In der parenteralen Ernährung (PE) liegt der klinische Fokus traditionell auf dem Protein- und Gesamtenergiebedarf wie auch den Lipiden. Der Glukoseanteil wird hingegen oft nicht berücksichtigt, obwohl er gerade bei onkologischen Patient:innen eine besonders große Bedeutung besitzt, denn Hyperglykämien treten gerade in dieser Patient:innengruppe besonders häufig auf, bedingt durch die Tumorerkrankung selbst, die daraus resultierenden Stoffwechselveränderungen, die Insulinresistenz sowie medikamentöse Einflüsse wie Glukokortikoide oder Chemotherapie.1,2 So kommt es bei etwa 10 bis 30 % der Patient:innen während einer Chemotherapie zu einer Hyperglykämie.3 In Patient:innen ohne Diabetisdignose unter einer heimpatenteralen Ernährungstherapie (HPE) wurden Prävalenzen von ~ 41 % berichtet.4
Dabei gilt eine Hyperglykämie als „toxisch“, da sie etwa entzündliche Prozesse, u. a. durch Vermittlung freier Radikale intensiviert und die Lipogenese mit Leberverfettung fördert.5
Dazu gibt es im Wesentlichen drei Punkte zu berücksichtigen. Zum einen führt eine parenterale Glukosegabe zu einer sofortigen 100 %igen Bioverfügbarkeit unter Umgehung enteraler Regulationsmechanismen, zum anderen führt eine Tumorerkrankung bereits in sehr frühen Stadien zu einer Störung des Kohlenhydratstoffwechsels. Last but not least haben auch antitumorale Therapien selbst einen merklichen Einfluss auf die Glukoseverwertung. 1,2,6
Zentrale Faktoren:
Diese Faktoren können dazu führen, dass eine unreflektierte, zu hohe Glukosezufuhr schnell in ein metabolisches Ungleichgewicht und eine Hyperglykämie münden kann.
Die Relevanz der Hyperglykämie geht über den Stoffwechsel hinaus: Sie beeinflusst das Tumorverhalten direkt. Forschungsergebnisse zeigen, dass erhöhte Blutzuckerspiegel proliferative und antiapoptotische Signale fördern, Resistenzen gegenüber Chemotherapie modulieren und das Metastasierungspotenzial erhöhen können.1,2,7-11
Damit wird deutlich: Die metabolische Steuerung ist nicht nur „supportive care“, sondern kann Einfluss auf den onkologischen Behandlungserfolg haben.
Die onkologische Ernährungstherapie orientiert sich an klar definierten Empfehlungen. Die Glukosezufuhr ist darin ein ebenso relevanter Parameter wie die Protein- und Energiezufuhr. 5,12
Beim Einsatz von Lösungen zur PE/HPE von onkologischen Patient:innen kann man sich gut an diesen Empfehlungen orientieren. Wenn dabei allerdings die Werte für die Glukose bereits am oberen Rand angelangt sind, kann es zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Hyperglykämien, erhöhten Insulinbedarf und metabolische Komplikationen kommen.1,2,7-11
PE-Lösungen können sich erheblich in ihrem Glukosegehalt unterscheiden. Ein hoher Glukosegehalt in der PE kann direkt zur Hyperglykämie beitragen. So konnten Lee et al. z.B. bei Intensivpatient:innen einen direkten Zusammenhang zwischen der infundierten Glukosemenge und dem Risiko für eine Hyperglykämie nachgewiesen.13 Cheung et al. konnten weiter die Hyperglykämie als Prädiktor für ein ungünstiges Outcome bei totaler parenteraler Ernährung (TPN) nachweisen.14
Die Bestätigung dieses Zusammenhangs zwischen Blutzuckerspiegel und negativen Behandlungsergebnissen unterstreicht die Notwendigkeit einer strengen Blutzuckerkontrolle. Damit erscheint auch bei onkologischen Patient:innen die Berücksichtigung des Glukosegehalts der PE-Lösung als ein aktiver therapeutischer Auswahlschritt sinnvoll und nicht bloß eine rein organisatorische oder finanzielle Entscheidung.
Die metabolisch sichere Gestaltung der PE beginnt bei der bewussten Auswahl und fortlaufenden Anpassung.
Die metabolische Stabilität und das Blutzuckermanagement sollte stets als dynamischer Prozess verstanden werden, der sich eng an klinische Veränderungen anpasst.
Die Glukosezufuhr spielt in der PE eine ebenso wichtige Rolle wie Aminosäuren und Lipide. Eine übermäßige Glukoseversorgung kann das Tumorwachstum begünstigen, Hyperglykämien verschlechtern und den Erfolg onkologischer Therapien beeinträchtigen.1,2,7-11 Leitlinien empfehlen daher eine moderate, sorgfältig kontrollierte Glukosezufuhr, die durch den gezielten Einsatz glukoseangepasster PE-Lösungen am besten erreichbar ist.5,12
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Bildquelle: @iStock/bymuratdeniz
Freigabenummer: DCH-CN16-250017