Peptide: Aufbau, Funktion und pharmakologische EigenschaftenAus biochemischer Perspektive sind Peptide kurze Ketten von Aminosäuren, die durch sogenannte Peptidbindungen miteinander verbunden sind, diese Bindung entsteht durch eine Kondensationsreaktion zwischen der Carboxylgruppe, einer Aminosäure und der Aminogruppe einer weiteren Aminosäure und entspricht chemisch einer Amidbindung. Häufig werden Peptide als Aminosäureketten von etwa zwei bis 50 Aminosäuren klassifiziert, längere Ketten werden als Proteine klassifiziert. Tatsächlich existieren Peptide und Proteine auf einem Spektrum, der exakte Punkt, an dem Peptide als Proteine bezeichnet werden variiert also je nach der Quelle, aber das generelle Prinzip ist: Peptide und Proteine bestehen aus denselben Bausteinen und unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Länge und Struktur.Der Größenunterschied ist entscheidend: Niedermolekulare Medikamente wie Ibuprofen wirken häufig, indem sie spezifische Enzyme und Signalwege hemmen. Bei Ibuprofen sind dies beispielsweise die Enzyme COX-1 und COX-2, deren Hemmung die analgetischen und antipyretischen Effekte verursachen. Diese Hemmungen kann jedoch auch vorhersehbare Nebenwirkungen verursachen. Peptide interagieren dagegen häufig mit hochspezifischen Rezeptoren und Signalwegen, wodurch ein anderes, jedoch nicht automatisch sichereres, Nebenwirkungsprofil entsteht. Peptide können weiterhin Risiken wie Nebenwirkung oder Immunreaktionen tragen, insbesondere wenn ihre pharmakologischen Eigenschaften unzureichend charakterisiert sind.Vom Biohacking-Trend zum MainstreamDie nicht-medizinische Nutzung von Peptiden als „Forschungschemikalien“ geht teilweise aus der Biohacking-Kultur hervor, eine Online-Subkultur, die auf die Optimierung des eigenen Körpers abzielt, z.B. durch die Nutzung bestimmter Protokolle, Nahrungsergänzungsmittel oder pharmakologischer Substanzen.Inzwischen hat sich dieses Interesse jedoch in den Mainstream bewegt, vor allem durch den Aufstieg des sogenannten Looksmaxxing-Trends, eine Online-Bewegung, die auf die Maximierung des äußeren Erscheinungsbildes abzielt, oft durch aggressive oder unkonventionelle Methoden. Peptide wie BPC-157 oder GHK-Cu sind dort Favoriten geworden, ihnen werden häufig entzündungshemmende und regenerationsfördernde Effekte zugeschrieben, wobei diese Effekte bislang überwiegend anekdotisch beschrieben sind.Diese Verbindung zwischen der Biohacking Kultur und Mainstream Social Media ging relativ schnell. Was einst primär in Bodybuilding- oder Longevity-Kreisen verbreitet war ist nun einem Großteil der Social Media Nutzer bekannt.Das steigende Interesse kommt allerdings auch mit direkten Risiken. Während diese Substanzen zwar vielversprechende Ergebnisse zeigen, stammen diese Daten meist aus Tiermodellen und nicht aus klinischen Studien am Menschen. Dazu kommt, dass diese Substanzen für diese spezifische Anwendung von keiner großen Arzneimittelbehörde zugelassen wurden. Das meiste was online zirkuliert ist anekdotisch. Dazu kommt, dass diese Substanzen, durch die fehlende Zulassung, häufig über unregulierte oder nicht überprüfte Quellen bezogen werden.Die FDA-Bewertung von Peptiden im Compounding-KontextAm 23. und 24. Juli trifft sich das Pharmacy Compounding Advisory Committee (PCAC) der amerikanischen Behörde FDA, bei dem geprüft wird, ob diese Peptide in die „503A Bulk Drug Substances List“ aufgenommen werden sollten. Diese Liste legt fest, welche Substanzen bei der Produktion von patientenspezifischen Verschreibungen unter bestimmten Bedingungen von 503A-Compounding-Apotheken verarbeitet werden dürfen.Die Konferenz geht über zwei Tage, wobei beim ersten BPC-157, KPV, TB-500, MOTS-c und Emideltide, auch bekannt als DSIP besprochen werden, am folgenden Tag Semax und Epitalon. Diese Konferenz folgt auf die Entscheidung der FDA aus dem Jahr 2023, mehrere dieser Substanzen als sogenannte „Category 2 Substances“ einzustufen.In dem Briefing-Dokument vor der Konferenz, hat die FDA vorgeschlagen, dass keines dieser sieben Peptide zu der 503A Liste hinzugefügt werden sollten, sie zitierten dafür drei Hauptbedenken: die fehlende Charakterisierung dieser Substanzen, fehlende Evidenz für die Effektivität sowie die begrenzten Daten zur Anwendung am Menschen, einschließlich unklarer Risiken hinsichtlich möglicher Immunogenität.Es ist wichtig zu wissen, dass diese Konferenz keine Entscheidung ist, die Empfehlung der PCAC ist nicht bindend. Am Ende entscheidet somit die FDA welche Peptide auf die 503A Liste gesetzt werden. Die praktische Konsequenz wäre jedoch, dass in der Zukunft lizenzierte Apotheken immer noch keine Peptide für Patienten zubereiten können, dies bedeutet, dass aktuelle Anwender weiterhin auf den Graumarkt zurückgreifen müssen.Für die wachsende Anzahl an Anwendern, die durch Online-Trends auf diese Substanzen aufmerksam geworden sind, dürfte sich somit kurzfristig wenig ändern. Was dies allerdings doch zeigt, ist der große Unterschied zwischen den anekdotischen Berichten und der aktuell verfügbaren klinischen Evidenz.