Befund:Es liegt eine absolut regelmäßige Breitkomplex-Tachykardie mit einer Frequenz von ca. 193/min vor. Die QRS-Dauer ist verbreitert. Die elektrische Herzachse zeigt eine Rechtstyp-Lage. Eine eindeutige Beziehung zwischen Vorhof- und Kammeraktionen (z.B. P-Wellen, AV-Dissoziation, Capture- oder Fusionsschläge) ist nicht abgrenzbar. Es finden sich ausgeprägte, diskordante ST-Strecken- und T-Wellen-Veränderungen.
Beurteilung:Regelmäßige Breitkomplex-Tachykardie (WCT), Diagnose unklar. Die wahrscheinlichste und klinisch wichtigste Differenzialdiagnose ist eine ventrikuläre Tachykardie (VT). Als alternative Diagnose muss eine supraventrikuläre Tachykardie (SVT) mit aberranter Leitung in Betracht gezogen werden (z.B. eine antidrome AVRT bei WPW-Syndrom).
Kommentar:Grundsätzlich wird im Notfall jede unklare Breitkomplex-Tachykardie bis zum Beweis des Gegenteils wie eine ventrikuläre Tachykardie behandelt. Das therapeutische Vorgehen bei einem stabilen Patienten hängt jedoch von der Regularität der Tachykardie ab.
Bei einer regelmäßigen monomorphen WCT wie der vorliegenden können Adenosin sowie Antiarrhythmika wie Procainamid oder Amiodaron erwogen werden. Adenosin hat hier den Vorteil, eine AV-Knoten-abhängige SVT zu beenden und somit diagnostisch und therapeutisch zu wirken.
AV-Knoten-blockierende Medikamente sind bei unklarer WCT mit Vorsicht einzusetzen, insbesondere wenn eine präexzitierte supraventrikuläre Tachyarrhythmie / präexzitiertes Vorhofflimmern möglich ist. Letzteres würde sich typischerweise als unregelmäßige Breitkomplex-Tachykardie manifestieren und stellt die absolute Kontraindikation für AV-Knoten-Blocker dar.
Bei jedem hämodynamisch instabilen Patienten ist die sofortige elektrische Kardioversion die Therapie der Wahl.Autor: Joshua Soeder, DocCheck, erstellt mit Inkspace; lizenziert unter CC BY-NC-SA 3.0