Die zunehmende medizinische und therapeutische Nutzung von Cannabis erfordert eine differenzierte Betrachtung seiner pharmakologischen Wirkung auf unterschiedliche Geschlechter. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Pharmakodynamik und Pharmakokinetik von Medikamenten gestiegen. Auch bei Cannabis, dessen Hauptwirkstoffe Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) über das Endocannabinoid-System (ECS) wirken, soll es Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Individuen in Bezug auf Wirkung, Nebenwirkungen und therapeutischer Potenziale geben.
Trotz der wachsenden Bedeutung von Cannabis in der medizinischen Therapie, dominiert weiterhin der nicht-indizierte, rekreative Gebrauch. Ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln gibt es historisch gesehen mehr männliche als weibliche Cannabis-Freizeitkonsumenten. Aktuelle Trends deuten jedoch darauf hin, dass die Zahl der weiblichen Konsumenten zunimmt, während die Zahl der männlichen Konsumenten stabil bleibt. Zudem entwickeln weibliche Konsumenten nach Beginn des Konsums schneller Cannabiskonsumstörungen (CUDs) als Männer, ein Phänomen, das als „telescoping“ bezeichnet wird.
Es gibt Hinweise auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirkung von THC, die möglicherweise durch die Interaktion zwischen dem ECS und dem Hormonsystem bedingt sind. Daraus ergibt sich die klinisch relevante Fragestellung, ob die therapeutische Wirksamkeit von THC geschlechtsabhängigen Unterschieden unterliegen könnte.