Bei Organtransplantationen werden Organe oder Organteile entweder von verstorbenen (postmortal) oder von lebenden Spender:innen entnommen und auf Empfänger*innen übertragen.1,2 Die Niere ist das Organ, welches am häufigsten transplantiert wird.3 Im Jahr 2025 wurden 672 Nierentransplantationen von lebenden Spender*innen und 1.594 postmortal durchgeführt.3 Jedoch standen im gleichen Jahr auch knapp 6.200 Personen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation.3 Im Folgenden wird die Lebendnierenspende näher beleuchtet.
Bei der Lebendorganspende wird einer gesunden Person ein Organ operativ entnommen – ohne medizinische Indikation.2 Während bei einer postmortalen Organspende insbesondere der Tod der spendenden Person zweifelsfrei festgestellt werden muss, steht bei einer Lebendorganspende der Schutz der oberster Gesundheit der Spender*innen an oberster Stelle.1,2 Anhand strenger Voraussetzungen sollen das Gesundheitsrisiko so gering wie möglich gehalten und jegliche Form des Organhandels und Missbrauchs unterbunden werden.4
Bei der gerichteten Lebendspende müss die spendende und empfangende Person nahestehen, zum Beispiel als Verwandte, Ehe- oder Lebenspartner*innen.4 Mit der Reform des Transplantationsgesetzes (in Kraft seit Juni 2026) sind nun weitere Wege möglich: Bei der Überkreuz-Lebendnierenspende schließen sich zwei inkompatible Paare zusammen und spenden über Kreuz. Die Paare müssen sich nicht kennen, ein Näheverhältnis ist nur noch innerhalb des jeweiligen Paares nötig. Auch eine anonyme Spende an eine unbekannte Person ist jetzt erlaubt. Zudem entfällt die frühere Vorgabe, dass eine Lebendspende nur infrage kommt, wenn kein postmortales Organ verfügbar ist.5
Weitere Voraussetzungen für die Beteiligten lauten wie folgt:4
Bei einer Lebendorganspende bleibt die Funktion des Organs häufig länger erhalten als bei einer postmortalen Spende.4 Der Zeitpunkt der Spende kann besser gewählt werden, sodass die Chance auf eine erfolgreiche Transplantation möglichst hoch ist.4 Auch die Zeit zwischen Entnahme und Transplantation ist kürzer, da die Operationen im selben Krankenhaus unmittelbar nacheinander durchgeführt werden.4 Das Organ blutet weniger aus und nimmt weniger Schaden als bei einer postmortalen Spende mit längerem Transportweg.4 Außerdem ist die Organqualität bei Lebendspenden sehr gut, denn nur sehr gesunde Personen dürfen spenden.4 Zusätzlich wird im Vorfeld die Übereinstimmung zwischen dem Spenderorgan und der empfangenden Person umfangreich untersucht.4
Für Patient*innen mit terminalem chronischen Nierenversagen (CKD Stadium V) ist eine Nierentransplantation die optimale Therapieoption – jedoch herrscht großer Organmangel in Deutschland.6 Eine Lebendnierenspende stellt sowohl aus ethischer als auch aus medizinischer Sicht eine besondere Herausforderung dar.2,6 Schwer kranke Patient*innen, die jahrelang auf der Warteliste für und auf Besserung hoffen, stehen gesunden Spender*innen, bei denen kein medizinischer (risikoreicher) Eingriff notwendig ist, gegenüber.6 Die Gesundheit der Organspender*innen darf nicht über das Operationsrisiko hinaus gefährdet werden.4 Mehr zu potenziellen psychosozialen Beeinträchtigungen der Spender*innen finden Sie in unserem vorherigen Beitrag.
Das Deutsche Lebendspende Register wurde ins Leben gerufen, um Lebendspender*innen weit nach dem Eingriff zu unterstützen.6 Durch die Erhebung von Langzeitrisiken soll damit das deutsche Gesundheitssystem verbessert werden.6 Hier erfahren Sie mehr zu dem Projekt „Safety of the Living Kidney Donor-German National Register (SOLKID-GNR)“.
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