Die supplementierende oder ergänzende parenterale Ernährung (SPE) ist ein essenzieller Bestandteil im Stufenschema für die medizinische Ernährungstherapie von schwer kranken oder multimorbiden Patient:innen. Dabei wird Patient:innen, die oral oder enteral nicht ausreichend versorgt werden können, zusätzlich Nahrung parenteral verabreicht.1,2
Grundsätzlich kann eine SPE in vielen verschiedenen Krankheitssituationen und Fachrichtungen zum Einsatz kommen. Dazu gehören beispielsweise das Kurzdarmsyndrom, die Onkologie sowie der postoperative oder intensivmedizinische Zustand von Patient:innen. Auch bei einer akuten oder chronischen Niereninsuffizienz mit oder ohne Dialyse kann eine SPE angezeigt sein.2–6
Durch eine SPE kann die medizinische Ernährungstherapie personalisiert und somit an die spezifischen Nährstoffbedarfe, metabolischen Anforderungen und klinischen Bedürfnisse der Patient:innen angepasst werden.
So konnten Heidegger et al. in einer großen randomisierten Studie bei kritisch kranken Patient:innen bei denen eine enterale Ernährung (EN) unzureichend war, mit einer individuell optimierten SPE ab Tag 4 nach Aufnahme auf die Intensivstation eine Reduktion der nosokomialen Infektionen nachweisen.7 Nach der Schlussfolgerung der Autor:innen sollte daher eine SPE als Strategie zur Verbesserung des klinischen Ergebnisses bei Patient:innen auf der Intensivstation für die EN nicht ausreicht in Betracht gezogen werden. Nach den Ergebnissen einer neueren Meta-Analyse verbesserte eine Kombination von EN mit parenteraler Ernährung (PN) die Nahrungsaufnahme in der akuten Phase einer kritischen Erkrankung bei Erwachsenen ohne Einfluss auf das Outcome.8
Für Patient:innen, die z. B. aufgrund einer onkologischen Erkrankung, Kachexie oder Malabsorption/Maldigestion etwa infolge einer chronischen Darmerkrankung eine häusliche medizinische Ernährungstherapie benötigen empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie Heimenterale und heimparenterale Ernährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) ausdrücklich eine Kombination von oraler, enteraler und parenteraler Ernährung zum Erhalt bzw. zur Verbesserung des Ernährungszustandes und der ernährungsabhängigen Lebensqualität wenn eine orale oder enterale Ernährung alleine nicht ausreichend ist.2
Durch regelmäßige Kontrollen des Ernährungszustands können Defizite frühzeitig erkannt und effektiv behoben werden. Besonders vorteilhaft ist der frühzeitige Beginn einer personalisierten SPE, insbesondere bei onkologischen Patient:innen, auch wenn diese noch essen können und das Energie- und Proteindefizit noch gering ist.5,9,10Dann können nämlich kleinere Beutelvolumina, kürzere Infusionszeiten und weniger Infusionen pro Woche ausreichen, um eine bedarfsdeckende Ernährung zu gewährleisten. Das ist für die Patient:innen weniger belastend und auch kostengünstiger. Die folgende Tabelle zeigt zusammengefasst die wachsende Versorgungslücke bei abnehmender oraler Nahrungsaufnahme von onkologischen Patient:innen.5,9,10
Tabelle 1: Stetig wachsende Versorgungslücke bei abnehmender oraler Nahrungsaufnahme onkologischer Patient:innen. Mod. nach 5, 9, 10.
Bei mangelernährten dialysepflichtigen Patient:innen bietet eine intradialytische parenterale Ernährung (IDPE) eine praktische Möglichkeit zur SPE wenn andere Versuche einer Mangelernährung zu begegnen erfolglos blieben.6,11 Da die Dialyse selbst ein kataboler Prozess ist und zudem bei jeder Dialysesitzung Nährstoffe wie freie Aminosäuren oder Glukose im Dialysat verloren gehen, ist ein Ausgleich besonders wichtig.6,11–15 Definierte Kriterien zum sinnvollen Beginn und zum Stopp, wie auch zum Monitoring einer IDPE helfen bei einem wirtschaftlichen Vorgehen bei der Therapie.16–19 Richtig eingesetzt kann eine IDPE signifikant den Präalbumin- und Albuminwert verbesern, das Körpergewicht steigern und die orale Protein- und Energieaufnahme erhöhen.20–22 Dazu ist kein zusätzlicher Gefäßzugang notwendig. Die IDPE kann einfach über die venöse Tropfkammer in den extrakorpulären Dialysekreislauf während der regulären Dialysesitzungen appliziert werden.16,23,24
Die parenterale Ernährung ist vielseitig – ebenso wie die Bedürfnisse der Patient:innen. In unserer Serie „parenteral ernährt” erhalten Sie weitere Informationen zu den Herausforderungen und Lösungen der Ernährungstherapie in verschiedenen Patient:innengruppen. Halten Sie Ihren Wissenshunger gut versorgt!
Referenzen:
Bildquelle: iStock.com/iQoncept
DE-CN00-250002