48 Babys, 9 Geschwisterpaare und ein Verfahren, das langsam erwachsen wird: Die Transplantation der Gebärmutter wird vom Wagnis zur Chance. Wie weit sind wir wirklich?
Keine Gebärmutter, kein Kind – mit dieser Diagnose müssen etwa 3 Prozent aller Frauen weltweit leben. Meist steckt das Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom dahinter: Scheide und Gebärmutter fehlen von Geburt an, obwohl Eierstöcke und Hormonhaushalt normal funktionieren. Für Betroffene mit Kinderwunsch blieben bislang nur Leihmutterschaft oder Adoption – bis die sich eine dritte Option eröffnete: Die Gebärmuttertransplantation. Dass dieser einst experimentelle Eingriff inzwischen gut etabliert ist, zeigt eine aktuelle Auswertung von Forschern der University of Pennsylvania.
Sie werteten die Daten von 60 Gebärmuttertransplantationen aus, die zwischen 2016 und 2025 an vier US-Zentren durchgeführt wurden – chirurgische, reproduktive, neonatale und frühkindliche Entwicklungsdaten eingeschlossen.
Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Obstetrics & Gynecology erschienen. Von den 60 transplantierten Gebärmüttern überstanden 51 die kritischen ersten 30 Tage nach dem Eingriff. 70 Prozent aller Empfängerinnen brachten mindestens ein lebendes Kind zur Welt oder waren bei Studienende jenseits der 20. Schwangerschaftswoche. Zählt man nur die Frauen mit funktionierendem Transplantat, lag die Rate an Lebendgeburten sogar bei über 82 Prozent. Das Verfahren ist zudem deutlich sicherer geworden: Seit 2020 versagte bei 31 Transplantationen nur noch ein einziges Organ.
In den USA kamen bislang 48 Kinder nach einer Gebärmuttertransplantation zur Welt, 9 Frauen bekamen sogar zwei. Allein an der Penn Medicine entstanden aus 7 Transplantationen 8 Babys. Die erste Geburt dort gelang bereits im November 2019.
Ein Großteil der Organe stammt von Lebendspenderinnen, an der Penn Medicine fast ausschließlich. Auch hier zeigt sich der Lerneffekt deutlich: Mussten 2016 und 2017 noch 33 Prozent der Spenderinnen wegen Komplikationen nachoperiert werden, waren es 2024 und 2025 nur noch 8 Prozent. Lebensbedrohliche Komplikationen oder Todesfälle bei Spenderinnen traten in keinem der ausgewerteten Fälle auf. Schwangerschaften nach Gebärmuttertransplantation bleiben dennoch Risikoschwangerschaften: 58 Prozent der Kinder kamen vorzeitig zur Welt, häufig begleitet von Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck. Für die Kinder selbst zeichnet sich bislang ein unauffälliges Bild: Alle zeigten bei Entlassung und im Alter von sechs Monaten eine normale Entwicklung. Von 29 im Alter von drei Jahren untersuchten Kindern wuchsen alle altersgerecht, ohne Gedeihstörung; bei zwei Kindern wurde eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert, weitere Entwicklungsauffälligkeiten traten nicht auf.
„Die Daten dieser Analyse zeigen, dass die Gebärmuttertransplantation ein wirksamer Weg ist, damit Frauen schwanger werden und Kinder bekommen können“, sagt Kathleen E. O’Neill, Assistenzprofessorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der University of Pennsylvania und Leiterin des dortigen Uterus-Transplantationsprogramms. Sie hofft, dass die Ergebnisse künftig auch die Kostenübernahme durch Versicherungen erleichtern: „Ich hoffe, diese Analyse zeigt Versicherungen […] dass wir über eine Technik verfügen, die es mehr Frauen ermöglicht hat, Mutter zu werden.“ Frauen, so O’Neill, verdienten Zugang und Wahlmöglichkeiten, wenn es darum geht, wie sie eine Familie gründen.
Bildquelle: Faruk Tokluoğlu, Unsplash
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