Die Nebenwirkungen von GLP-1-Analoga sind nicht bloß eine haarige Angelegenheit. Immer mehr Anwender berichten von sich ablösenden Fingernägeln. Was hat es damit auf sich?
Unter der Therapie von Semaglutid und Tirzepatid kann es bei Patienten zu Haarausfall kommen, das ist längst bekannt. Um Fingernägel ging es dagegen bislang kaum. Doch inzwischen mehren sich die Berichte von Anwendern, deren Fingernägel brüchig werden, sich verfärben oder sogar vom Nagelbett lösen. Ein französisch-italienisches Team hat dazu auf dem EADV-Kongress 2026 in Wien nun erstmals Zahlen aus einer kontrollierten Studie vorgestellt. Die hat allerdings ein paar Haken.
Die Forscher um Bianca Maria Piraccini und Charles Taïeb haben 575 Menschen befragt, die GLP-1-Rezeptoragonisten nehmen. Zum Vergleich befragten sie 1.329 Kontrollpersonen. Alle hatten Typ-2-Diabetes und/oder Adipositas, die Kontrollgruppe hatte jedoch nie ein Präparat dieser Klasse genommen. Rekrutiert wurde in Frankreich, den USA, Brasilien und Mexiko.
Die Unterschiede sind deutlich:
Auch in der Gruppe der Teilnehmer, die abgenommen hatten, blieben die Unterschiede signifikant. Nach Adjustierung für Hauterkrankungen und Nährstoffmängel schrumpften manche Zusammenhänge. Ablösung und Verfärbung waren aber weiterhin etwa zwei- bis dreimal häufiger.
Mit denselben Teilnehmern lief eine Begleitstudie zu den Haaren. 50 % der GLP-1-Anwender gaben ungewöhnlichen Haarausfall an, in der Kontrollgruppe waren es 34 %. Ein Verlust an Haardichte fiel 42 % gegenüber 19 % auf. Haarausfall, der erst nach Therapiebeginn einsetzte, trat mehr als doppelt so häufig auf. Rötungen der Kopfhaut waren unter GLP-1 etwa dreimal häufiger und der Haarausfall ging meist mit Juckreiz, Rötung oder Schuppung einher. „Eine Entzündung der Kopfhaut war eher die Regel als die Ausnahme“, sagt Studienautor Bruno Halioua.
Ob die Wirkstoffe die Veränderungen tatsächlich verursachen, beantworten die Daten aber nicht. Immerhin gibt es einige Schwächen:
Auch Taïeb selbst bremst: „Nicht alles, was während einer GLP-1-Therapie passiert, wird zwangsläufig durch die Therapie verursacht.“ Als Nächstes planen die Forscher prospektive Studien mit standardisierten dermatologischen Untersuchungen.
Was heißt das nun für die Praxis? Absetzen sollen Betroffene ihre Medikamente nicht, betonen die Autoren. Haarausfall, eine gereizte Kopfhaut oder veränderte Nägel sollten sie aber ärztlich ansprechen. Bei Patienten, die GLP-1-Hemmer nutzen, lohnt sich also auch ein Blick auf die Hände.
Bildquelle: Joceline Painho, Unsplash
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