Das Zusammenspiel von Sexualhormonen in unserem Körper ist komplex und sehr empfindlich. So können verschiedene Umwelteinflüsse wie Stress oder falsche Ernährung bereits dazu beitragen, das System aus dem Gleichgewicht zu bringen. Auch eine Adipositas-Erkrankung kann sich sehr stark auf den Hormonhaushalt auswirken:1
Es wurde festgestellt, dass Adipositas bei Männern mit der Ausbildung eines Hypogonadismus assoziiert sein kann. Viszerales Fettgewebe sekretiert eine erhöhte Menge an Adipokinen und proinflammatorischen Zytokinen, die sich auf den Stoffwechsel und das Gleichgewicht der Hormone auswirken. Systemisch begünstigen die Mediatoren eine chronische Inflammation und eine Insulinresistenz und reduzieren darüber hinaus die Funktion der Leydig-Zellen, was zu einer verringerten Testosteronproduktion führen kann. Die Adipozyten enthalten außerdem eine hohe Konzentration des Enzyms Aromatase, das sich ebenso auf die Testosteronproduktion auswirkt: Testosteron wird durch die Aromatase in Östradiol umgewandelt, wodurch die Testosteronproduktion durch ein negatives Feedback über den Hypothalamus und die Hypophyse gehemmt wird.2
Testosteron wird größtenteils gebunden an die Transportproteine Albumin und SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) durch den Körper befördert und wirkt sich auf viele verschiedene Zielbereiche aus, so auch auf die Regulation der Skelettmuskelmasse. Da Testosteron die Proteinbiosynthese fördert, kann es durch einen Testosteronmangel zu einer Reduzierung der Muskelmasse kommen.3 Ein Teufelskreis droht: Ein solcher Androgenmangel kann zu der vermehrten Entstehung von Fettgewebe führen, das wiederum die Testosteronproduktion hemmt.4 Der so entstehende sekundäre Hypogonadismus kann Symptome wie verminderte sexuelle, körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit verursachen. Bei bestätigtem Hypogonadismus besteht die Möglichkeit, eine nachhaltige Gewichtsabnahme und gegebenenfalls eine Testosterontherapie zu kombinieren, um den Teufelskreis zu brechen.2
Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndom (PMOS) ist durch hormonelle Schwankungen gekennzeichnet, welche Auswirkungen auf das Gewicht, Stoffwechsel, psychische Gesundheit, Haut sowie das Reproduktionssystem haben können. Früher wurde das Krankheitsbild noch als polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bezeichnet, doch die Umbenennung erfolgte, da der frühere Begriff die chronische endokrine Erkrankung auf Zysten und die Ovarien reduzierte. Die frühere Bezeichnung wurde der Komplexität der Erkrankung nicht gerecht und trug daher teilweise zu Fehldiagnosen und unzureichender Behandlung bei.5
Das PMOS ist die häufigste endokrine Erkrankung bei Frauen im reproduktiven Alter, mit einer Prävalenz von etwa 9 %.6 Auffällig dabei ist, dass viele Frauen gleichzeitig auch an Adipositas leiden – Frauen mit PMOS haben nahezu dreimal so häufig Adipositas wie Frauen ohne PMOS.7 Den Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen stellt vermutlich die endokrinologische hormonelle Dysbalance dar, wobei die ursächlichen Mechanismen teilweise noch ungeklärt sind. Es wurde jedoch beobachtet, dass Zytokine aus den Adipozyten die Insulinsensitivität negativ beeinflussen können. Bei Frauen mit PMOS ist ebenso das Risiko einer Insulinresistenz und somit für Typ-2-Diabetes erhöht, was auch mit der endokrinen Funktion von viszeralem Fettgewebe zusammenhängen könnte.8
Außerdem bestehen teilweise gemeinsame genetische Risikovarianten und deutliche familiäre Häufungen sowohl für PMOS als auch für Adipositas.9 Umwelteinflüsse, wie eine hohe Kalorienaufnahme oder Bewegungsmangel, tragen über Gewichtszunahme wesentlich zur Entwicklung beziehungsweise Verschlechterung beider Erkrankungen bei.8
Auch wenn die Zusammenhänge zwischen Adipositas und PMOS noch nicht vollständig geklärt sind, scheinen die beiden Erkrankungen sich über gemeinsame Mechanismen wie Insulinresistenz und chronische Inflammation gegenseitig zu verstärken. Aber auch unabhängig von der Diagnose eines PMOS treten bei übergewichtigen Frauen vermehrt Reproduktionsprobleme auf. So leiden Frauen mit Adipositas häufiger an Menstruationsstörungen und Unfruchtbarkeit als Frauen mit Normalgewicht. Eine Gewichtsabnahme kann in solch einem Fall dabei helfen, einen regelmäßigen Menstruationszyklus wiederherzustellen.8,10
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