Befund:
Es liegt eine absolut regelmäßige Schmalkomplex-Tachykardie mit einer hohen Frequenz von ca. 214 /min vor. Die QRS-Komplexe sind schmal.Charakteristisch sind schmale, negative (retrograde) P-Wellen, die deutlich sichtbar nach dem QRS-Komplex als Einkerbung ("notch") auftreten. Die ST-Strecken und T-Wellen sind aufgrund der hohen Frequenz und Überlagerung durch retrograde P-Wellen nur eingeschränkt beurteilbar. Möglicherweise finden sich Zeichen einer frequenzbedingten Ischämie.
Beurteilung:
Supraventrikuläre Tachykardie (SVT). Aufgrund des Nachweises von retrograden P-Wellen mit einem langen RP-Intervall handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine orthodrome atrioventrikuläre Reentry-Tachykardie (AVRT).
Kommentar:
Das Auftreten einer orthodromen AVRT belegt das Vorhandensein einer akzessorischen Leitungsbahn, welche die anatomische Grundlage des WPW-Syndroms darstellt. Bei dieser Form der Tachykardie nutzt der elektrische Impuls den normalen Weg über den AV-Knoten in die Kammern (was den schmalen QRS-Komplex erklärt) und die akzessorische Leitungsbahn für den retrograden Weg zurück zum Vorhof.
Der entscheidende Unterschied zur typischen AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT) ist das Timing der P-Welle:
Obwohl die Pathophysiologie unterschiedlich ist, ist die Akuttherapie (z.B. mit Adenosin, das den Kreislauf im AV-Knoten unterbricht) bei beiden Formen sehr ähnlich und wirksam.Autor: Joshua Soeder, DocCheck, erstellt mit Inkspace; lizenziert unter CC BY-NC-SA 3.0