Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom, kurz WPW-Syndrom, ist eine Herzrhythmusstörung. Es zählt zu den Präexzitationssyndromen und ist die häufigste Form der AV-Reentrytachykardie (AVRT).
Das WPW-Syndrom tritt in der Allgemeinbevölkerung mit einer Häufigkeit von 0,1 bis 0,3 % auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Der Erkrankungsgipfel liegt im 3. und 4. Lebensjahrzehnt.
Bei einem Wolff-Parkinson-White-Syndrom liegt eine Anomalie des Erregungsleitungssystems des Herzens vor. Zwischen Vorhof und Kammer verläuft eine akzessorische Leitungsbahn (ALB), das sogenannte Kent-Bündel. Dadurch können vom Vorhof initiierte Erregungen nicht nur über den AV-Knoten auf das Kammermyokard übertragen werden, sondern auch über das Kent-Bündel. Umgekehrt kann die vom AV-Knoten übergeleitete Erregung über das Kent-Bündel auch wieder in den Vorhof zurückgeleitet werden ("Reentry").
Der AV-Knoten erfüllt die Funktion eines physiologischen Filters, der dafür sorgt, dass gefährlich hohe Frequenzen aus dem Sinusknoten oder ektopen Vorhoferregungszentren nicht auf die Kammer übergeleitet werden. Die akzessorische Leitungsbahn überträgt hingegen Vorhofimpulse ungefiltert auf die Kammer. Hochfrequente Vorhofimpulse führen dann zu den typischen paroxysmalen Tachykardieepisoden. Dabei kreist die Erregung zwischen Vorhof und Kammer.
Neben dem Kent-Bündel sind eine Reihe weiterer akzessorischer Leitungsbahnen zwischen Vorhof und Kammer beschrieben, die ebenfalls zu einem WPW-Syndrom führen können.
Während der Tachykardieepisoden des WPW-Syndroms kann die Erregung in zwei Richtungen laufen:
In etwa 50 % der Fälle sind Patienten mit akzessorischer Leitungsbahn asymptomatisch. Bei den anderen 50 % treten Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Synkopen, Dyspnoe oder Thoraxschmerzen auf. Harmlos, jedoch mitunter sehr störend, sind vom Patienten empfundene Palpitationen und "starke Schläge".
Typisch ist ein plötzlich beginnender, schneller und regelmäßiger Puls mit Frequenzen von 150 bis 250 Schlägen/Minute. Die Tachykardieepisoden können wenige Sekunden, aber auch mehrere Stunden anhalten. Sie enden ebenso plötzlich, wie sie begonnen haben.
Trifft eine Erregung durch die akzessorische Leitungsbahn auf nur teilweise refraktäres Kammermyokard, kann es zu lebensbedrohlichem Kammerflimmern und zum plötzlichen Herztod kommen.
Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom wird mittels EKG diagnostiziert. Typisch sind die Delta-Wellen im QRS-Komplex, die durch die frühzeitige Erregung des Kammermyokards entstehen und einen trägen Anstieg des QRS-Komplexes zeigen. Durch die Delta-Welle erscheint der QRS-Komplex im EKG verbreitert, weshalb man auch von einer Breitkomplextachykardie spricht. Sie tritt bei antidromer Erregungsleitung, aber auch bei orthodromer Erregungsleitung mit Schenkelblock auf.
Eine Schmalkomplextachykardie sieht man bei einer orthodromen Erregungsleitung ohne Schenkelblock. Differentialdiagnostisch kommt hier auch eine AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT) infrage.
Da die Erregung des Ventrikels im Vorhof weitergeleitet wird, erkennt man bei symptomatischen Patienten im EKG eine verspätete P-Welle, die nach dem QRS-Komplex im ST-Segment auftritt. Je nach Verlaufsrichtung der Vorhoferregung kann sie zusätzlich invertiert sein.
Weiterhin kann durch den Reentry der Erregung aus der Kammerebene in die Vorhofebene ein Vorhofflimmern entstehen.
Autor: Joshua Soeder, DocCheck, erstellt mit Inkspace; lizenziert unter CC BY-NC-SA 3.0