Seit Oktober 2021 haben gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland ab 35 Jahren Anspruch auf einen einmaligen Test auf Hepatitis B und C – im Rahmen der bekannten Gesundheitsuntersuchung „Check-up 35“.1 Dieser einfache Schritt könnte entscheidend sein, um unentdeckte Infektionen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.1
Hepatitis B und C sind Virusinfektionen, die die Leber befallen und langfristig zu schweren Leberschäden führen können – darunter Leberzirrhose und Leberkrebs.2 Das Heimtückische: Viele Infizierte merken jahrelang nichts von ihrer Erkrankung, da sie oft ohne Symptome verläuft.2 Genau hier setzt das Screening an.
Die Entscheidung, das Hepatitis-Screening in den „Check-up 35“ zu integrieren, zeigt bereits Wirkung. Laut einer Studie, auf die sich die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) bezieht, wurden zwischen dem 4. Quartal 2021 und dem 3. Quartal 2023 rund 5,6 Millionen Versicherte auf Hepatitis B oder C getestet.3
Das Ergebnis:3
Und das sind nur die Fälle, die im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung aufgedeckt wurden – weitere positive Tests außerhalb dieses Programms kommen noch hinzu.3
Innerhalb von zwei Jahren stieg die Anzahl neu entdeckter Hepatitis-B- und -C-Fälle um über 160 Prozent.3 Bei Hepatitis C verdoppelte sich die Zahl der Neudiagnosen sogar auf über 10.500 Fälle.3 Diese Entwicklung zeigt: Das Screening erreicht genau die Zielgruppe, die sonst oft lange unerkannt geblieben wäre – Menschen über 35 Jahre ohne typische Risikofaktoren oder Symptome.3 Damit ist ein entscheidender Schritt getan, um das Ziel der Weltgesundheitsorganisation zu erreichen, Hepatitis B und C bis 2030 weltweit einzudämmen.4
Trotz der Erfolge beim Screening bleibt ein Problem bestehen: Hepatitis ist immer noch stark stigmatisiert.5 Wie Infektiologe Prof. Markus Cornberg warnt, ist die gesellschaftliche Wahrnehmung häufig verzerrt – mit weitreichenden Folgen:
Hepatitis C gilt immer noch als eine Erkrankung, die besonders Drogengebrauchende betrifft; Lebererkrankungen im Allgemeinen werden oft mit Alkoholkonsum assoziiert.5 Dabei kann Hepatitis auf vielen Wegen übertragen werden – etwa durch verunreinigte Instrumente (z.B. beim Tätowieren oder Piercen), ungeschützten Sex oder bei der Geburt.6,7 Die Infektion ist keine Frage von Schuld – sondern ein medizinisches Problem, das uns alle angeht.
Hepatitis C ist oft heilbar, Hepatitis B ist behandelbar.5 Der Schlüssel liegt in der Früherkennung – und im Abbau von Vorurteilen. Der einmalige Hepatitis-Test ist ein Angebot, das wir alle ernst nehmen sollten. Denn Hepatitis betrifft nicht nur andere – sondern möglicherweise auch uns selbst oder Menschen in unserem Umfeld.
Machen Sie Ihre Patient:innen ab 35 Jahren aktiv auf die Möglichkeit aufmerksam, sich im Rahmen des „Check-up 35“ auf Hepatitis B und C testen zu lassen. Mit unserer Kampagne “Hepatitis-Vorsorge ist Krebs-Vorsorge" wird deutlich, warum Tests auf Hepatitis B, C und D ein wichtiger Bestandteil der Krebsprävention sind.→ Hier lesen Sie mehr dazu.
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Bildquelle:iStock.com/ALENA DZIHILEVICHiStock.com/blueshot
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