Facharzttermin binnen 10 Tagen statt wochenlanger Wartezeit – das sind die Pläne der IKK für ihre gesetzlich Versicherten. Doch was nach Fortschritt klingt, hat die Politik in ähnlicher Form schon einmal gestoppt.
Die IKK - Die Innovationskasse startet gemeinsam mit dem Bayerischen Facharztverband ein Pilotprojekt: Unter dem Namen „Facharzt privat“ sollen gesetzlich versicherte IKK-Mitglieder in Bayern künftig genauso schnell einen Facharzttermin bekommen wie Privatpatienten. Möglich wird das, weil beteiligte Praxen ihre Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) statt über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abrechnen – ohne die für Kassenpatienten sonst übliche Budgetierung. Konkret verspricht die Kasse maximal 10 Tage Wartezeit für reguläre Termine, 3 Tage bei dringenden Fällen und einen Facharztbesuch noch am selben Tag bei Notfällen. Rund 1.000 der insgesamt 7.000 bayerischen Fachärzte machen bislang mit. Bundesweit hat die IK etwa 270.000 Versicherte, eine erste Auswertung des Projekts ist für Ende 2026 angekündigt.
IKK-Vorstand Ralf Hermes begründet den Vorstoß mit einer grundsätzlichen Kritik am bestehenden System: Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen laufe „fast ausschließlich über den Zusatzbeitrag“ – das sei „primitiv“. Sein Kalkül: Schnellere Facharzttermine sollen Erkrankungen früher erkennen und dadurch Folgekosten – etwa Klinikaufenthalte, Medikamente oder Hilfsmittel – einsparen, die die höhere Vergütung der Fachärzte wieder ausgleichen.
Ganz neu ist die Idee eines privilegierten Facharztzugangs für gesetzlich Versicherte bei der IKK nicht. Bereits 2024 hatte Hermes vorgeschlagen, Versicherte könnten sich freiwillig privat für Facharztbehandlungen zusatzversichern – mit bis zu 2.000 Euro Selbstbehalt und einem Bonus von 600 Euro als Anreiz. Das Bundesgesundheitsministerium lehnte damals ab, der Vorschlag „stehe nicht zur Debatte“. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, nannte den Vorstoß „richtige Diagnose, falsche Therapie“ und warnte, eine Abhängigkeit von privater Zusatzversicherung wäre der „Offenbarungseid“ der gesetzlichen Krankenversicherung. Sein Gegenvorschlag damals: Wahloptionen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung mit einer festen Ansprechpraxis statt eines Auslagerns an private Versicherer.
Wie stichhaltig ist Hermes’ Annahme, das Programm finanziere sich über eingesparte Folgekosten am Ende selbst? Unklar bleibt vorerst, ob die versprochenen Einsparungen durch frühere Diagnosen die höheren Honorare tatsächlich decken – belastbare Zahlen dazu nennt die Kasse noch nicht, die Evaluation steht erst Ende 2026 an. Offen ist auch, was aus dem Modell für die übrigen 6 von 7 bayerischen Fachärzten wird, die nicht teilnehmen, und für IKK-Versicherte außerhalb Bayerns. Und grundsätzlicher: Wenn eine einzelne gesetzliche Kasse ihren Mitgliedern schnelleren Facharztzugang verschafft, während andere gesetzlich Versicherte weiter wochenlang warten, stellt das die im Sozialgesetzbuch verankerte Gleichbehandlung innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung infrage.
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