In Deutschland nutzt etwa ein Viertel der jungen Frauen und Mädchen bis 22 Jahre kombinierte orale Kontrazeptiva als Verhütungsmethode.1 Diese Form der Kontrazeption geht stets mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen einher, über die die Patientinnen intensiv aufgeklärt werden sollten. Dies betrifft Patientinnen mit Adipositas ganz besonders, da die Erkrankung je nach Präparat als ein Risikofaktor für Komplikationen gelten kann.2 Grundsätzlich werden die oralen hormonellen Kontrazeptiva in drei Kategorien unterteilt:3
Das Vorliegen einer Adipositas-Erkrankung kann besonders das Risiko für venöse Thromboembolien erhöhen. Eine Studie konnte zeigen, dass das Thromboserisiko bei Frauen mit Adipositas unter der Einnahme von oralen Kontrazeptiva im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen, die keine oralen Kontrazeptiva einnahmen, um das 24-fache anstieg.4 Die WHO Medical Eligibility Criteria (MEC) klassifizieren kombinierte hormonelle Kontrazeptiva bei Menschen mit Adipositas ohne zusätzliche Risikofaktoren meist in Kategorie 2 („Vorteile überwiegen Risiken“).5 Da Adipositas in den meisten Fällen allerdings mit Komorbiditäten assoziiert ist, sollte eine sorgfältige Anamnese weiterer Risikofaktoren erfolgen. Besonders dann, wenn Hypertonie, Hyperlipidämie, Nikotinkonsum oder Diabetes mellitus mit kardiovaskulären Komplikationen vorliegen, sollte von Kombinationspräparaten abgeraten werden. Hier empfehlen sich eher Gestagen-Monopräparate oder andere, hormonfreie Verhütungsmethoden.5,6
Da eine Schwangerschaft bei vorliegender Adipositas mit einigen Risiken wie Gestationsdiabetes oder Präeklampsie einhergeht, ist hier eine sichere und effektive Verhütung besonders wichtig, wenn kein Kinderwunsch vorliegt.7 Ob ein erhöhter BMI zu einer verringerten Wirksamkeit führt, ist momentan aufgrund mangelnder Studiendaten noch umstritten.7,8 Klar ist, dass pharmakokinetische Prozesse von Arzneimitteln je nach Körpergewicht und Anteil der Fettmasse variieren können. Allerdings sind diese Veränderungen schwer zu verallgemeinern, da sie zusätzlich von einer Reihe individueller Eigenschaften abhängen.8,9
Bariatrische Operationen können Resorptionsstörungen verursachen, wodurch sich das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft trotz Pilleneinnahme somit erhöhen kann. Im Anschluss an eine solche Operation werden alternative Verhütungsmethoden (z.B. transdermale hormonelle Kontrazeptiva) empfohlen.10
Im Kontext der medikamentösen Therapie der Adipositas ist die Datenlage hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen mit oralen hormonellen Kontrazeptiva insgesamt uneinheitlich. Es finden sich Hinweise darauf, dass bestimmte Substanzen über eine Beeinflussung der gastrointestinalen Motilität die Bioverfügbarkeit oraler Kontrazeptiva verändern können.11 Pharmakokinetische Untersuchungen zeigen jedoch, dass solche Effekte nicht durchgängig auftreten und für einzelne Wirkstoffe keine relevanten Veränderungen der Bioverfügbarkeit nachweisbar sind.11,12 Insgesamt ergibt sich damit ein heterogenes Bild ohne konsistente Evidenz für eine generelle klinisch relevante Abschwächung der kontrazeptiven Wirksamkeit. Aufgrund der variablen Befundlage je nach Wirkstoff sollte jedoch im Einzelfall aufmerksam geprüft werden, ob eine Interaktion vorliegen könnte.11
Es gibt Hinweise darauf, dass die Wirkung von hormonellen Notfallkontrazeptiva bei einer Adipositas-Erkrankung reduziert ist. So zeigte eine Metaanalyse, dass die „Pille danach“ bei Patientinnen mit Adipositas weniger zuverlässig war, als bei normalgewichtigen Frauen. Bei Anwendung von Levonorgestrel erhöhte sich die Schwangerschaftsrate ab einem BMI von 30 kg/m2.7,13 Laut Leitlinie wird daher statt hormoneller Empfängnisverhütung ab einem BMI > 30 kg/m2 die Einlage eines kupferhaltigen Intrauterinsystems zur Notfallkontrazeption empfohlen.7
Bei der Verschreibung von oralen hormonellen Kontrazeptiva sollte beim Vorliegen einer Adipositas-Erkrankung auf verschiedene Faktoren geachtet werden. Besonders Begleiterkrankungen und kürzlich erfolgte bariatrische Operationen können die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen erhöhen und die Effektivität der Pille absenken. Daher sollten bei Patientinnen mit Adipositas alternative, nicht-hormonelle Kontrazeptiva angeboten werden.7
Referenzen:
Haben Sie bereits Erfahrungen mit den Auswirkungen von oralen Kontrazeptiva beim Vorliegen einer Adipositas gemacht? Teilen Sie Ihre Geschichte gerne über die Kommentarfunktion mit!
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