Magenkarzinome gehören weltweit nach Lungen- und Leberkrebs zu den Krebserkrankungen, die die meisten krebsbedingten Todesfälle verursachen, wobei die Neuerkrankungs- und Sterberaten je nach Region stark variiern.1 In Deutschland belegt das Magenkarzinom den 10. Platz der häufigsten Krebsarten und macht etwa 3 % der Krebserkrankungen aus.2,3,4 Jährlich erkranken rund 14.600 Menschen, darunter etwa 5.600 Frauen und 9.000 Männer. In Deutschland – wie auch in vielen anderen Industrienationen – ist seit Jahrzehnten ein stetiger Rückgang der Erkrankungs- und Sterberaten zu verzeichnen.4
Magenkarzinome entstehen überwiegend aus den Drüsenzellen der Magenschleimhaut – der innersten Auskleidung des Magens. Der häufigste histologische Typ ist daher das Adenokarzinom, das rund 90 bis 95 % aller Magenkarzinome ausmacht.5
Die Prognose hängt maßgeblich vom Subtyp des Adenokarzinoms ab:
Zu den seltenen Formen von Magenkrebs zählen darüber hinaus Magenlymphome und Gastrointestinale Stromatumoren (GIST).5
Bei Magenkarzinomen gilt die Helicobacter pylori-Infektion als zentraler Risikofaktor. Sie kann chronische Entzündungen und Magengeschwüre verursachen und ist maßgeblich an der Entstehung von Magenkrebs beteiligt. Auch Tabak- und Alkoholkonsum sowie der regelmäßige Verzehr von gesalzenen, geräucherten oder eingelegten Lebensmitteln erhöhen das Erkrankungsrisiko.5
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Magenkarzinome verursachen in frühen Stadien keine oder unspezifische Symptome, sodass sie häufig erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt werden.6 Zu den Symptomen gehören Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und frühzeitiges Sättigungsgefühl.6 Bei fortgeschrittenen Magenkarzinomen kommt es auch zu blutigem Erbrechen oder Teerstuhl aufgrund von Blutungen im Magen.7
Die Diagnose beginnt mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie).8 Dabei werden Tumorlokalisation, Ausdehnung und Schleimhautveränderungen beurteilt sowie Gewebeproben entnommen. Die S3-Leitlinie empfiehlt bei Verdacht auf ein Magenkarzinom die Entnahme von mindestens acht Biopsien, um eine sichere histologische und molekulare Analyse zu ermöglichen.9 Die feingewebliche Untersuchung (Histologie) in Kombination mit spezifischen Färbemethoden (Immunhistochemie) gilt weiterhin als Goldstandard – vor allem zur Bestimmung relevanter Biomarker.10 Zur weiteren Abklärung der Tumorausbreitung erfolgt ein Staging mithilfe bildgebender Verfahren wie Computertomografie (CT), Endosonografie (Ultraschall von innen) oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET-CT).8
Die Therapie von Magenkarzinomen richtet sich nach dem Tumorstadium und der Histologie. Die chirurgische Resektion ist die wichtigste Methode, um den Tumor zu entfernen. In frühen Stadien kann eine endoskopische Resektion ausreichend sein, während in fortgeschrittenen Fällen eine Kombination aus Chemotherapie, Radiochemotherapie und Immuntherapie eingesetzt wird, um den Tumor zu verkleinern oder das Wachstum zu kontrollieren.11 Bei Magenkarzinomen, die nicht operabel sind oder metastasiert haben, kommt häufig auch eine Antikörpertherapie zum Einsatz. Für fortgeschrittene Erkrankungen bieten palliative Maßnahmen wie Schmerztherapie und Strahlentherapie eine Linderung der Symptome. Die Wahl der Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Gesundheitszustand des Patienten und der Tumorausbreitung ab.11
Obwohl ein zuverlässiger Impfstoff gegen Helicobacter pylori-Infektionen noch nicht verfügbar ist, bietet die frühzeitige Entdeckung und Behandlung einer chronischen Helicobacter pylori-Infektion großes Potenzial zur Senkung des Magenkrebsrisikos. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) empfiehlt Ländern mit hoher Magenkrebsinzidenz, entsprechende Präventionsprogramme zu prüfen. In Deutschland können bei Personen mit erhöhtem Risiko – wie etwa bei familiärer Belastung – und einer nachgewiesenen Helicobacter pylori-Infektion antibiotische Eradikationstherapien helfen, das Risiko für Magenkrebs deutlich zu senken.1
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