Müdigkeit, Schmerzen und Hitzewallungen beeinträchtigen viele Frauen in den Wechseljahren – auch im Job. Wir wollten von euch wissen, wie ihr euren Arbeitsalltag übersteht und was ihr euch von eurem Chef wünscht.
Vor Kurzem haben wir euch gefragt, inwiefern ihr im Berufsalltag durch Beschwerden der Wechseljahre beeinträchtigt seid. Gleichzeitig haben wir auch bei Führungskräften und Arbeitgebern nachgehakt: Was tun sie bereits und was nicht?
Insgesamt haben zum Zeitpunkt der Auswertung 102 DocCheck-User an unserer Umfrage teilgenommen; dabei zeigt sich mit 97 % weiblicher Beteiligung deutlich, wer hier den größten Gesprächsbedarf hat. Fast 67 % von euch nahmen als Arbeitnehmer teil, knapp 18 % als Führungskräfte und rund 14 % als Arbeitgeber. Die Verteilung in den Berufsgruppen sieht so aus:
Mehr als die Hälfte der weiblichen Teilnehmer (55 Stimmen) berichtet, sich aktuell in den Wechseljahren zu befinden oder diese bereits durchlebt zu haben. Dabei sind die häufigsten Symptome deckungsgleich mit denen der 2023 durchgeführten großen MenoSupport Studie: Am meisten kommen Schlafstörungen (84,9 %), körperliche Erschöpfung (75,5 %) und Hitzewallungen (89,8 %) vor. Doch auch Gelenk- und Muskelbeschwerden (71,1 %) sowie die Gewichtszunahme (64,2 %) werden häufiger genannt. Bei euch berichtet etwa die Hälfte der Betroffenen von psychischen Belastungen wie kognitiven Beeinträchtigungen (50,9 %), depressiver Verstimmung (49 %), Reizbarkeit (49, 1%) und Kopfschmerzen oder Migräne (43, 3%). Auch Belastungen wie Herzbeschwerden (44,9 %) und vaginale Trockenheit (47,2 %) kommen nicht selten vor. Nur zwei der 55 Betroffenen (3,8 %) gaben an, keinerlei Symptome zu haben. Die folgende Wortwolke zeigt die dargestellten Symptome proportional zu ihrer Häufigkeit:
Über 85 % (47 von 55 Teilnehmern) berichtet, dass die Symptome des Klimakteriums ihren Arbeitsalltag beeinträchtigen. Hitzewallungen sind dabei der klare Spitzenreiter der Beschwerden – und zugleich eines der größten Probleme im Berufsalltag. Sie werden als „unangenehm“ beschrieben und sind dabei besonders „unter dem OP-Kittel“, „unter der Röntgenschürze und sterilem Kittel“ und generell „durch zu tragende PSA nicht [zu] lindern“. Eine Betroffene beschreibt, es gebe schlicht keine Möglichkeit, der Hitze zu entkommen. Eine andere fasst zusammen: „Hitzewallungen sind das größte Problem in Kombi mit Schlafstörungen“.
Von ihren „Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen [und der] mentalen Erschöpfung“ berichtet auch eine Klinikangestellte. Sie erklärt, sie sei daher „tagsüber nicht belastbar“ und „Aufgaben dauern deutlich länger“. Während Schlafstörungen tatsächlich von 28 % als arbeitsrelevant belastend beschrieben werden, liegt es dennoch in seiner Relevanz hinter Symptomen wie kognitiven Einschränkungen, Reizbarkeit und depressiver Verstimmung. Diese betreffen etwas mehr als ein Drittel. Viele von euch erwähnen einen „Brain Fog“, „Vergesslichkeit“, Wortfindungsstörungen oder ein „langsamere[s] Denken“. Das wirkt sich auf die Arbeitsleistung aus:
„Tätigkeiten und Arbeitsabläufe, die einem ‚früher‘ zackig von der Hand gingen, dauern länger. Konzentrationsschwierigkeiten und Schweißausbrüche machen mich reizbar, meine ‚Zündschnur‘ ist deutlich kürzer geworden.“ – eine Klinikangestellte
Auch Schmerzen – ob Gelenk-, Muskel, Kopf- oder Migräneschmerzen – belasten auf der Arbeit, wenn auch eine kleinere Gruppe (23 %). Weitere Symptome wie Kreislaufprobleme, Harnwegsinfekte oder Dauerblutung treten auf, belasten aber nur eine sehr geringe Menge der Betroffenen.
Unterm Strich zeigt sich: Euch machen vor allem Hitzewallungen, kognitive Einschränkungen wie Vergesslichkeit, Reizbarkeit und Schlafstörungen im Arbeitsalltag zu schaffen. Neben fehlender Klimatisierung oder ungünstiger Arbeitskleidung spielen auch strukturelle Faktoren wie Überlastung und Arbeitsdruck eine große Rolle.
Unter den Betroffenen sind die Berufsfelder unterschiedlich verteilt: Von den 55 Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden oder diese bereits erlebt haben, arbeiten die meisten in einer Praxis (ca. 27 %) oder in einer Klinik (ca. 24 %). Etwa 15 % sind in der Pflege oder in anderen Heilberufen tätig, rund 11 % in der Verwaltung, etwa 7 % in der Apotheke und eine Person im Rettungsdienst.
Was sie neben den Wechseljahren gemeinsam haben, ist die fehlende Rücksichtnahme – keins der oben genannten Berufsfelder ist davon ausgenommen. Insgesamt beklagen mehr als drei Viertel aller Betroffenen, dass es an Verständnis mangelt. Die Verteilung seht ihr hier:
Ein zentraler Wunsch ist dabei die „Rücksichtnahme, wenn nicht alles sofort und glatt funktioniert, obwohl man es eigentlich kann. Der Körper aber gerade streikt.“ Größtenteils (47,4 %) wünschen sich die Betroffenen mehr Sensibilisierung für das Thema Wechseljahre. Neben Angeboten zu Gesundheitsförderung und dem Wunsch nach offener Kommunikation spielt auch das Bedürfnis von „Wertschätzung und Rückhalt“ eine große Rolle. Viele Frauen wünschen sich Verständnis für beispielsweise Konzentrationsprobleme, soziale Entlastung und einen weniger strengen Blick auf Leistungsschwankungen.
Aber auch der „Hochleistungsmodus“, in dem viele Arbeiten, wird angeprangert. Zeit- und Termindruck führen in Kombination mit vermehrter Vergesslichkeit und geringerer Belastbarkeit zu einem Gefühl von Dauerstress. Entsprechend äußern 8 Teilnehmer das Bedürfnis nach Entlastung: weniger Zeitdruck, reduzierte Bürokratie, zusätzliche Stellen oder eine allgemeine Reduktion der Belastung in schlechten Phasen. Die Kernaussage dahinter ist klar: Nicht nur die Symptome, sondern die strukturelle Arbeitsüberlastung ist ein Hauptproblem.
Ebenfalls häufig genannt wird der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeitmodellen (7 Stimmen). Gleitzeit, ein Arbeitszeitkonto oder der Ausschluss von Nachtarbeit werden als konkrete Unterstützung empfunden. Kurz gesagt: Zeitliche Autonomie wird als eine der wirksamsten Hilfen erlebt.
All dies macht deutlich, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen für viele schwer tragbar sind. Zwar fordert das Gesetz Pausen, doch in der Realität sind sie – gerade in der Pflege – kaum möglich. Wenn zusätzlich erwartet wird, durchgehend hochfunktional zu arbeiten, geraten Frauen mit Wechseljahresbeschwerden schnell zwischen die Räder eines ohnehin überlasteten Gesundheitssystems.
Einige von euch, die sowohl in der Verwaltung als auch in der Praxis arbeiten, wünschen sich Homeoffice und flexible Arbeitszeitregelungen – etwas, das nicht überall realisierbar ist. Praxen sind häufig an feste Öffnungszeiten gebunden, Kliniken an Notfälle und spontane Umplanungen. Die Grundlage vieler eurer Wünsche zeigt jedoch deutlich, hier braucht es strukturelle Veränderungen. Eine Teilnehmerin formuliert es so: „Wertschätzung der Arbeit und nicht noch mehr Personalreduktion.“ Außerdem solle die „Anpassung der Anzahl der Rufdienste nicht auf Kosten der vorhandenen Belegschaft“ erfolgen. Auch werden „weniger zusätzliche bürokratische Arbeit und AGs“ gefordert.
Auf die Frage nach eigenen Ideen oder Wünschen, dem Thema am Arbeitsplatz zu begegnen, schreibt eine Teilnehmerin bezeichnend: „Es ist schwer, da Wünsche zu äußern, da man meist so dünn besetzt ist, dass keine Rücksicht genommen werden kann.“ Der allgegenwärtige Personalmangel führt zwangsläufig zu Zeitdruck, Überstunden und fehlenden Pausen. Wie sehr das den Betroffenen schadet, erklärt sich fast von selbst. Nur zwei Betroffene äußern: „Es passt, wie es ist.“ Doch auch hier ist die erlebte Rücksichtnahme des Arbeitgebers gespalten. Während die eine berichtet, dass ihr Arbeitgeber nichts unternimmt, erklärt die andere: „Ich werde nicht ständig kontrolliert und bin auch selten in der breiten Öffentlichkeit, das macht es leichter.“
Doch was genau unternehmen Arbeitgeber und Führungskräfte bereits? Zwar lag eure Beteiligung im Vergleich zu den Angestellten mit jeweils unter 20 % deutlich niedriger, dennoch hat sich fast ein Drittel bereits im Rahmen der Personalverantwortung mit dem Thema Klimakterium auseinandergesetzt. Besonders häufig unterstützt ihr eine offene Kommunikation darüber. Doch über das Gesprächsangebot hinaus wird es dünn: Gesundheitsmaßnahmen, Informationsangebote und betriebsärztliche Untersuchungen werden nur selten bereitgestellt. Die Verteilung seht ihr hier:
Das Leiden unter Hitzewallungen beschreiben viele von euch. Doch während klimatisierte Räume an manchen Arbeitsorten möglich sind, besteht hier häufig das Problem der internen Team-Abstimmung. Nicht jeder aus der Belegschaft oder jeder Patient braucht oder möchte einen kühlen, frischen Raum – besonders im Winter. Dann muss eine andere Lösung her: Eine Betroffene berichtet davon, Wechselklamotten bei sich zu tragen. Eine clevere Idee, die jedoch wenig hilft, wenn man mehrere Stunden im OP-Saal in seinem eigenen Schweiß sitzt. Daher der klare – und nachvollziehbare – Wunsch nach atmungsaktiver Arbeitskleidung.
Für manche Frauen ist eine medizinische Behandlung mit einer Hormonersatztherapie eine Möglichkeit, eigenständig gegen die Hitzewallungen vorzugehen – eine Therapieoption, die jedoch gut abgewogen werden sollte (wir berichteten hier).
Weniger häufig genannt, aber dennoch wirkungsvoll, können kurze Pausen an der frischen Luft sein, die abgestimmt und geregelt sind. Eine Lösung, die jedoch stark von der Personalbesetzung abhängt. „Kleine Zwischenpausen zum Durchatmen“, wünscht sich eine Teilnehmerin, aber beklagt: „[Diese] sind im Praxisalltag nicht umsetzbar, da auch bei den MFAs großer Personalmangel herrscht.“ Neben Pausen an der Frischluft wird sich auch die Nutzung eines „Frauen-Ruheraum[s]“ gewünscht – ein Raum ganz allein für die Betroffenen. Die Kernaussage all dieser Vorschläge ist, eine Regeneration im Alltag zu ermöglichen.
Doch vieles davon ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Fakt ist, dass rund 9 Millionen Frauen in Deutschland in den Wechseljahren stecken. Mit dem demographischen Wandel steigt auch die Tendenz, dass diese wertvoll ausgebildeten Arbeitskräfte an genau diesen Symptomen leiden und zunehmend arbeitsunfähiger werden. Wichtig wäre an dieser Stelle ein systemisches Umdenken, sodass unter anderem auf diese benachteiligte Gruppe besser eingegangen werden kann.
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