Befund:Es liegt eine absolut regelmäßige Schmalkomplex-Tachykardie mit einer Frequenz von 115/min vor. Die QRS-Komplexe sind schmal. Charakteristisch sind retrograde (d.h. negative in den inferioren Ableitungen II, III, aVF) P-Wellen, die den QRS-Komplexen mit einem sehr kurzen PQ-Intervall unmittelbar vorangehen. Die Erregungsrückbildung zeigt keine primär pathologischen Veränderungen.
Beurteilung:Supraventrikuläre Tachykardie (SVT) mit junktionalem Ursprung. Der Befund entspricht einer junktionalen Tachykardie.Differenzialdiagnostisch muss eine atypische AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) in Betracht gezogen werden.
Kommentar:Der Rhythmus entsteht in der AV-Junktion (dem Bereich um den AV-Knoten), nicht im Sinusknoten. Von dort aus wird die Erregung sowohl zu den Kammern (anterograd, was den schmalen QRS-Komplex erklärt) als auch zu den Vorhöfen (retrograd) geleitet. Die retrograde Erregung der Vorhöfe erzeugt die negativen P-Wellen in den inferioren Ableitungen. Dass die P-Welle kurz vor dem QRS-Komplex erscheint, bedeutet, dass die retrograde Leitung zu den Vorhöfen etwas schneller ist als die anterograde Leitung zu den Kammern.
Die eigentliche Herausforderung ist die Unterscheidung des zugrundeliegenden Mechanismus:
Die definitive Unterscheidung ist daher oft nicht allein am Ruhe-EKG, sondern am klinischen Kontext, dem Verlauf (plötzlicher Beginn/Ende vs. allmählich) und der Reaktion auf therapeutische Interventionen möglich.Autor: Joshua Soeder, DocCheck, erstellt mit Inkspace; lizenziert unter CC BY-NC-SA 3.0