Alopezie bezeichnet den abnormen Verlust von Haaren und ist eine häufige Begleiterscheinung von Krebstherapien. Bei Krebspatient:innen kann Haarausfall verschiedene Ursachen haben: Chemotherapie, Strahlentherapie, zielgerichtete Therapien, Immuntherapien oder als direkte Folge der Erkrankung selbst.1
Haarverlust ist eine typische Nebenwirkung bei einer Chemotherapie, trotzdem ist es wichtig zu betonen, dass nicht jedes Chemotherapeutikum Haarausfall verursacht. Zu den Zytostatika mit hohem Risiko gehören Cyclophosphamid, Doxorubicin, Paclitaxel und Docetaxel.2
Jedoch kann es auch im Rahmen einer Strahlentherapie zu Haarausfall kommen, allerdings nur in dem Bereich, in dem die Strahlen auf die Kopfhaut treffen. Das Ausmaß des Haarverlusts hängt dabei von der jeweiligen Strahlendosis ab.3Ein weiterer möglicher Grund für Haarausfall ist eine Antihormontherapie. Durch die hormonellen Veränderungen, die sie bewirkt, kann sie den Haarverlust zusätzlich begünstigen.3
Jedes Haar durchläuft einen Wachstumszyklus mit drei Phasen. (vgl. Abbildung 1)Abbildung 1: Darstellung des Wachstumszyklus eines Haares3
Die Mehrheit der Haare befindet sich in der Wachstumsphase (1). In dieser Phase greift die Chemotherapie an der Haarwurzel an und kann dadurch Haarausfall auslösen. Bei gesundem Haar würden die Übergangs (2)- und die Ruhephase (3) folgen. In der Ruhephase verbleiben die Haare zunächst, bis sie schließlich nach einigen Monaten ausfallen.3
Der Haarverlust kann tiefgreifende psychologische Auswirkungen haben. In einer Studie bewerteten 55% der Patient:innen Haarausfall während einer Chemotherapie als hohes Stresspotential.4 Haare symbolisieren Identität und Selbstwertgefühl – ihr Verlust macht die Erkrankung sichtbar und beeinträchtigt oft das soziale Leben.Psychoonkologische Beratungen und Selbsthilfegruppen können dann eine wichtige Stütze sein, um Krebspatient:innen das Leben zu vereinfachen.5
Wenn Haarausfall auftritt, sollten Haare und Kopfhaut besonders schonend behandelt werden. Aggressive Shampoos sollten vermieden werden, ebenso Spülungen, Haarsprays, Gele oder ähnliche Produkte, da sie das ohnehin empfindliche Haar zusätzlich strapazieren können.3
Zur Vorbeugung von therapiebedingtem Haarausfall stehen derzeit keine Medikamente zur Verfügung, die Patient:innen vor Beginn einer Krebstherapie verabreicht werden können. Dennoch gibt es Maßnahmen, die ergriffen werden können, wenn der Haarausfall eintritt.
Eine Möglichkeit zur Reduktion des Haarverlusts während der Chemotherapie ist die Kopfhautkühlung. Dabei werden die Blutgefäße in der Kopfhaut durch die Kälte verengt, sodass weniger Blut – und damit auch weniger Chemotherapeutikum – in die Haarwurzeln gelangt. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel der Haarwurzelzellen verlangsamt, wodurch sie weniger geschädigt werden. Studien zeigen, dass diese Methode bei einem Teil der Patient:innen wirksam ist.3 Beispielsweise beschreibt eine Studie, dass sechs Monate nach Chemotherapie nur 13,5 % der Patient:innen eine persistierende Alopezie aufwiesen. In der Kontrollgruppe waren es 52%.6 Entsprechend empfiehlt auch die S3-Leitlinie den Einsatz der Kopfhautkühlung bei chemotherapieinduzierter Alopezie. Zu beachten ist jedoch, dass die Kostenübernahme nicht von allen Krankenkassen gewährleistet ist.7
Perücken bieten einen natürlichen Haarersatz und sind sowohl aus Kunsthaar als auch aus Echthaar erhältlich. Kunsthaarperücken sind kostengünstiger und pflegeleichter, während Echthaarperücken natürlicher wirken und individuell gestylt werden können. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei Vorlage einer ärztlichen Verordnung in der Regel die Kosten oder gewähren einen Zuschuss.3
Ein Beitrag von Daiichi Sankyo Deutschland GmbH und AstraZeneca GmbH Freigabenummer: DE/ADC/11/25/0010Referenzen:
National Cancer Institute, Dictionaries, https://www.cancer.gov/publications/dictionaries/cancer-terms/def/alopecia. (zuletzt aufgerufen im Oktober 2025).
Krebsinformationsdienst, Verursacht jede Chemotherapie Haarausfall? https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/verursacht-jede-chemotherapie-haarausfall. (zuletzt aufgerufen im Oktober 2025).
Krebsinformationsdienst, Haarausfall bei Krebs, https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/haarausfall#c8989. (zuletzt aufgerufen im Oktober 2025).
Choi E, et al. Psychooncology. 2014 Oct;23(10):1103-10.
Krebsinformationsdienst, Psychologische Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung, https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-und-psyche/psychologische-beratung. (zuletzt aufgerufen im Oktober 2025).
Kang D, et al. J Clin Oncol 2024 Sep 10;42(26):3115-3122.
Deutsche Krebsgesellschaft, S3 Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Supportivtherapie/Version_2/LL_Supportive_Therapie_Langversion_2.0.pdf. (zuletzt aufgerufen im Oktober 2025).