wechselwirkungen von Mönchspfeffer-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln mit verschreibungspflichtigen Medikamenten nicht ausgeschlossen werden können, ist vor deren Einnahme unbedingt eine ärztliche Rücksprache empfehlenswert.
Führt die Behandlung mit Phytopharmaka nicht zu einer ausreichenden Linderung prämenstrueller Beschwerden, kommen als Nächstes chemisch-synthetische Arzneimittel in Betracht. Dazu zählen unter anderem verschreibungspflichtige Analgetika, Spasmolytika, hormonelle Kontrazeptiva, Diuretika sowie Antidepressiva.
Zusammenfassung für Eilige
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