Liebe Kollegin, lieber Kollege,
ich habe mal wieder einen schwierigen Fall dabei. Die erste Diagnose war schnell gestellt. Genau da wurde es gefährlich.
58-jähriger Mann. Vor einem Jahr: ausgedehnte Dünndarmresektion nach mesenterialer Ischämie. Das Kolon durfte bleiben — immerhin.Seit einigen Wochen kommt er immer wieder mit stundenlangen Episoden zurück: Verwirrtheit, verwaschene Sprache, unsicherer Gang, Nystagmus. Danach? Weitgehend unauffällig. Praktisch, wenn Krankheiten sich benehmen wie schlechte Zeugen.Die erste Episode wurde auswärts als Alkoholintoxikation abgehakt. Entlassen. Problem gelöst. Außer natürlich, dass der Mann glaubhaft angibt, keinen Alkohol zu trinken.Jetzt also wieder: torkelnder Gang, desorientiert, horizontaler Nystagmus, Ataxie. Afebril, kreislaufstabil, keine fokal-neurologischen Ausfälle, kein Meningismus. Er wirkt schlicht betrunken. Nur dass Medizin selten so freundlich ist, wie sie aussieht.BGA: pH 7,28, HCO₃⁻ 14 mmol/l. Natrium 140, Kalium 4,0, Chlorid 104 mmol/l. Laktat 1,4 mmol/l. Glukose 98 mg/dl. Kreatinin 0,9 mg/dl. Transaminasen unauffällig. Kraniale Bildgebung: ebenfalls unbeeindruckt.Ein Patient, der nüchtern betrunken wirkt, episodisch neurologisch entgleist und eine Azidose mitbringt, während die üblichen Verdächtigen demonstrativ schweigen.
Also gut, welcher Befund fehlt dir noch? Und welche Diagnose würdest du zu diesem Zeitpunkt ernsthaft verfolgen?
Wer die richtigen Fragen stellt, bekommt mehr Informationen aus der Akte.
Hinweis: Dieser Fall entspricht einer vereinfachten Darstellung und dient dem Lernzweck.Bildquelle: ChatGPT